Pandemie-Maßnahmen

Kliniken fordern Politik zur Datennutzung auf

Ein Klinikverband empfiehlt die aus Abrechnungsdaten gewonnenen Zahlen zum Infektions- und Versorgungsgeschehen als weitere Säule für politische Entscheidungen zu Corona-Schutzmaßnahmen.

Von Matthias WallenfelsMatthias Wallenfels Veröffentlicht: 27.10.2020, 16:21 Uhr
Welche Schutzmaßnahmen sind bei welcher Stufe auf der Corona-Ampel sinnvoll? Wenn Politiker darüber entscheiden, sollten sie nicht nur die Infektionszahlen im Blick haben, fordert ein großer Klinikverband.

Welche Schutzmaßnahmen sind bei welcher Stufe auf der Corona-Ampel sinnvoll? Wenn Politiker darüber entscheiden, sollten sie nicht nur die Infektionszahlen im Blick haben, fordert ein großer Klinikverband.

© K. Schmitt / Fotostand / picture alliance

Berlin. Bund und Länder sollten ihre Erörterung geeigneter Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie auf eine breitere Basis stellen. Das fordert Dr. Francesco de Meo, Präsident der Initiative Qualitätsmedizin (IQM) ein.

„Bei den Maßnahmen zur Eindämmung der COVID-19-Pandemie handelt es sich um tiefe Einschnitte für die Gesellschaft und den Einzelnen. Diese sollten nicht allein mit Blick auf das Infektionsgeschehen getroffen werden“, so de Meo. Und ergänzt: „Die Politik und alle anderen Akteure im deutschen Gesundheitssystem wären gut beraten, Entscheidungen zu Schutzmaßnahmen und zum Ressourceneinsatz auf einer breiten Datenbasis zu fällen“ – zum Beispiel sollten sie die in Krankenhäusern zu Abrechnungszwecken erhobenen Routinedaten (§21 KHEntgG) heranziehen, rät er.

Fallzahlverlauf und Auslastung lassen sich monitoren

De Meo stützt sich dabei auf eine IQM-Untersuchung des Leistungsgeschehens während der COVID-19-Pandemie in 421 Mitgliedskrankenhäusern. Eine der wichtigsten Erkenntnisse laut IQM: Die Nutzung der Routinedaten ermögliche eine sehr gute Abbildung der Versorgungsrealität und eine datenbasierte Grundlage der Kapazitätsplanung.

Fallzahlverlauf und Auslastung der Krankenhäuser ließen sich mittels Monitoring von zeitnah vorliegenden Routinedaten gezielt verfolgen und könnten die Basis für Entscheidungen zum Umgang mit dem COVID-19-Geschehen bieten.

Daten aus 421 Krankenhäusern

Für die Studie stellten laut IQM 421 Mitgliedskrankenhäuser freiwillig die Abrechnungsdaten ihrer rund 2,8 Millionen im ersten Halbjahr 2020 behandelten Fälle zur Verfügung. Die Untersuchung vergleicht die Fallzahlen und Sterblichkeit schwerer Atemwegserkrankungen (SARI/ Severe Acute Respiratory Infections) ebenso wie die Verläufe anderer nicht COVID assoziierter Erkrankungen.

Die wichtigsten Ergebnisse der Studie auf einen Blick:

  • Von den rund 14.800 stationär behandelten COVID-Patienten entwickelten 75 Prozent eine SARI. Die Sterblichkeit war mit 23 Prozent signifikant höher als bei nicht mit COVID assoziierten SARI mit 12 Prozent.
  • Bei den verbleibenden 25 Prozent der COVID-Patienten ohne Lungenbeteiligung verstarben rund sieben Prozent. Es wurden rund 46.900 und damit drei Mal mehr Patienten mit COVID-Verdacht als mit nachgewiesenem COVID behandelt. Bei COVID-Verdachtspatienten betrug die Sterblichkeit 6,6 Prozent.
  • Die Krankenhausfälle waren im Lockdown um 40 Prozent reduziert und blieben auch am Ende des ersten Halbjahres etwa 15 Prozent unter der Zahl von 2019. Hiervon sind nicht nur elektive Behandlungen, sondern auch dringliche und Notfallbehandlungen betroffen.

Die Ergebnisse bestätigen aus Sicht der IQM für COVID-19-Fälle, was bereits im Zusammenhang mit Atemwegserkrankungen bekannt war – etwa Alter und männliches Geschlecht als Risikofaktoren für einen schweren Verlauf.

Auffallend sei, dass die Zahl der durch Tests nachgewiesenen COVID-19- Erkrankungen um ein Vielfaches niedriger gewesen sei als die Fälle mit COVID-19-Verdacht. Die bei IQM ermittelten Werte seien absolut repräsentativ für die Realität der Diagnose und Kodierung in ganz Deutschland.

„Die Studie zeigt, wie relevant Analysen von zeitnah verfügbaren Routinedaten sind, um sehr schnell und fundiert die Fallzahlen in Krankenhäusern erfassen und damit Kapazitäten steuern zu können“, so de Meo abschließend.

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