Zu süß und zu bunt?

Kinderlebensmittel in der Kritik

Lebensmittel, die speziell für Kinder vermarktet werden, sind oft zu süß, warnt Foodwatch und verweist auf Studien. Der Lebensmittelverband und die Politik kontern die Kritik.

Von Margarethe Urbanek Veröffentlicht: 25.07.2019, 06:21 Uhr
Kinderlebensmittel in der Kritik

Außen hui, innen pfui? Kinderlebensmittel und ihre Verpackungen stehen in der Kritik.

© picture alliance / dpa

BERLIN/BRÜSSEL. Die Verbraucherorganisation Foodwatch warnt aktuell vor zu viel Zucker in Lebensmitteln, die speziell für Kinder vermarktet werden. Sie beruft sich dabei auf eine kürzlich veröffentlichte Marktstudie der Organisation mit 110 Produkten. Demnach enthalten alle Joghurts und 90 Prozent der Frühstücksflocken in der Untersuchung mehr Zucker als die Weltgesundheitsorganisation (WHO) für Kinderlebensmittel empfiehlt.

Erst kurz zuvor hatte die WHO, mit Blick auf die europäische Region, eine ähnliche Warnung ausgesprochen. Foodwatch äußert in diesem Zusammenhang außerdem Kritik an den von Bundesernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) mit der Lebensmittelwirtschaft vereinbarten freiwilligen Zuckerreduktionszielen. Der Lebensmittelverband und das Bundesministerium weisen die Kritik auf Nachfrage der „Ärzte Zeitung“ zurück.

Kritik an Vermarktung

Foodwatch untersuchte im Rahmen seiner Marktstudie den Zuckergehalt von 78 Frühstücksflocken und 32 Joghurts, die mit Tieren, Cartoons, Spielzeug oder durch den Zusatz von beliebten Süßigkeiten an Kinder beworben werden. Im Schnitt enthielten die untersuchten Joghurts nach Angaben der Verbraucherorganisation 14 Prozent Zucker, die Frühstücksflocken sogar knapp 25 Prozent Zucker.

Das liegt weit über den Empfehlungen der WHO. Sie besagen, Frühstücksflocken mit einem Zuckergehalt über 15 Prozent und Joghurts mit einem Zuckergehalt über 10 Prozent gelten als unausgewogen und sollten nicht an Kinder beworben werden.

Auch die Untersuchungsergebnisse der WHO sind aus deren Sicht alarmierend. Bei einer Untersuchung von 9478 Produkten sei festgestellt worden, dass in etwa der Hälfte von ihnen mehr als 30 Prozent der enthaltenen Kalorien aus Zucker bestehen. Trotzdem werde ein Großteil der Produkte vermarktet als „für Kinder unter sechs Monaten geeignet.“ Zudem enthielten alle oder fast alle Produkte Aussagen über Ernährungs- oder gesundheitsbezogene Eigenschaften.

Für Deutschland fordert Foodwatch Bundesernährungsministerin Julia Klöckner auf, dafür zu sorgen, dass nur noch ausgewogene Lebensmittel an Kinder beworben werden dürfen. Bereits im Mai 2018 hatten Ärzte und Fachorganisationen eine gesetzliche Beschränkung des Kindermarketings als einen Baustein im Kampf gegen Fehlernährung und ernährungsbedingte Krankheiten gefordert.

Reduktionsziele zu gering?

„Ein überzuckerter Joghurt bleibt ein überzuckerter Joghurt, auch wenn der Hersteller den Zuckergehalt um zehn Prozent reduziert“, kritisiert Manuel Wiemann von Foodwatch.

Dazu erklärte das Bundesministerium auf Nachfrage, die Festschreibung eines pauschalen Prozentsatzes, der reduziert werden muss, sei wenig erfolgversprechend. Entscheidend sei, dass sich der Geschmack der Verbraucher mitentwickle. Der Lebensmittelverband ergänzt, eine Zuckerreduktion könne auch aus „technologischen Gründen nicht von heute auf morgen umgesetzt werden“.

Gemäß der NRI hat Klöckner ein Verbot des Zusatzes von Zucker und anderen süßenden Zutaten in Säuglings- und Kleinkindertees bis Ende 2019 durchgesetzt.

Ein überzuckerter Joghurt bleibt ein überzuckerter Joghurt, auch wenn der Hersteller den Zuckergehalt um zehn Prozent reduziert.

Manuel Wiemann, Foodwatch

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