Grüne Energie

Investieren in Nachhaltigkeit

Die EU hat ein gewaltiges Konjunkturpaket geschnürt, damit die Mitgliedsstaaten bis zum Jahr 2050 klimaneutral werden. Langfristig orientierte Anleger könnten auf das Ende der Treibhausgase setzen.

Von Richard Haimann Veröffentlicht: 10.10.2020, 19:07 Uhr
Die Kraft der Sonne soll zunehmend den Stromhunger der Wirtschaft stillen – und die Portemonnaies der Anleger füllen.

Die Kraft der Sonne soll zunehmend den Stromhunger der Wirtschaft stillen – und die Portemonnaies der Anleger füllen.

© visdia / stock.adobe.com

Neu-Isenburg. Für die Ökonomen der US-Investmentbank Goldman Sachs ist es nicht weniger als „der größte Wirtschaftsimpuls, den Europa seit dem Marshallplan erfahren hat“: 1000 Milliarden Euro will die Europäische Kommission in den kommenden Jahrzehnten aufwenden, um in den 27 Mitgliedsstaaten die Netto-Emissionen von Treibhausgasen auf Null zu reduzieren und so als erster Kontinent klimaneutral zu werden.

Der von Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen vorgestellte „Green Deal“ sieht vor, dass Kohle- und Gaskraftwerke durch Wind- und Solarparks ersetzt werden. Auf den Straßen sollen Benzin- und Dieselfahrzeuge Elektromobilen weichen. „Die Spielregeln an den Energiemärkten werden dadurch massiv verändert“, sagt Alberto Gandolfi, Leiter Global Investment Research bei Goldman Sachs.

Bald 55 Prozent Ökostrom?

Stromversorger, die sich frühzeitig auf den Wandel einstellen und schnell von der Energiegewinnung durch fossile Brennstoffe hin zu erneuerbaren Energien wechseln, dürften in erheblichem Umfang profitieren. „Bereits 2030 dürften 55 Prozent des in der EU verwendeten Stroms durch Solar-, Wind- und Wasserkraft generiert werden“, sagt der Researcher. „Wir befinden uns auf dem Weg zur größten Reduktion von Treibhausgas-Emissionen in der Geschichte“, sagt Laurens Swinkels, Researcher bei der niederländischen Investmentgesellschaft Robeco.

Wir befinden uns auf dem Weg zur größten Reduktion von Treibhausgas-Emissionen in der Geschichte.

Laurens Swinkels Researcher bei der niederländischen Investmentgesellschaft Robeco

Nicht nur Klima und Natur werden von der Reduktion des Kohlendioxid-Ausstoßes profitieren. Gewinner sind auch die produzierenden Unternehmen in Europa. „Allein die Kosten zur Erzeugung von Solarenergie sind seit 2010 um 80 Prozent gesunken“, sagt Goldman-Sachs-Experte Gandolfi. Strom aus erneuerbaren Energien sei bereits heute in Teilen Europas günstiger als jener aus Kohle- und Gaskraftwerken.

Nach dem Zweiten Weltkrieg hatten die USA mit dem Marschall-Plan Milliarden von US-Dollar in die zerstörten Staaten Europas gepumpt, um deren Wirtschaft wieder aufzubauen. Einen ähnlich großen Impuls dürfte nun der „Green Deal“ der EU-Kommission liefern, meint Gandolfi.

Bislang hätten Börsianer jedoch kaum auf die bevorstehenden Umwälzungen reagiert, sagt Ralph Rickassel, Stratege der Düsseldorfer PMP Vermögensmanagement. „Investoren interessieren sich vor allem für die großen Technologiekonzerne wie Apple.“ Das biete Anlegern günstige Einstiegsmöglichkeiten bei Aktien von Unternehmen, die langfristig vom „Green Deal“ profitieren dürften. Dazu zählten „auch die alteingesessenen europäischen Energieunternehmen, die von Kohle- und Atomstrom auf erneuerbare Energie umstellen oder die Verwandlung vom Energiehersteller zum Energieverteiler begonnen haben“, sagt der Stratege.

Zu den Vorreitern zählen der börsennotierte deutsche RWE-Konzern und der italienische Stromversorger Enel. RWE hat 2019 das gesamte Erneuerbare-Energien-Geschäft vom Mitbewerber E.ON übernommen. „Bis 2040 wird unser Unternehmen klimaneutral sein“, hat Vorstandschef Rolf Martin Schmitz als Ziel ausgegeben. Enel hat frühzeitig auf erneuerbare Energien umgestellt und produziert mit Geothermal-, Solar-, Wasser- und Windkraftwerken inzwischen mehr als 43 Prozent seines insgesamt erzeugten Stroms mit dem 69,9 Millionen Haushalte und Unternehmen in Südeuropa sowie in Lateinamerika versorgt werden. Analysten erwarten, dass beide Konzerne in den kommenden Jahren Gewinn und Dividendenauszahlung steigern und ihre Aktienkurse zulegen werden. Für das Papier von RWE gibt es 68 Kaufen-Empfehlungen, für die Aktie von Enel 28.

Branchenfonds als sichere Bank

Zwiegespalten ist die Analystengilde hingegen bei Vestas Wind Systems. Das dänische Unternehmen ist nach Umsatz und installierter Stromgewinnungskapazität weltgrößter Hersteller von Windkraftanlagen. Der Aktienkurs hat sich seit 2015 bereits verdreifacht. Aktuell wird das Papier zum 47-Fachen des Jahresertrags gehandelt – was sehr teuer ist. Vier Analysten raten deshalb von der Aktie ab, 16 hingegen empfehlen den Wert weiterhin zum Kauf.

Profitieren dürften auch Hersteller von Speicherbatterien und Solarkraftwerken sowie Zuliefererunternehmen. Für Anleger ist es allerdings schwierig, einzuschätzen, welche dieser Aktien stark zulegen werden. Experten raten daher zu Fonds, deren Manager Märkte und Unternehmen genau analysieren und in die aussichtsreichsten Werte investieren. Dazu zählen Blackrock Global Funds Sustainable Energy, DWS SDG Global Equities, Invesco Energy Fund und Multipartner Sicav. Sie alle investieren weltweit in Aktien von Unternehmen, die an der Gewinnung erneuerbarer Energien beteiligt sind.

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