Künstliche Intelligenz

Fraunhofer-Chef hat keine Angst vorm intelligenten Roboter

Der technische Fortschritt löst bei vielen Menschen Sorgen und Ängste aus. Zu Recht? Der Chef der Fraunhofer-Gesellschaft wirbt zum Beginn der 2020er-Jahre für einen Blick auf die Fakten.

Von Ansgar Haase Veröffentlicht: 03.01.2020, 13:32 Uhr
Fraunhofer-Chef hat keine Angst vorm intelligenten Roboter

Roboter Ringo wartet auf einem Flur im Krankenhaus Waldkliniken Eisenberg auf einen Patienten zum Geh-Training. Wird künstliche Intelligenz für den Menschen beherrschbar bleiben?

© Jan Woitas/zb/dpa

München. Künstliche Intelligenz (KI), ein heiß diskutiertes Thema – nicht nur im Gesundheitswesen, wo KI-Systeme unter anderem in der Diagnostik unterstützen oder Medizinroboter bereits bei der Patientenaufnahme unterstützen. Bei aller Euphorie um KI, überwiegen vielerorts Angst und Skepsis vor dem Unbekannten, Medizinethiker appellieren an Ärzte und Fachgesellschaften, rechtzeitig die Grenzen im Umgang mit künstlicher Intelligenz zu definieren.

Doch wird KI für den Menschen beherrschbar bleiben? Im Interview mit der Deutschen Presse-Agentur erklärt der Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft, Reimund Neugebauer, warum er derzeit keine Angst vor einer Machtübernahme von Robotern hat. Gleichzeitig sagt er: Als Wissenschaftler wolle er auch nicht ausschließen, dass Maschinen unbeherrschbar werden.

Im Bereich der KI gab es in den vergangenen Jahren große Fortschritte. Wann wird es so weit sein, dass ein Mensch nicht mehr merkt, ob er in einer Hotline mit einem anderen Menschen oder mit einem Roboter telefoniert?

Reimund Neugebauer: Da gibt es ja heute manchmal schon durchaus Irrtümer. Wichtig ist, dass ein KI-System das Anliegen des Menschen nicht missversteht. Vielleicht können automatisierte Systeme auch Datenschutz-Aspekte besser gewährleisten als menschliche Akteure.

Würden sie die Hand dafür ins Feuer legen, dass die künstliche Intelligenz für den Menschen beherrschbar bleibt?

Neugebauer: Aus heutiger Sicht wird sie jedenfalls noch sehr lange beherrschbar sein. Die Beherrschbarkeit von künstlicher Intelligenz ist ja ähnlich zu beurteilen wie die Beherrschbarkeit anderer komplexer Technologien, die in einem engen Zusammenspiel zwischen menschlichen Akteuren und technischen Komponenten funktionieren. Für mein Dafürhalten wird der Begriff Künstliche Intelligenz auch zu leichtfertig in den Mund genommen.

Warum das?

Neugebauer: Nehmen wir nur mal das Thema Bewusstseinsbildung, so dass KI-Systeme eigene Intentionen entwickeln könnten. Da sind wir noch extrem weit entfernt von echter Intelligenz. Und was auch immer wieder vergessen wird: Alles, was wir heute an Intelligenzelementen nachbilden, insbesondere mit Deep Learning, erfordert einen immensen Energieaufwand. Für das, was wir an Denkleistung bewältigen, mit dieser aberwitzig geringen Energie unseres Körpers, da brauchen sie teilweise kleine Kraftwerke dahinter, um diese Denkleistung in KI nachzubilden. Das ist rein physikalisch eine riesige Hürde.

Ich scheue mich bis dahin sehr, dass wir das, was wir künstlich heute nachbauen, bereits als echte Intelligenz bezeichnen. Im Moment habe ich jedenfalls keine Sorge, dass eine KI die Macht übernimmt. Allerdings ist das, was wir bereits entwickelt haben, in vielen Bereichen gut zu verwenden, wir machen große Fortschritte.

Am Ende halten sie es aber nicht für undenkbar, dass Roboter unbeherrschbar werden?

Neugebauer: Dazu bin ich zu sehr Wissenschaftler, um Dinge einfach auszuschließen. Ausschließen heißt ja, ich würde die Wahrheit kennen. Autos, Flugzeuge und Kernkraftwerke können ja auch unbeherrschbar werden, in dem Sinn, dass sie sich dem kontrollierenden Eingriff des Menschen entziehen.

Der technische Fortschritt hat dem Menschen aber letztlich stets Aufgaben abgenommen – und er hat ihm neue, reizvollere Möglichkeiten geschaffen, die frei gewordene Zeit einzusetzen. Mensch und Maschine haben vom Prinzip her komplementäre Eigenschaften und ergänzen sich. Maschinen werden unseren Wirkungskreis erweitern, jedoch aller Wahrscheinlichkeit nach nicht aus eigenem Antrieb die Führung übernehmen. (dpa)

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