PKV

Innovationen rascher bei Privatpatienten

Veröffentlicht:

Köln. Nachdem Arzneimittel neu auf den Markt gekommen sind, dauert es rund vier Jahre, bis sie bei gesetzlich und privat versicherten Patienten in etwa gleich häufig verordnet werden. Bis dahin erhalten Privatpatienten die neuen Medikamente häufiger. Wie hoch der ermittelte Zusatznutzen der Innovationen ist, spielt dabei nach einer aktuellen Untersuchung des Wissenschaftlichen Instituts der PKV (WIP) keine Rolle.

„Die Zahlen zeigen, dass Privatversicherte einen schnelleren Zugang zu den Medikamenten mit erheblichem, beträchtlichem, geringem oder nicht quantifizierbaren Zusatznutzen haben“, schreiben die Autoren Sonja Hagemeister, Dr. Christian Jacke und Dr. Frank Wild.

Das Gleiche gelte für Arzneimittel, bei denen kein Zusatznutzen festgestellt wurde oder zu denen es keine Bewertung gab. Allerdings nehmen die Verordnungszahlen bei Arzneimitteln ohne Zusatznutzen im Zeitverlauf ab. Die Entwicklung belegt nach Einschätzung des WIP die Rolle der PKV als „Innovationsmotor“.

Bei allen Arzneimitteln, die im Jahr 2014 auf den Markt gekommen sind, hatten die Privatverordnungen laut WIP im ersten Jahr der Zulassung einen Marktanteil von 33,4 Prozent. Das liegt deutlich über dem Marktanteil der PKV von knapp 11,0 Prozent. Im zweiten Jahr ging der Anteil auf 14,1 Prozent zurück, im dritten Jahr waren es 15,6 Prozent, im vierten 10,4 Prozent.

Das WIP nimmt seit 2008 jährlich die Arzneimittelversorgung der Privatversicherten unter die Lupe. Die aktuelle Analyse bezieht sich auf das Jahr 2017. Eingeflossen sind Daten aus dem PKV-Zahlenbericht sowie von 18 PKV-Anbietern. Sie repräsentieren 88,0 Prozent der Privatversicherten. Der Vergleich mit den Verordnungsdaten in der GKV basiert auf dem Arzneiverordnungs-Report und Daten von Insight Health.

Die Arzneimittel-Ausgaben der PKV betrugen im Jahr 2017 insgesamt 3,1 Milliarden Euro, das war eine Zunahme um 3,0 Prozent. Je Versicherten erhöhten sich die Ausgaben um 3,2 Prozent. Das war mehr als in der GKV, die ein Plus von 2,8 Prozent verzeichnete. In der PKV war die Entwicklung offenbar vor allem auf Preissteigerungen zurückzuführen, weniger auf einen wachsenden therapeutischen Bedarf.

Nach der Auswertung des WIP erhalten PKV-Kunden anteilig mehr innovative, aber auch teurere Medikamente als die gesetzlich Versicherten. Dagegen ist bei ihnen die Generika- und die Biosimilar-Quote niedriger. Die Wissenschaftler führen das vor allem auf die regulatorischen Unterschiede zwischen den beiden Kostenträger-Systemen zurück. Die umsatzstärkste Arznei in der PKV war 2017 Xarelto ® – der Verordnungsanteil der PKV lag bei 12,4 Prozent. Deutlich höher als dem PKV-Marktanteil entsprochen hätte, waren die Verordnungen bei Glivec ® (21,1 Prozent), Inegy ® (19,1 Prozent), Zytiga ® (15,9 Prozent) sowie Revlimid ® und Xtandi ® (jeweils 15,8 Prozent). (iss)

Mehr zum Thema

Private Krankenversicherer

Prämien im PKV-Standardtarif steigen

Private Krankenversicherer

Hallesche führt die elektronische Patientenakte ein

Das könnte Sie auch interessieren
Wie patientenzentriert ist unser Gesundheitssystem?

© Janssen-Cilag GmbH

Video

Wie patientenzentriert ist unser Gesundheitssystem?

Höhen- oder Sturzflug?

© oatawa / stock.adobe.com

Zukunft Gesundheitswesen

Höhen- oder Sturzflug?

Patientenzentrierte Versorgung dank ePA & Co?

© MQ-Illustrations / stock.adobe.com

Digitalisierung

Patientenzentrierte Versorgung dank ePA & Co?

Kommentare
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Das war der Tag: Der tägliche Nachrichtenüberblick mit den neuesten Infos aus Gesundheitspolitik, Medizin, Beruf und Praxis-/Klinikalltag.

Eil-Meldungen: Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Neues Berufsbild

Bürger als Assistenten: Hausarzt entwickelt Idee der DIHVA

Digitale Gesundheitsanwendungen

DiGA oder doch lieber App?

Lesetipps
Es gibt tierexperimentelle Studien, wonach Mikroplastik entzündungsverstärkend wirkt, wenn durch ein zusätzliches Agens die Tight junctions zwischen Darmzellen zerstört sind. Wenn also zu einer hohen Mikroplastik-Konzentration zusätzlich pathogene Faktoren hinzukommen, könnte dies entzündungsfördernd wirken, etwa bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa.

© Rochu_2008 / stock.adobe.com

Forschung

Beeinflusst Mikroplastik chronische Erkrankungen?

Charlotte Kleen

© Babett Ehrt/ Lichtbildwerkstatt

Porträt

Wie Charlotte Kleen Medizin in ihrer ganzen Breite kennenlernt