Prävention

Impfstoff: Lieferprobleme dauern an

Trotz grassierender Impfskepsis vor allem in alternativmedizinisch orientierten Kreisen: Die Impfung ist und bleibt in Sachen Prävention unangefochten. – Bei der Marktversorgung hapert es allerdings weiterhin.

Christoph WinnatVon Christoph Winnat Veröffentlicht:
Kleiner Pieks, große Wirkung. Dennoch gibt es auch in Deutschland streckenweise erhebliche Impflücken.

Kleiner Pieks, große Wirkung. Dennoch gibt es auch in Deutschland streckenweise erhebliche Impflücken.

© RAM / fotolia.com

BERLIN. Anlässlich der am Montag beginnenden "Europäischen Impfwoche 2017" hat der Deutsche Hausärzteverband erneut auf nach wie vor bestehende Lieferengpässe in der Impfstoffversorgung hingewiesen. "Seit vielen Jahren haben wir immer wieder damit zu kämpfen, dass bestimmte Impfstoffe nicht lieferbar sind und unsere Patienten teilweise monatelang auf dringend notwendige Impfungen warten müssen. Das ist ein unerträglicher Zustand", so der Verbandsvorsitzende Ulrich Weigeldt in einer Stellungnahme.

Zuletzt hatte der Gesetzgeber mit dem Arzneimittelversorgungsstärkungsgesetz (AMVSG) den Kassen die Möglichkeit genommen, Rabattverträge für Impfstoffe auszuschreiben. Bereits bestehende Verträge dürfen nicht mehr verlängert werden. Marktbeobachter erwarten davon eine Entspannung der Versorgungslage. Die scheint aktuell aber noch nicht zu greifen. Hausärztechef Weigeldt: "Wir bekommen aus den Praxen gerade in diesem Jahr vermehrt die Rückmeldung, dass es bei der Lieferung bestimmter Impfstoffe zu Problemen und starken Verzögerungen kommt." Unter Berufung auf Angaben des Langener Paul-Ehrlich-Instituts bestünden aktuell Lieferengpässe unter anderem bei Impfstoffen gegen Keuchhusten, Diphtherie, Tetanus sowie Polio.

Masern-Effekt ebbt ab

Unterdessen berichtet die Apothekervereinigung ABDA, dass nach der Masernwelle 2015 und der infolgedessen rapiden Zunahme von Masernimpfungen inzwischen wieder die Impfmüdigkeit einkehrt. So seien im vergangenen Jahr nurmehr 1,9 Millionen Dosen mit Masern-Impfstoff von Apothekern an Ärzte ausgegeben worden, darin eingerechnet auch Kombi-Vakzinen mit Bestandteilen gegen Mumps, Röteln und Windpocken. Mengenmäßig entspreche das einem Rückgang von 18 Prozent, wertmäßig einem Rückgang um 14 Prozent auf 122 Millionen Euro.

2015 war nach dem Masernausbruch in der Bundeshauptstadt der Umsatz mit Masern-Impfstoffen sprunghaft um 49 Prozent auf 142 Millionen Euro gestiegen. Mengenmäßig entsprach das laut ABDA 2,3 Millionen Dosen (+46 Prozent). – "Der Masernausbruch vor zwei Jahren hatte offenbar nur eine kurzfristige positive Wirkung auf die Impfbereitschaft. Ziel muss es jedoch sein, eine dauerhaft hohe Impfquote in allen Altersgruppen zu erreichen", ließ ABDA-Vizepräsident Mathias Arnold verlauten.

Nach Ansicht des Hausärzteverbands würde vor allem "ein Primärarztsystem, bei dem der Hausarzt konsequent der erste Ansprechpartner bei allen gesundheitlichen Fragen ist, die Impfquoten steigern". Das habe sich, versichert Verbandschef Weigeldt, in wissenschaftlichen Auswertungen etwa des Hausarztvertrages in Baden-Württemberg bestätigt. Beispielsweise würden Patienten dort häufiger gegen Grippe geimpft.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Interview mit Johanna Ludwig von der gematik

Digitale Prozesse in der Arztpraxis neu denken

Das könnte Sie auch interessieren
Hybrid-DRG Plus: Ambulante Operationen per Mausklick abrechnen

© KVNO

Schnell und sicher

Hybrid-DRG Plus: Ambulante Operationen per Mausklick abrechnen

Anzeige | Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein
Der Gesundheitsdialog

© Janssen-Cilag GmbH

J&J Open House

Der Gesundheitsdialog

Kooperation | In Kooperation mit: Johnson & Johnson Innovative Medicine (Janssen-Cilag GmbH)
Impulse für den medizinischen Fortschritt: Welches Mindset braucht Deutschland?

© Springer Medizin

Johnson & Johnson Open House-Veranstaltung am 26. Juni 2025 beim Hauptstadtkongress

Impulse für den medizinischen Fortschritt: Welches Mindset braucht Deutschland?

Kooperation | In Kooperation mit: Johnson & Johnson Innovative Medicine (Janssen-Cilag GmbH)
J&J Open House beim Hauptstadtkongress

© [M] Springer Medizin Verlag

Video zur Veranstaltung

J&J Open House beim Hauptstadtkongress

Kooperation | In Kooperation mit: Johnson & Johnson Innovative Medicine (Janssen-Cilag GmbH)
Kommentare
* Hinweis zu unseren Content-Partnern
Dieser Content Hub enthält Informationen des Unternehmens über eigene Produkte und Leistungen. Die Inhalte werden verantwortlich von den Unternehmen eingestellt und geben deren Meinung über die Eigenschaften der erläuterten Produkte und Services wieder. Für den Inhalt übernehmen die jeweiligen Unternehmen die vollständige Verantwortung.
Sonderberichte zum Thema
Wissenschaft in Medizin übertragen

© Regeneron

Forschung und Entwicklung

Wissenschaft in Medizin übertragen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Regeneron GmbH, München
Arzneiforschung: Von Innovationen profitieren nicht nur Patienten, sondern immer auch die Gesellschaft als Ganzes.

© HockleyMedia24 / peopleimages.com / stock.adobe.com

Nutzenbewertung

Arznei-Innovationen: Investition mit doppeltem Nutzen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Verband der forschenden Pharma-Unternehmen (vfa)
Patientenzentrierter Ansatz und europäische Produktion

© Springer Medizin Verlag

Unternehmen im Fokus

Patientenzentrierter Ansatz und europäische Produktion

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Advanz Pharma GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Datenschutz im Praxisalltag

ePA 2026: Schutzlücken bleiben – wie sie im Alltag umschifft werden können

„Unser ältester Patient ist 86!“

Erwachsen mit Mukoviszidose: Versorgung muss sich anpassen

Heimkehrer

Dr. Petrakis’ Weg von Kreta an die Saar – und wieder zurück

Lesetipps
Ein älterer Mann muss stark husten und hält eine Hand auf seine Brust.

© Getty Images

Infektionsmanagement

Keuchhusten: Was bei der Behandlung Erwachsener wichtig ist