Facharzt-EBM

HNO-Ärzte beklagen „Rechenfehler“ bei EBM-Reform

Erste Reaktionen auf den beschlossenen neuen EBM laufen ein. Die HNO-Ärzte kritisieren die Personalbemessung bei Hörtests.

Veröffentlicht: 13.12.2019, 13:59 Uhr

Neumünster. Die EBM-Reform bringt nicht nur keine zusätzlichen Mittel in die ambulante Versorgung. Zusätzlich würden einzelne Leistungen „ohne Berücksichtigung der tatsächlichen Abläufe in den Praxen kalkuliert“, kritisiert der Deutsche Berufsverband der Hals-Nasen-Ohren-Ärzte. „Die gestern beschlossene sogenannte kleine EBM-Reform beweist den Realitätsverlust der Krankenkassen“, konstatiert der Präsident des Berufsverbandes Dr. Dirk Heinrich.

„Bei der Tonschwellenaudiometrie gehen die Kassen davon aus, dass 40 Prozent aller Hörtests ohne Arzthelferin oder Medizinische Fachangestellte erstellt werden können.“ Das sei schlicht nicht möglich und daher völlig inakzeptabel, so Heinrich. Der Berufsverband fordere die Kassen auf, den Fehler umgehend zu korrigieren. Gleichzeitig prüfe man rechtliche Schritte.

Bei der Tonschwellenaudiometrie wird das subjektive Hörvermögen eines Patienten in der Hörkabine in der HNO-Arztpraxis überprüft. Die Leistung (EBM-Nr. 09320, bisher 147 Punkte, 15,91 Euro, nach der EBM-Reform 146 Punkte, also leicht abgewertet) zähle zu den meisterbrachten diagnostischen Verfahren beim HNO-Arzt.

100 Prozent Mitarbeit durch MFA

Hörtests würden durch MFA erstellt. Dabei ist die aktive Mitarbeit von MFA zu 100 Prozent notwendig. Der HNO-Arzt beurteile das Ergebnis und komme bei komplizierten Untersuchungen dazu. Im EBM sei diese Zeit des Personaleinsatzes über die letzten zehn Jahre hinweg mit nur 20 Prozent berechnet worden. Diesen Fehler hatte der Berufsverband der HNO-Ärzte bei der Kassenärztlichen Bundesvereinigung bereits mehrfach angemahnt.

Als Folge des Fehlers blieben die niedergelassenen HNO-Ärzte seit 2009 auf Personalkosten im dreistelligen Millionenbereich sitzen. Der augenscheinliche Berechnungsfehler sollte mit der EBM-Reform nun korrigiert werden. Die Krankenkassen stimmten in den Verhandlungen über den Punkt aber nur einer Anhebung auf 60 Prozent Personaleinsatzzeit zu.

Demnach müssten 40 Prozent aller Audiogramme ohne MFA durchgeführt werden. „Dies ist schlichtweg nicht möglich“, kritisiert Heinrich. „Man kann nicht beliebige Zahlenspiele aufführen, wenn es um die tatsächlichen Abläufe in den Praxen geht.“ Dies sei offensichtlich unlogisch und daher nicht hinnehmbar.

Personalzeiten abgewertet – „nicht nachvollziehbar“

Gleichzeitig würden im neuen EBM alle Personalzeiten als sogenannte technische Leistungen abgewertet. Dieser Ansatz sei ebenfalls praktisch nicht nachvollziehbar und mit einer Reihe von wirklichkeitsfremden Annahmen verbunden. Heinrich: „Es ist absolut inakzeptabel, eine Leistung, die wesentlich aus Personaleinsatz von MFA besteht, als technische Leistung abzuwerten.“ (ger)

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