Bundesverwaltungsgericht

Klinikapotheke muss nahe sein

Eine Krankenhausapotheke darf nicht 200 Kilometer von der Klinik entfernt sein. Das hat das Bundesverwaltungsgericht entschieden. Die Richter bestehen auf einer "unverzüglichen" Versorgung.

Veröffentlicht:
Eine Krankenhausapotheke muss die Klinik schnell beliefern können, wenn ein plötzlicher Bedarf entsteht, urteilten die Richter.

Eine Krankenhausapotheke muss die Klinik schnell beliefern können, wenn ein plötzlicher Bedarf entsteht, urteilten die Richter.

© Patrick Pleul / dpa

LEIPZIG (mwo). Apotheken, die ein Krankenhaus versorgen, müssen "in angemessener Nähe" liegen.

Denn dringend benötigte Arzneimittel müssen "unverzüglich und bedarfsgerecht" verfügbar sein, wie am Donnerstag das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig entschied.

Es wies damit die Klage eines Krankenhauses in Münster ab, das über seine hauseigene Apotheke auch ein über 200 Kilometer entferntes Krankenhaus in Bremen versorgen wollte.

Nach dem Apothekengesetz können Krankenhäuser wählen, ob sie ihre Arzneimittelversorgung über eine eigene Krankenhausapotheke sicherstellen, über eine externe öffentliche Apotheke oder die Krankenhausapotheke eines anderen Krankenhauses.

Für eine externe Lösung bedarf es eines genehmigungspflichtigen Versorgungsvertrags mit der Apotheke.

Entfernung bestimme Transportdauer "maßgeblich"

Geklagt hatte das St.-Franziskus-Hospital in Münster. Es betreibt eine externe aber hauseigene Apotheke im 35 Kilometer südwestlich gelegenen Ahlen (Westfalen), die insgesamt etwa 20 Einrichtungen mit 4000 Betten versorgt.

Nach dem Wunsch des Krankenhausträgers sollte die Apotheke auch das St.-Joseph-Stift in Bremen versorgen. Wegen der Entfernung von 216 Kilometern zwischen Apotheke und Krankenhaus versagte der Kreis Warendorf die Genehmigung.

Zu Recht, wie nun das Bundesverwaltungsgericht entschied. Das Gesetz verlange eine unverzügliche Versorgung der Krankenhäuser, auch bei einem "plötzlich auftretenden, nicht absehbaren Bedarf".

Nach Einschätzung von Experten solle die Lieferzeit nicht deutlich über einer Stunde liegen. "Das bedingt zwingend, dass die Apotheke in räumlicher Nähe zum Krankenhaus liegen muss", urteilten die Leipziger Richter.

Denn die Entfernung bestimme die Transportdauer "maßgeblich" mit.

Im Streitfall verlaufe der weite Transportweg zudem noch über die "stauanfällige" Autobahn A1. Die Transportzeit liege daher zwischen zwei und drei Stunden.

Az.: 3 C 24.11

Mehr zum Thema

Behandlungsfehler-Statistik

MD-Bund: „Never Events“ endlich verpflichtend melden!

Kommentare
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Jetzt anmelden »Kostenlos registrieren »

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

» kostenlos und direkt in Ihr Postfach

Am Morgen: Ihr individueller Themenmix

Zum Feierabend: das tagesaktuelle Telegramm

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Handschlag mit sich selbst: Im MVZ können sich die Gesellschafter-Geschäftsführer selbst anstellen, so das BSG.

© Lagunov / stock.adobe.com

Bundessozialgericht

Selbsteinstellung im MVZ? Unter bestimmten Voraussetzungen möglich

Die meisten Behandlungsfehler passieren im stationären Bereich. Das lässt eine nicht repräsentative Analyse des Medizinischer Dienst Bundes vermuten. 

© Blue Planet Studio / stock.adobe.com

Behandlungsfehler-Statistik

MD-Bund: „Never Events“ endlich verpflichtend melden!

Schlafstörung? Da greifen viele Patienten eigenständig zu Melatonin. (Symbolbild mit Fotomodellen)

© Yakobchuk Olena / stock.adobe.com

Gastbeitrag

Schlafstörungen: Vorsicht vor unkritischem Melatonin-Einsatz