Medizinprodukte

Hartmann hofft auf Innovationen und Akquisitionen

Nach Gewinnrückgang 2018 stimmt die Hartmann AG ihre Aktionäre auch für dieses Jahr nochmals auf operativen Rückgang ein.

Veröffentlicht: 22.03.2019, 09:01 Uhr

HEIDENHEIM. Der Medizin- und Pflegeprodukthersteller Hartmann ist in einem ambivalenten Umfeld unterwegs: Einerseits ist der stetig wachsende Gesundheitsmarkt attraktiv. Andererseits machen Preis- und Margendruck zu schaffen. Innovationen und Zukäufe sollen neue Geschäftsmöglichkeiten eröffnen.

Britta Fünfstück ist erst seit Anfang Januar in ihrer neuen Rolle als Vorstandschefin der Heidenheimer Hartmann-Gruppe tätig. Doch auf ihrer ersten Bilanzpressekonferenz vertrat die Österreicherin selbstbewusst ihre Vorstellungen, wie der Anbieter von Wundauflagen und OP-Bedarf auch in Zukunft wettbewerbsfähig bleiben soll.

Innovationen stehen dabei weit oben auf ihrer Agenda: In einem tschechischen Krankenhaus testet das Unternehmen derzeit, wie mit Hilfe von künstlicher Intelligenz bei Patienten bereits im frühen Stadium eine Sepsis erkannt werden kann. Mit Sensoren ausgestattete Systeme sollen in Kliniken automatisch OP-Produkte bestellen, wenn diese zur Neige gehen. Und in der Wundbehandlung sollen Reinigung und Heilung künftig mit einem einzigen Produkt möglich sein. Laut Fünfstück sind solche Neuerungen auch dringend notwendig, damit Hartmann angesichts zahlreicher Herausforderungen weiterhin eine starke Position im Markt einnimmt. Zwar sei das Unternehmen im attraktiven Gesundheitsmarkt tätig, wo mit der alternden Bevölkerung auch der medizinische Bedarf steige.

Auf der anderen Seite plage Hartmann ein erheblicher Kosten- und Margendruck. Laut Finanzchef Stephan Schulz erhält Hartmann für seine Produkte jedes Jahr durchschnittlich etwa ein halbes Prozent weniger Geld. Bezogen auf den Konzernumsatz von zuletzt 2,12 Milliarden Euro summiere sich das.

Steigende Rohstoffpreise und ungünstige Wechselkurse tun ein Übriges. Auch die Umsetzung der EU-Medizinprodukte-Verordnung kostet ca. zehn Millionen Euro im Jahr. Bis Ende April 2020 wird das neue EU-Recht für alle „Klasse-1“-Produkte gelten – das betreffe das Gros der Hartmann-Erzeugnisse, so Fünfstück. Diese Belastungen hinterlassen Spuren in der Bilanz. Trotz Mehrumsatzes fiel der Nettogewinn 2018 mit 83,8 Millionen Euro knapp elf Prozent niedriger aus als 2017 (wie berichtet).

Für das laufende Jahr prognostiziert Hartmann ein moderates Umsatzplus und einen Gewinn vor Zinsen und Steuern, der mit 102 bis 112 Millionen Euro nochmals in annähernd gleicher Größenordnung wie 2018 (123,2 Millionen Euro, -11,0 Prozent ) zurückgehen dürfte.

Finanziell ist Hartmann dennoch gut gepolstert. Die Eigenkapitalquote ist mit 61,6 Prozent komfortabel, die freien Mittel liegen bei 104,5 Millionen Euro. Dieses Geld sowie mögliche Kredite von bis zu 600 Millionen Euro will die Gruppe nutzen, sich durch Zukäufe noch breiter aufzustellen. Vor allem den US-Markt, wo Hartmann bislang nur schwach vertreten ist, sondiere man intensiv. Doch auch die Aktionäre sollen nicht leer ausgehen. Der Dividendenvorschlag lautet wie für 2017 sieben Euro je Aktie. (sct)

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