Arbeitsbedingungen

Gesundheitswesen setzt auf Gesundheit

Neue Ansätze zur Organisation der Arbeit im Gesundheitswesen fordert das Institut Arbeit und Technik (IAT). Verbessert werden müssten die Arbeitsbedingungen wie auch die Qualität und Wirtschaftlichkeit, so das IAT.

Von Ilse SchlingensiepenIlse Schlingensiepen Veröffentlicht:
Stress und Erschöpfung treten aufgrund der hohen Belastung besonders häufig bei den Pflegenden in Kliniken und Heimen, aber auch bei den dort tätigen Ärzten auf.

Stress und Erschöpfung treten aufgrund der hohen Belastung besonders häufig bei den Pflegenden in Kliniken und Heimen, aber auch bei den dort tätigen Ärzten auf.

© Maridav / fotolia.com

KÖLN. Deutschland braucht ein Arbeitsgestaltungsprogramm für das Gesundheitswesen, fordern Wissenschaftler des Instituts Arbeit und Technik (IAT) in Gelsenkirchen.

Eine solche Offensive sei notwendig, um die Arbeitsplätze attraktiver zu machen. In der Pflicht sehen die Wissenschaftler sowohl die Politik als auch Vertreter von Arbeitgebern und Arbeitnehmern.

"Vor dem Hintergrund der zu erwartenden Engpässe am Arbeitsmarkt drohen die Arbeitsbedingungen zu einer ,Achillesferse‘ nicht nur für die Zukunftsbranche Gesundheit, sondern auch für die auf Deutschland künftig zukommenden wachsenden Versorgungsaufgaben zu werden", warnt das IAT.

Schwachpunkt Arbeitsbedingungen

Notwendig seien neue Ansätze zur Organisation und der technischen Unterstützung der Arbeit im Gesundheitswesen. Sie müssten sowohl die Arbeitsbedingungen verbessern als auch zu mehr Qualität und Wirtschaftlichkeit führen.

Nicht die Vergütung, sondern die Arbeitsbedingungen seien im Gesundheitswesen der große Schwachpunkt, sagt Dr. Josef Hilbert, Geschäftsführender Direktor des IAT und Direktor des Forschungsschwerpunktes Gesundheitswirtschaft & Lebensqualität.

"Insgesamt steht die Branche vom Einkommensgefüge her gar nicht so schlecht da." Dabei gebe es allerdings Ausnahmen, etwa in der Altenhilfe und bei geringer qualifizierten Berufsgruppen.

"Gerade in der Altenhilfe sind die Einkommen nicht konkurrenzfähig", sagt Hilbert der "Ärzte Zeitung". Das Institut hatte den "Lohnspiegel" der Hans-Böckler-Stiftung mit Blick auf die Gesundheitsberufe untersucht.

Dort werden über alle Berufsgruppen und Branchen hinweg die Einkommens- und Arbeitsbedingungen erhoben. Bislang sind mehr als 70.000 Fragebögen ausgewertet worden.

Bislang steht die Industrie im Fokus

Nach Angaben von Hilbert gehört das Gesundheitswesen zu den öffentlich regulierten Dienstleistungsbereichen, an denen die Debatte über die Notwendigkeit eines betrieblichen Gesundheitsmanagements bislang weitgehend vorbei gegangen ist.

Auch in der öffentlichen Verwaltung, bei Lehrern und Polizisten liege hier einiges im Argen. Ein Grund: "Die Konzepte zur Arbeitsgestaltung waren bislang auf die Industrie ausgerichtet", sagt er.

Langsam würden aber auch viele Akteure im Gesundheitswesen erkennen, dass sie auf diesem Feld aktiv werden müssen. Handlungsbedarf sieht der Experte auch im ärztlichen Bereich.

Sowohl innerärztlich als auch in der allgemeinen Wahrnehmung werde der hausärztliche Versorgungsbereich nach wie vor verlässigt, Spezialisierung und Exzellenz stünden zu sehr im Fokus. "Wir müssen hier zu einer Akzentverschiebung kommen", sagt Hilbert.

Auch das Thema Substitution und Delegation ärztlicher Leistungen müsse endlich auf der Basis belastbarer Ergebnisse angegangen werden. Hilbert sieht hier noch großen Forschungsbedarf.

Das IAT selbst will bald einen Beitrag zur Debatte liefern. Zurzeit läuft dort eine bundesweite Online-Befragung für den "Arbeitsreport Krankenhaus". Er basiert auf der Befragung aller Berufe auf bettenführenden Stationen zu Arbeitsbedingungen, Arbeitskonzepten und Qualifikationen.

Die Befragung läuft noch bis Ende Februar. Bislang liegen dem IAT bereits 4000 Antworten vor, berichtet der Institutsleiter. Die Auswertung gebe ein genaues Bild darüber, welche Tätigkeiten von den einzelnen Berufsgruppen übernommen werden.

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