Spracherkennung

Kliniken weiterhin Terra incognita

Effiziente Spracherkennungssysteme werden von Klinikärzten bei der Dokumentation kaum genutzt.

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HAMBURG. Bleibt die deutsche Krankenhauslandschaft überwiegend eine Terra incognita für Digital Health? Eine aktuelle repräsentative YouGov-Studie unter 200 deutschen Klinikärzten im Auftrag des Medizintechnikanbieters Olympus legt dies zumindest nahe. So dominieren, Mehrfachnennungen waren möglich, mit 74 Prozent bei der Dokumentation im Klinikalltag, wie die Krankenhausärzte bekunden. Dies konterkariert geradezu das überall propagierte Zeitalter der Medizin 4.0 und Pflege 4.0 – und damit der Mensch-Maschine-Kollaboration zur Entlastung von OP- und Pflegepersonal.

Immerhin steht für die befragten Klinikärzte die Dokumentation via Freitexteingabe am Computer oder Tablet mit 62 Prozent an zweiter Stelle der praktizierten Methoden – Textbausteine nutzen hingegen erst 36 Prozent bei der elektronischen Dokumentation via PC oder Tablet.

Mit 36 Prozent weit verbreitet sind ebenfalls noch digitale Diktiergeräte, mit 22 Prozent dokumentiert aber auch noch jeder fünfte Krankenhausarzt zumindest gelegentlich mit einem analogen Diktiergerät auf Kassetten. Beide Medien müssen zur Verschriftlichung der Dokumentation allerdings erst wieder abgehört und damit weiter bearbeitet werden.

Mit Spracherkennungssystemen, die die Dokumentation erheblich beschleunigen können und für die es bereits einige Lösungen im Markt gibt, arbeiten indes gerade einmal neun Prozent der Klinikärzte.

Angesichts dieser Umfrageergebnisse zum Dokumentationsalltag, die zeigen, dass deutsche Kliniken bei der digitalen Transformation im Vergleich zu anderen Industriesektoren noch dramatisch hinterherhinken, ist es nicht verwunderlich, dass 67 Prozent der Krankenhausärzte mit der aktuellen Dokumentation in ihrer Einrichtung unzufrieden sind.

Die Befragung legt nahe, dass die Krankenhausärzte offen wären für den forcierten Einsatz von Spracherkennungslösungen zum Zwecke der Dokumentation. Denn mit 47 Prozent hat schon fast die Hälfte der Mediziner Spracherkennung bereits privat genutzt.

Wie eine Studie des Uniklinikums Düsseldorf im vergangenen Jahr ergab, macht sich die Zeitersparnis durch das Nutzen von Spracherkennungslösungen vor allem bei freien Berichten der Ärzte bemerkbar. So waren hier 79 Prozent der Klinikärzte, die mit der Spracherkennung arbeiteten schneller als ihre Kollegen, die auf die Tastatureingabe setzten. Weiteres Ergebnis: Durch die Spracherkennung nimmt die Dokumentation im Schnitt um 82 Prozent an Umfang zu. (maw)

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Kommentare
Hartwig Raeder 04.04.201707:13 Uhr

Anmerkungen

Spracherkennungssysteme können aus drei Gründen im Krankenhaus nicht funktionieren. Erstens können sie die falsche Satzstellung und Kommafehler von Nichtmuttersprachlern nicht korrigieren. Zweitens schreiben sie nur orthographisch richtige Wörter; das erschwert die Korrektur ungemein, wenn etwas anderes diktiert wurde. Drittens werden Eigennamen, Wirkstoffe und Medikamente oft nicht verstanden. - Quintessenz: Die Benutzer von Spracherkennungssystemen sind zwar schneller, machen aber mehr Fehler. Die Alternative zur Spracherkennung ist nicht die Tastatureingabe, sondern eine Medizinsekretärin, die alle Fehler selbstständig verbessert.

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