Klinikkonzern

Firmengründer Münch verlässt Aufsichtsrat von Rhön-Klinikum

Beim privaten Anbieter Rhön-Klinikum geht eine Ära zu Ende: Der Firmengründer Eugen Münch zieht sich nach der Übernahme durch Asklepios aus dem Aufsichtsrat zurück.

Veröffentlicht: 19.08.2020, 18:15 Uhr
Der Rhön-Campus in Bad Neustadt: Das engere Zusammenrücken der Sektoren ambulant und stationär gehört zu den Visionen des Firmengründers Eugen Münch.

Der Rhön-Campus in Bad Neustadt: Das engere Zusammenrücken der Sektoren ambulant und stationär gehört zu den Visionen des Firmengründers Eugen Münch.

© Rhön Klinikum

Bad Neustadt. Firmenpatriarch Eugen Münch ist aus dem Aufsichtsrat der von ihm vor 46 Jahren gegründeten Rhön-Klinikum AG ausgeschieden. Münch trat am Mittwoch bei der Hauptversammlung wegen Erreichen der satzungsgemäßen Altersgrenze von 75 Jahren nicht mehr für einen Sitz im Kontrollgremium an, hieß es in einer Mitteilung von Rhön Klinikum.

Kai Hankeln, Vorstandsvorsitzender der Asklepios Kliniken GmbH & Co. KGaA, wurde bei den Neuwahlen mit einer Mehrheit von 98,51 Prozent neu in das Gremium gewählt. Mit einer Mehrheit von 98,50 Prozent stimmten die Aktionäre zudem für Dr. Jan Liersch, der vom Aufsichtsrat in seiner konstituierenden Sitzung im Anschluss an die Hauptversammlung zum neuen Vorsitzenden und Nachfolger von Eugen Münch gewählt wurde.

Liersch ist Jurist und Geschäftsführer der Broermann Holding GmbH in Königstein und gehört damit zum Umfeld von Bernhard große Broermann, dem Gründer von Asklepios.

„Prägend für die deutsche Krankenhauslandschaft“

Der Vorstand der Rhön Kliniken würdigte Eugen Münch, den Firmengründer und langjährigen Vorstandsvorsitzenden des Klinikkonzerns: „Seine Initiativen und Impulse nach innen und außen sind unzählig. Er hat unser Unternehmen wie auch die deutsche Krankenhauslandschaft insgesamt mit seinen Visionen wie kaum ein Zweiter geprägt“, heißt es laut Mitteilung.

Die letzte Aktion Münchs vor seinem Ausscheiden aus dem Aufsichtsrat war die Übernahme der Klinikkette durch den Hamburger Klinikbetreiber Asklepios, die von ihm maßgeblich mitbetrieben worden war. Der 75-Jährige will künftig nur noch beratend tätig sein.

Kritik von verdi

Die Gewerkschaft verdi kritisierte die Übernahme im Vorfeld der Hauptversammlung scharf. „Mit der Übernahme wächst die Marktmacht eines Konzerns, der mit rücksichtslosen Methoden versucht, aus der Versorgung kranker Menschen möglichst hohe Gewinne zu ziehen“, monierte die Gewerkschaft. Asklepios verweigere vielen Beschäftigten den Schutz durch Tarifverträge und setze flächendeckend auf Outsourcing, um Kosten zu drücken.

Der Deal der beiden privaten Gesundheitskonzerne führe auf erschreckende Weise vor Augen, wie die Politik durch die Kommerzialisierung von Kliniken an Einfluss auf Entscheidungen in der Gesundheitsversorgung verliere.

Keine Dividende für 2019

Rhön-Klinikum zahlt seinen Aktionären in diesem Jahr keine Dividende. Der Bilanzgewinn in Höhe von 203 Millionen Euro solle auf die nächste Jahresrechnung vorgetragen werden und so die Liquidität stärken und Investitionen ermöglichen. Schließlich habe auch die Corona-Pandemie zu Unsicherheiten und Auswirkungen auf die Ertrags- und Liquiditätslage des Unternehmens geführt.

An den fünf Standorten der Rhön-Klinikum AG in Bayern, Hessen, Thüringen und Brandenburg seien im vergangenen Jahr 860.528 Patienten behandelt worden, 1,2 Prozent mehr als im Jahr davor. Der Umsatz sei um 5,8 Prozent auf 1,3 Milliarden Euro gewachsen, sagte der amtierende Vorstand Gunther Weiß.

Im ersten Halbjahr 2020 sei bei steigenden Umsätzen allerdings sowohl die Zahl der Patienten im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zurückgegangen als auch der Gewinn. Positive Einmaleffekte im Vorjahr hätten zusammen mit negativen Einmaleffekten aus der Asklepios-Übernahme sowie einer Abfindung für den ehemaligen Vorstandschef Stephan Holzinger das Konzernergebnis mit 3,7 Millionen Euro in die Verlustzone rutschen lassen. (ger/dpa)

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