Medizinstudenten

Interessenkonflikte sollten im Studium eine Rolle spielen

Medizinstudenten fordern von den Universitäten eine professionelle Vorbereitung auf die Zusammenarbeit mit der Industrie.

Veröffentlicht: 18.10.2019, 16:01 Uhr

Berlin. Der Umgang mit Industrievertretern und daraus resultierenden Interessenkonflikten steht in der Regel nicht auf den Lehrplänen der medizinischen Fakultäten in Deutschland.

Ausweislich einer Recherche der Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland (bvmd) und der Universities Allied for Essential Medicines (UAEM Europe) liegt das Thema weitgehend brach. Die Untersuchung liegt der „Ärzte Zeitung“ vor.

Von 38 medizinischen Fakultäten, die nach ihrer Interessenskonflikt-Strategie befragt wurden, antworteten gerade einmal 16. Lediglich zwei davon, nämlich die TU Dresden und die Berliner Charité, können demnach mit einem ausformulierten Regelwerk dazu aufwarten.

Schon 2012 erklärten in einer Umfrage 88 Prozent der Studenten, bereits Geschenke und Einladungen von der Pharma- und Medizinprodukteindustrie erhalten zu haben. Mehr als die Hälfte der Studenten fühlte sich darauf nicht vorbereitet.

Zusammenarbeit mit Industrie

Im Verlauf des Studiums, besonders während der klinischen Weiterbildung, nehmen die Kontakte zwischen Studenten und Industrie kontinuierlich zu. Das Informationsbedürfnis der angehenden Ärzte sei daher hoch. Dies um so mehr, als von medizinischen Fakultäten immer öfter Forschung vom Labor bis ans Krankenbett gefordert werde.

Das erfordere zwangsläufig Zusammenarbeit mit der Industrie. Auch darauf würden die Studenten in Deutschland während ihrer Ausbildung nicht ausreichend eingestellt, heißt es in der aktuellen Untersuchung. Lediglich die Fakultät in Göttingen habe von einer Grundausbildung in Arzneimittel-Ökonomie berichtet, die allerdings optional angeboten werde.

akdä: Interessenskonflikt thematisieren

Die Autoren der Studie „Conflict of Interest at German medical schools - A long way to go“ um den Charité-Wissenschaftler Peter Grabitz weisen zudem darauf hin, dass die Lehrenden ihren Studenten gegenüber Kontakte zur Industrie nicht selbstverständlich offen legen müssten. Man könne nachweisen, dass der Einfluss der Universität sich bis in das spätere Verordnungsverhalten der fertigen Ärzte auswirken könne.

Die Arzneimittelkommission der Deutschen Ärzteschaft (akdä) hat sich hinter Forderungen der Studenten gestellt, den Umgang mit Interessenkonflikten im Studium zu thematisieren. Es sollte Unterricht zum professionellen Umgang mit der Industrie geben, heißt es in einer akdä-Stellungnahme von Freitag. Zudem sollten die Fakultäten Vorsorge treffen, dass Studenten nicht unangemessen beeinflusst werden könnten. (af)

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