Auswertung der TK

Health Apps werden genutzt — ob mit oder ohne Regeln

Die Migräne-App der TK ist ein Beispiel für den Nutzen von Gesundheits-Apps. Doch ein Problem bleibt weiter ungelöst.

Von Angela MisslbeckAngela Misslbeck Veröffentlicht:

BERLIN. Patienten mit Migräne und chronischem Kopfschmerz finden bei immer mehr Krankenkassen besondere Versorgungsangebote. In Berlin und Brandenburg setzt die AOK Nordost auf ein integriertes, multiprofessionelles Versorgungsprogramm. Die Techniker Krankenkasse (TK) stellt betroffenen Versicherten seit zwei Jahren eine App zum Schmerzmanagement an die Seite – mit Erfolg, wie sie jetzt mitteilte.

Laut TK Berlin/Brandenburg lassen sich die Schmerztage mit der App um 25 Prozent verringern. Das habe eine Online-Studie unter Nutzern gezeigt. Betroffene, die die App einsetzen, haben den Angaben zufolge durchschnittlich drei Tage weniger Schmerzen — an zehn statt 13,3 Tagen im Monat.

Die Migräne-App, die im TK-Programm zum Einsatz kommt, hilft Patienten mit verschiedenen Modulen wie einem Schmerzkalender, progressiver Muskelentspannung oder der Erinnerung an die Medikamenteneinnahme beim Umgang mit ihren Kopfschmerzen.

"Health Apps können aktiv dazu beitragen, die Gesundheit der Nutzer zu verbessern. Dafür ist die Migräne-App ein gutes Beispiel", meint Anja Mädrich, TK-Leiterin regionales Vertragswesen in Berlin und Brandenburg. Sie fordert aber auch, dass neue Apps anhand ihres Nutzens klassifiziert werden müssen. "Dazu braucht es klare Rahmenbedingungen", so Mädrich.

Kopfschmerzen als größer werdendes Problem

Die TK Berlin/Brandenburg weist darauf hin, dass immer mehr Menschen unter schweren Kopfschmerzen und Migräne leiden. Die Zahl der Krankenhausaufenthalte wegen Migräne stieg den Angaben zufolge in Berlin von 842 im Jahr 2010 auf über 1200 im Jahr 2016. In Brandenburg nahm sie noch deutlicher von 647 auf 1055 zu. Insgesamt geht die TK davon aus, dass mehr als jeder vierte Berliner und Brandenburger häufig oder dauerhaft an Migräne oder Kopfschmerzen leidet (27 Prozent). Die Angaben beruhen auf einer Befragung.

Das gesundheitswissenschaftliche Institut Nordost (GeWiNo) der AOK Nordost hat die Erkrankungshäufigkeit anhand von Diagnosedaten untersucht und kommt zu ganz anderen Ergebnissen. Demnach leiden in Berlin fünf Prozent der AOK-Versicherten und in Brandenburg 4,1 Prozent der Versicherten unter chronischem Kopfschmerz oder Migräne.

Das GeWiNo bestätigt aber den Anstieg der Erkrankungshäufigkeit zwischen 2010 und 2016. Die Rate der Kopfschmerz-Patienten unter den Versicherten der AOK Nordost ist in diesem Zeitraum den Angaben zufolge von 3,6 auf 4,4 Prozent gestiegen. Die meisten Betroffenen litten unter Migräne. Spannungs-, Cluster- und arzneimittelinduzierter Kopfschmerz waren deutlich seltener.

Das GeWiNo stellt außerdem fest, dass in Städten oder halbstädtischen Gebieten mehr Menschen unter Kopfschmerzen leiden als in ländlichen Regionen. Frauen sind mit einem Anteil von über sieben Prozent fast viermal so oft betroffen wie Männer (1,9 Prozent), und Arbeitssuchende leiden eher als Berufstätige unter chronischen Kopfschmerzen. GeWINO-Versorgungsforscher Dr. Jan Breitkreuz weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass chronischer Kopfschmerz oft mit psychischen Leiden einhergeht. "Unsere Zahlen zeigen einen eindeutigen Zusammenhang zwischen Kopfschmerz und psychischen Komorbiditäten", so Breitkreuz.

Fast die Hälfte der AOK-Nordost-Versicherten mit chronischem Kopfschmerz leidet den Angaben zufolge auch an einer psychischen Erkrankung wie Depression. Dabei beobachtet die AOK Nordost eine Wechselwirkung zwischen Kopfschmerz und Psyche: Chronischer Kopfschmerz belaste die Seele, eine bestehende depressive Erkrankung könne aber auch zur Verschlechterung und Chronifizierung von Schmerzen beitragen, so Stefanie Stoff-Ahnis, Mitglied der Geschäftsleitung der AOK Nordost.

Diesen Zusammenhang will die Kasse bei ihrem Programm KopfschmerzSpezial in Kooperation mit der Kopfschmerzambulanz der Berliner Uniklinik Charité berücksichtigen. Dort arbeiten Neurologen, Psychologen und Physiotherapeuten zusammen.

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