Knappes Gut

Geldquelle Trinkwasser – investieren ohne schlechtes Gewissen

Trinkwasser ist ein knappes Gut. Anleger können vom wachsenden Bedarf profitieren. Für ein ruhiges Gewissen – und eine höhere Rendite – sollten Investmentvehikel bedacht gewählt werden.

Von Richard Haimann Veröffentlicht:
Ein recht volles Wasserglas, in das noch weiter Wasser eingeschenkt wird.

Wasser kommt nicht überall unbegrenzt aus dem Hahn.

© Fotimmz / stock.adobe.com

Neu-Isenburg. In Deutschland und anderen Industrienationen kommt Wasser scheinbar unbegrenzt aus dem Hahn. In zahlreichen Staaten der übrigen Welt hingegen ist das trinkbare Nass ein kostbares Gut – und wird immer knapper.

„Nach dem jüngsten Weltwasserbericht der UNO haben aktuell bereits 2,2 Milliarden Menschen und damit 28 Prozent der Weltbevölkerung keinen regelmäßigen Zugang zu sauberem Trinkwasser“, sagt Michael Thaler, Vorstand der Münchner Top Vermögen. „Weil die Zahl der Erdbewohner jedes Jahr um 83 Millionen Menschen wächst, wird die Versorgung, Aufbereitung und Reinhaltung von Wasser in den nächsten Jahren immer weiter an Bedeutung gewinnen.“

Unternehmen brauchen Investoren

Über Fonds, die in Aktien von Wasser- und Abwasserversorgern sowie von Herstellern von Meerwasserentsalzungsanlagen, Reinigungs- und Filtertechnik investieren, können Anleger vom wachsenden Bedarf profitieren. Allerdings ist nicht jedem wohl dabei, Rendite mit der Not anderer Menschen zu erzielen. Doch ein schlechtes Gewissen müsse niemand haben, der in den Wassersektor investiert, sagt Thaler.

Die Unternehmen seien auf das Geld von Investoren angewiesen, um neue Technologien zu entwickeln. „Anleger, die forschenden Unternehmen Kapital zur Verfügung stellen, leisten einen sinnvollen Beitrag zur Bewältigung der Krise“, sagt Thaler. „Solche Kapitalanlagen sind moralisch nicht verwerflich, ganz im Gegenteil“, sagt auch Thomas Neumann, Geschäftsführer der Irschenberger Vermögensverwaltung bestadvice.

2,2

Milliarden Menschen weltweit haben laut Weltwasserbericht der UNO keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser.

Allerdings sollten die Unternehmen sorgfältig ausgewählt werden. In den Portfolien der Fonds sollten keine Aktien von Konzernen sein, „die an der Knappheit des Rohstoffs Wasser durch Spekulation, bewusste Verknappung und Verteuerung durch die Privatisierung von öffentlichen Wasserressourcen profitieren“, sagt Neumann.

Stattdessen sollte ein Fonds ausschließlich in Aktien von Unternehmen investieren, die „in den Bereichen Wasserinfrastruktur oder Wasseraufbereitung tätig sind und dafür sorgen, dass veraltete Leitungssysteme in Großstädten erneuert werden, die weltweite Abwasseraufbereitung verbessert wird und Voraussetzungen für saubere Trinkwasserqualitäten und schaffen“.

Auch Europa in den Blick nehmen

Dabei kommen auch in Europa tätige Unternehmen in Frage. „Nicht nur in Entwicklungsländern ist Wassermangel ein akutes Problem, auch in modernen, grundsätzlich gut entwickelten Volkswirtschaften, ist die Infrastruktur teilweise extrem veraltet“, sagt Andreas Görler, Stratege und zertifizierter Experte für nachhaltige Investments bei der Berliner Vermögensberatung Wellinvest – Pruschke & Kalm. „In London versickern jedes Jahr bis zu 50 Prozent des Trinkwassers aus beschädigten Leitungen, in Frankreich betragen die jährlichen Verluste im Schnitt 20 Prozent.“

Aktuell werden in Deutschland 15 „Wasserfonds“ angeboten. Diese Anlagevehikel investieren zu mindestens 90 Prozent in Aktien von Unternehmen, die im Wassersektor aktiv sind. „Wer zusätzlich mit seinem Investment auch ökologische, ethische und soziale Aspekte verbinden will, muss jedoch noch etwas selektieren“, sagt Göler. „Nur acht Wasserfonds erfüllen die Nachhaltigkeitskriterien.“

Rendite ist langfristig höher

Zum Teil können Anleger bereits am Namen erkennen, ob ein Wasserfonds nachhaltig investiert. Hinweise darauf geben Fachbegriffe aus dem englischen Börsenjargon wie „Sustainability“. Beispiele dafür sind der Fidelity Sustainable Water & Waste Fund, der JSS Sustainable Equity Green Planet, der Robeco Sustainable Water Fund oder der Swisscanto Equity Sustainable Global Water. Aber auch der Ökoworld Water for Life oder der Pictet Water würden den Nachhaltigkeitskriterien entsprechen, obwohl dies nicht aus ihrer Bezeichnung hervorgeht, sagt Görler.

Nicht nur des guten Gewissens wegen sollten Anleger nachhaltige Wasserfonds wählen. Auch die erwirtschaftete Rendite sei bei diesen Investmentprodukten langfristig höher, sagt Markus Schultes, Researcher beim Mannheimer Vermögensverwalter Unikat. „Unternehmen, die erfolgreich und nachhaltig in die Wertschöpfungskette des Rohstoffs Wasser investieren, werden mit überdurchschnittlich wachsenden Umsätzen und Gewinnen belohnt.“

Wer ethisch korrekt investieren will, sollte sich zudem von Aktien von Unternehmen fernhalten, die, wie Burger-Bräter, ihr Geld mit Fleischprodukten verdienen. „Um in Deutschland ein Kilogramm Weizen zu produzieren, werden 520 Liter Wasser benötigt“, sagt Markus Zschaber, Geschäftsführer der Kölner V.M.Z. Vermögensverwaltung. „Für ein Kilogramm Rindfleisch hingegen werden im globalen Durchschnitt 15.000 Liter Wasser verbraucht.“

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