Krankenhaus Rating Report

Kliniken profitieren von guter Wirtschaftslage – vorübergehend

Aktuell hat sich die wirtschaftliche Lage der Kliniken leicht entspannt, doch das ist nur von kurzer Dauer. Ohne Strukturinvestitionen und gewaltige Management-Anstrengungen rutschen immer mehr Kliniken in die roten Zahlen.

Von Helmut Laschet Veröffentlicht: 07.06.2018, 13:00 Uhr
Kliniken profitieren von guter Wirtschaftslage – vorübergehend

Die Rendite deutscher Kliniken hat sich 2016 um einen Prozentpunkt auf 2,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr verbessert. Die Zukunft sieht weniger rosig aus.

© megaflopp / stock.adobe.com

BERLIN. Die Rendite deutscher Kliniken hat sich 2016 um einen Prozentpunkt auf 2,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr verbessert, der Anteil der liquiditätsgefährdeten Häuser ist von neun auf sieben Prozent gesunken. Für das laufende Jahr werden noch etwas bessere Daten erwartet, bevor sich die wirtschaftliche Situation in den Folgejahren bis 2025 kontinuierlich verschlechtern könnte, wenn nicht massiv gegengesteuert wird.

Das sind Ergebnisse des jüngsten Krankenhaus Rating Reports 2018, der auf einer Erhebung wirtschaftlicher Kennzahlen in über 800 Einrichtungen basiert. Er ist am Donnerstagmittag beim Hauptstadtkongress vorgestellt worden. Erarbeitet wurde der Report von einem Team des Essener Gesundheitsökonomen Professor Boris Augurzky.

Wird nicht gegengesteuert, dann steigt der Anteil der Kliniken mit Verlust schon 2019 wieder auf 14 Prozent (erwartet für 2018: 11 Prozent). 2025 würde nach der Prognose mehr als die Hälfte der Krankenhäuser rote Zahlen schreiben. Nahezu jede vierte Klinik wäre dann liquiditätsgefährdet.

Die relativ gute wirtschaftliche Lage könnte auf mittlere Sicht nur dann stabilisiert werden, wenn Krankenhausleistungen in vollem Umfang refinanziert werden, eine Strukturoptimierung realisiert wird und jährlich eine Produktivitätssteigerung von 0,3 Prozent erreicht würde, heißt es im Rating Report.

Schon in naher Zukunft sind Kliniken in doppelter Hinsicht vom demografischen Wandel betroffen: steigender Nachfrage aufgrund wachsender Morbidität und einem Sinken des Arbeitskräftepotenzials der 20- bis 65-jährigen Bevölkerung um vier Prozent zwischen 2015 und 2025 und um 9,3 Prozent bis 2030.

In den nächsten sieben Jahren werden 80.000 Vollzeitkräfte in Medizin und Pflege und Kliniken sowie weitere 80.000 in der Altenpflege zusätzlich benötigt. Notwendige Gegenmaßnahmen: qualifizierte Zuwanderung, mehr Attraktivität der Gesundheitsberufe, arbeitssparende Innovationen und transparente Pflegequalität.

Erforderlich sei darüber hinaus eine nationale Modernisierungsstrategie durch Digitalisierung, Robotik und Assistenzsysteme, ferner Innovationsoffenheit des Gemeinsamen Bundesausschusses.

Um die Investitionslücke zu schließen, wird empfohlen: Aufstockung von Landesmitteln durch Bundeszuschüsse im Verhältnis 1 zu 2, ein zeitlich unbegrenzter Vorsteuerabzugsvoucher für Investitionen, die Erweiterung des Strukturfonds, ein "Digital Boost" von jährlich 510 Millionen Euro sowie 300 Millionen Euro zum Aufbau einer sektorenübergreifenden Notfallversorgung.

Lesen Sie dazu auch: Pflege: Fachkräftemangel wird zum Risiko für die Versorgung

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