Telematikinfrastruktur

KBV fordert „staatliches TI-Netz“ und Digital-Moratorium

E-Rezept und eAU stoppen, die Telematikinfrastruktur auf den Prüfstand: Der KBV-Vorstand fordert von Gesundheitsminister Lauterbach, die „TI-Logik vom Kopf auf die Füße“ zu stellen.

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Ein Netzwerkkabel wird in einem Router in den Anschluss fuer IP-Telefonie gesteckt

Kommt in der Praxis direkt aus der Dose: So stellt sich der KBV-Vorstand die TI 2.0 vor.

© Thomas Trutschel / photothek / picture alliance

Berlin. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) erwartet von Gesundheitsminister Professor Karl Lauterbach ein Moratorium für die angestoßenen Digitalisierungsprojekte im Gesundheitswesen. Der SPD-Politiker „könnte sich jetzt hinstellen und sagen: ‚Ja, wir wollen das von der ärztlichen Perspektive betrachten.‘ Und es dann mit sehr viel ruhigerer Hand neu anschieben“, sagte KBV-Chef Dr. Andreas Gassen im Interview mit der „Ärzte Zeitung“ (Freitag).

„Das E-Rezept und die eAU sollten zum Beispiel solange gestoppt werden, bis sie einwandfrei funktionieren. Die Konnektoren gehören auf den Prüfstand“, so Gassen. „Man sollte vielleicht auch das politische Rückgrat haben, manche Anwendungen einfach zu beerdigen.“ Das Gesundheitswesen zu digitalisieren, sei „völlig unstrittig, aber sie muss halt funktionieren“.

KBV-Vize Dr. Stephan Hofmeister forderte, „die ganze TI-Logik vom Kopf auf die Füße“ zu stellen. Die Telematikinfrastruktur (TI) „muss ein staatliches Netz sein und es muss eine Agentur geben, die sich darum kümmert und 99,99 Prozent Verfügbarkeit gewährleisten kann“, sagte er. Für ein bundesweites, sicheres digitales Netz könne man „die Implementierung wesentlicher Teile nicht den Ärzten überlassen“.

Hofmeister benutzte als Analogie das Telefonnetz in der Bundesrepublik: „Wenn ich ein Telefon haben will, muss ich auch nicht erst Strippen ziehen, sondern es kümmern sich die Telekom und die Bundesnetzagentur.“ Ähnlich müsse es bei der TI sein, „dass man bis zur Praxis eine sichere Leitung aufbaut und die Ärzte dort direkt ihr PVS anschließen“.

Der KBV-Vorstand erneuter außerdem seine langjährige Forderung, neue digitale Anwendungen oder Prozesse vor dem flächendeckenden Einsatz hinreichend zu erproben. Es müsse Beta-Versionen geben, „die mit statistisch signifikant vielen Praxen im Echtbetrieb getestet wird, die dafür auch vergütet werden“, so Hofmeister. (eb)

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