EBM-Änderungen

Hausärzte profitieren rückwirkend

Die Änderungen am Hausarzt-EBM für Urlaubsvertretungen und beim hausärztlichen Gespräch treten bereits rückwirkend zum 1. Oktober 2013 in Kraft. Das hat der Erweiterte Bewertungsausschuss am Mittwoch beschlossen. Die nächste Stufe der EBM-Reform bleibt auf der Agenda.

Veröffentlicht:
Bei den Zeitvorgaben für das hausärztliche Gespräch gibt es noch für das vierte Quartal 2013 Erleichterungen.

Bei den Zeitvorgaben für das hausärztliche Gespräch gibt es noch für das vierte Quartal 2013 Erleichterungen.

© Getty Images / iStockphoto.com

NEU-ISENBURG. Kurz vor Quartalsschluss hat der Erweiterte Bewertungsausschuss von Kassenärzten und GKV-Spitzenverband noch einige Nachbesserungen für Hausärzte beschlossen, die rückwirkend für das vierte Quartal 2013 in Kraft treten. Das hat die "Ärzte Zeitung" am Donnerstag im Gespräch mit KBV-Vize Regina Feldmann erfahren.

Feldmann hatte die Änderungen teilweise bereits bei der KBV-Vertreterversammlung Anfang Dezember angekündigt. Die Änderungen im Einzelnen:

- Hausärzte, die einen Kollegen im Urlaub oder wegen Krankheit vertreten, bekommen sieben Euro mehr je Fall. Bewerkstelligt wird diese Änderungen dadurch, dass die sogenannte Vorhaltepauschale (EBM-Nummer 03040) bei Ansatz der Vertreterpauschale (EBM-Nr. 03010) nun von der Kassenärztlichen Vereinigung im Regelfall hälftig zugesetzt wird.

Entlastung bei den Plausizeiten

- Bei einem Ansatz des hausärztlichen Gesprächs wegen einer lebensverändernden Erkrankung (EBM-Nr. 03230) neben der Versichertenpauschale (Nr. 03000) werden jetzt nicht mehr 20 Minuten Mindestkontaktzeit verlangt, wie das bisher der Fall war. "Das hätte eine Kriminalisierung der Hausärzte bedeutet", sagte Feldmann der "Ärzte Zeitung".

"Wir konnten uns hier letztlich durchsetzen, weil wir genug Beispiele gefunden haben, für die die alte Regelung widersinnig war." Für Ärzte bedeutet diese Änderung, dass sie gleich beim ersten Kontakt im Quartal ein ausführliches Gespräch mit dem Patienten führen können, ohne dass sie befürchten müssen, bei den Plausizeiten über Gebühr auffällig zu werden.

Wenn der Patient zum Beispiel nach einem schnellen Verbandswechsel ein Gespräch wünscht, werden bei den Zeiten ganz normal zehn Minuten für das Gespräch im Tagesprofil notiert und die üblichen Zeiten für das Quartalsprofil.

Basisassessment nicht nur vom Hausarzt

- Bisher noch nicht bekannt war die dritte Änderung im Hausarzt-EBM. Sie betrifft den geriatrischen Betreuungskomplex (EBM-Nr. 03362). Für dessen Berechnung war bisher ein nicht länger als vier Quartale zurückliegendes "hausärztlich-geriatrisches Basisassessment nach der Gebührenordnungsposition 03360" Voraussetzung.

Nach Auskunft von Feldmann kann der Betreuungskomplex in Zukunft auch abgerechnet werden, wenn das Basisassessment zum Beispiel beim Neurologen oder in der Reha gemacht worden ist. Hausärzte, die viele geriatrische Patienten betreuen, müssen also in vielen Fällen nicht zwingend die Leistung des Basisassessments bei allen diesen Patienten im abgelaufenen Quartal erbracht haben, um den Betreuungskomplex abrechnen zu können.

Die Änderungen, die alle ab dem 1. Oktober 2013, also rückwirkend in Kraft treten, gelten ebenso für die analogen EBM-Leistungen für Kinderärzte.

Kein zusätzliches Geld für Vertragsärzte

"Zusätzliches Geld werden wir für diese Änderungen nicht bekommen", sagte Regina Feldmann der "Ärzte Zeitung". Aber die Änderungen seien nicht punktsummenneutral.

"Das hat zwar jetzt keine direkten Folgen für die morbiditätsbedingte Gesamtvergütung, aber die steigenden Punktzahlen dokumentieren für spätere Verhandlungen doch einen gestiegenen Leistungsbedarf", so Feldmann. Mit den Pauschalen könne man eine steigende Morbidität leider nur unzureichend abbilden, so die KBV-Vize.

Bei der Abstaffelungsregelung, so Feldmann weiter, werde es vorerst keine Änderung geben. "Wir haben die unterschiedlichen Vorschläge aus den Regionen alle durchgerechnet, aber dabei festgestellt, dass sie eher noch größere Verwerfungen zur Folge haben als die bisherige Regelung."

Zweite Stufe der EBM-Reform kommt im nächsten Jahr

Feldmann gab im Gespräch auch einen Ausblick auf die zweite Stufe der EBM-Reform: Mitte bis Ende 2014 seien die Änderungen bei den Technikzuschlägen zu erwarten, die einen Beitrag zur wirtschaftlichen Sicherung der Hausarztpraxen leisten sollen, ohne dass die Ärzte "im Hamsterrad strampeln müssen", betonte Feldmann.

Zur Erinnerung: Die Zuschläge sollen für die Vorhaltung notweniger Medizintechnik gewährt werden, damit sich die Geräte auch dann amortisieren, wenn die Leistung nicht so häufig erbracht wird. Ob dafür wie geplant der 1. Juli erreicht wird, ist allerdings laut Feldmann noch offen.

Auch bei den Fachärzten sei die Neukalkulation der Leistungen im Gange. "Hier müssen wir eine ganz ähnliche Richtung einschlagen wie bei den Hausärzten", betonte die KBV-Vize.

Medizingeräte, die vorgehalten werden müssen, aber zum Beispiel bei manchen Facharztinternisten häufiger, bei anderen seltener genutzt werden, müssten für die Praxen kalkulierbar werden. (ger)

Mehr zum Thema

Im parlamentarischen Verfahren

Medizinische Versorgungszentren: Lauterbach will Investoren verbieten

Lauterbachs Versorgungspläne

CDU-Politiker Sorge: Versorgungsgesetz mittlerweile völlig entkernt

Kommentare
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Das war der Tag: Der tägliche Nachrichtenüberblick mit den neuesten Infos aus Gesundheitspolitik, Medizin, Beruf und Praxis-/Klinikalltag.

Eil-Meldungen: Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Inkretinmimetika

GLP-1: Wie aus dem kleinen Hormon ein Rockstar wird

Risikoanalyse

Komplikation nach Hernien-Operation: Wer ist gefährdet?

Lesetipps
Mehrkosten für die Entbudgetierung der hausärztlichen Versorgung seien Investition in den Erhalt der Praxen, betont Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach. 

© Michael Kappeler / dpa

Kabinett winkt GVSG durch

Lauterbach macht Hausarztpraxen Mut: „Jede Leistung wird bezahlt“

Brücke zwischen zwei Steilklippen. Auf der Brücke stehen zwei Menschen.

© Usman / stock.adobe.com

Aktuelle Forschung

Antikörper – die Verkuppler der Krebsmedizin

Heiße Nächte können nicht nur nervig sein. Sie gehen auch mit einem höheren Risiko für Schlaganfälle einher, so das Ergebnis einer Studie aus München und Augsburg.

© samuel / stock.adobe.com

Studie mit Daten zu 11.000 Schlaganfällen

Tropische Nächte sind offenbar ein Risikofaktor für Schlaganfälle