Digital Health / TK-Daten

App sorgt für weniger Tage mit Migräne

Bei Einsatz einer Migräne-App lassen sich Kopfschmerztage merklich reduzieren – und zwar um rund 25 Prozent. Das geht aus einer aktuellen Studie der Schmerzklinik Kiel und der Techniker Krankenkasse (TK) hervor.

Anno FrickeVon Anno Fricke Veröffentlicht:
Schmerzen wie ein Gewitter im Kopf: In Deutschland leiden etwa acht Millionen Menschen an einer Migräne. © coldwaterman / stock.adobe.com

Schmerzen wie ein Gewitter im Kopf: In Deutschland leiden etwa acht Millionen Menschen an einer Migräne. © coldwaterman / stock.adobe.com

© coldwaterman / stock.adobe.com

BERLIN. Gesundheitsprogramme (Apps) für Smartphones und Computer fassen Fuß in der medizinischen Versorgung. Eine aktuelle Untersuchung der Schmerzklinik Kiel und der Techniker Krankenkasse (TK) zeigt, dass auch Ärzte verstärkt auf die Unterstützung von Apps setzen. Demnach sind von 136.000 Nutzern gut zwölf Prozent von ihren Ärzten auf eine von der Schmerzklinik in Zusammenarbeit mit der TK entwickelten Migräne App aufmerksam gemacht worden.

Ausweislich der am Dienstag vorgestellten Ergebnisse der Untersuchung hilft die App dabei, die Zahl der Kopfschmerztage von durchschnittlich 13,3 auf 10 zu verringern – was rund 25 Prozent entspricht. Gleichzeitig ging die Zahl der Tage mit Akutmedikation von 7,6 auf 6,8 zurück.

Weitere Studiendaten in Kürze

  • Mehr als 70 Prozent der 1464 befragten App-Nutzer bringen die von der App zusammengefassten Analysen zum Krankheitsverlauf zur Sprechstunde bei ihren Ärzten mit.
  • 58 Prozent der Patienten nutzen die App-Ergebnisse, um gemeinsam mit ihrem Arzt über die Therapie zu entscheiden.
  • 76 Prozent sagen, dass die App ihnen dabei hilft, ihren mit dem Arzt erstellten Behandlungsplan einzuhalten.
  • 81 Prozent ziehen die App-Lösung einem herkömmlichen Schmerztagebuch auf Papier vor (siehe nachfolgende Grafik).

An dieser Stelle finden Sie Inhalte aus Datawrapper Um mit Inhalten aus Datawrapper zu interagieren oder diese darzustellen, brauchen wir Ihre Zustimmung. Ich bin damit einverstanden, dass mir Inhalte aus Sozialen Netzwerken und von anderen Anbietern angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät notwendig. Weitere Information dazu finden Sie hier.

Die Migräne-Patientin Sarah Liebig berichtete am Dienstag, dass die App ihr helfe, ihren Tag so zu strukturieren, dass sie die Migräneattacken weniger werden. Dazu gehörten regelmäßige Mahlzeiten und Muskelentspannungsübungen.

Migräne oder Schlaganfall?

Eine wichtige Rolle kann die Migräne-App auch in der Schlaganfall-Versorgung spielen. Als einzige App weltweit zeige sie an, wie eine Migräne-Aura aussehe, berichtete Professor Hartmut Göbel, ärztlicher Direktor der Schmerzklinik Kiel.

Indem man diese Funktion Patienten vorspiele, ließen sich bis zu 20 Prozent der mit Verdacht auf Schlaganfall eingelieferten Menschen als Migräne-Patienten identifizieren. Grundsätzlich könnten die in Apps gesammelten Daten künftig auch als Grundlage für elektronische Sprechstunden dienen, sagte Göbel.

App regt Debatte über Datenhoheit an

Gesundheits-Apps spielen nach Ansicht von TK-Chef Dr. Jens Baas eine wichtige Rolle in der Debatte darüber, wer die Hoheit über die Daten der Patienten künftig haben soll. "Wenn wir als Krankenkassen solche Apps nicht anbieten, werden sie von kommerziellen Anbietern angeboten", sagte Baas.

Die Kassen müssten zumindest versuchen, gegen Google, Apple und Co. anzugehen. "Ansonsten werden ausländische Konzerne die Gesundheitsversorgung in Deutschland steuern", sagte Baas.

Weltweit lassen sich laut Statista über Android betriebene Systeme mehr als 1,3 Millionen Gesundheits-Apps herunterladen, Apple bringt es auf mehr als 1,2 Millionen solcher Apps, Windows und Blackberry kommen auf 245 beziehungsweise 200 Millionen.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: App auf Rezept?

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Digitale Gesundheitsanwendungen

Elektronische Verordnung für DiGA jetzt freiwillig möglich

Das könnte Sie auch interessieren
Was die MS-Behandlung auszeichnet

© Suphansa Subruayying | iStock

Lebensqualität

Was die MS-Behandlung auszeichnet

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Unsichtbare MS-Symptome im Fokus

© AscentXmedia | iStock

Lebensqualität

Unsichtbare MS-Symptome im Fokus

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
* Hinweis zu unseren Content-Partnern
Dieser Content Hub enthält Informationen des Unternehmens über eigene Produkte und Leistungen. Die Inhalte werden verantwortlich von den Unternehmen eingestellt und geben deren Meinung über die Eigenschaften der erläuterten Produkte und Services wieder. Für den Inhalt übernehmen die jeweiligen Unternehmen die vollständige Verantwortung.
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Wirksamkeit in der klinischen Praxis von Brivaracetam über 12 Monate (alle Formen fokaler Anfälle)d

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [3]

Zusatzbehandlung fokaler Epilepsien

Effektivere Anfallskontrolle in der Kombinationstherapie

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: UCB Pharma GmbH, Monheim
Abb. 1: Rückgang der generalisierten tonisch-klonischen Anfälle unter Cannabidiol + Clobazam

© Springer Medizin Verlag , modifiziert nach [1]

Real-World-Daten aus Deutschland zum Lennox-Gastaut- und Dravet-Syndrom

Cannabidiol in der klinischen Praxis: vergleichbare Wirksamkeit bei Kindern und Erwachsenen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Jazz Pharmaceuticals Germany GmbH, München
Abb. 1: Daten zur lipidologischen Versorgung von Patientinnen und Patienten mit hohem kardiovaskulärem Risiko aus der VESALIUS-REAL-Studie

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [7]

Kardiovaskuläre Prävention

Frühe Risikoidentifikation und konsequentes Lipidmanagement

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Amgen GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Vergleich der Kreise

Wo sich besonders wenige Senioren gegen Pneumokokken impfen lassen

„Sprechende Medizin“ beim Bayerischen Rundfunk

Hausarzt Schelling klärt im Radio über wichtige Gesundheitsthemen auf

Cochrane Review zu Ginkgo biloba

Ginkgo biloba: Kein Nutzen bei MCI, geringe Effekte auf Demenz

Lesetipps
Menschen im Park machen Qigong-Übungen

© zinkevych / Stock.adobe.com

Nutzen durch randomisierte Studie belegt

Qigong-Übungen senken erhöhten Blutdruck

Tablette, auf der GLP-1 steht

© THIBNH / Generated with AI / Stock.adobe.com

Neuer GLP-1-Rezeptoragonist

Orforglipron: Bekommt Semaglutid jetzt Konkurrenz?