Kostendruck: Träger gibt Kieler Krankenhaus ab

In Kiel kommt die Klinik Sankt Elisabeth unter das Dach der Lubinus-Stiftung. So sollen sich Synergiepotenziale ergeben.

Dirk SchnackVon Dirk Schnack Veröffentlicht:

KIEL. Die Kieler Lubinus-Stiftung nimmt das Sankt Elisabeth Krankenhaus in ihre Trägerschaft. Ab Januar 2012 wird das Kieler Belegkrankenhaus zur Stiftung gehören, die sich damit nach eigenen Angaben zum größten Anbieter für orthopädische und unfallchirurgische Leistungen in Schleswig-Holstein entwickelt.

Lubinus ist damit auch in der Kieler Innenstadt präsent und erweitert sein Spektrum um die Fachrichtungen Urologie sowie Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie.

Beide Häuser sind im Krankenhausplan mit den Fachabteilungen Chirurgie und Orthopädie aufgenommen und weisen Schnittmengen in ihrem Leistungsspektrum auf.

Künftig wollen die Einrichtungen mit zusammen fast 100 Chirurgen, Orthopäden und Unfallchirurgen unter dem Dach der Stiftung ihren Schwerpunkt - die Behandlung von Erkrankungen und Verletzungen des Muskel-Skelett-Apparates - durch eine verbesserte ambulante und stationäre Vernetzung ergänzen und ausbauen.

Zu wenig Honorar für Belegarztleistungen

Der bisherige Träger Katholische Wohlttätigkeitsanstalt (KWA) begründete den Schritt mit dem bestehenden Kostendruck für das Beleghaus und dem Ziel, die Zukunft des Standortes durch das Zusammengehen mit einem "starken Partner" sichern zu wollen.

Lubinus erfülle alle dazu notwendigen Voraussetzungen. Hintergrund sind die nach Ansicht vieler Belegkrankenhäuser nicht angemessenen Vergütungen für belegärztliche Leistungen.

Die Arbeitsverhältnisse der Mitarbeiter des Krankenhauses sollen in die Lubinus-Stiftung übertragen werden. "Dabei bleiben alle Rechte und Pflichten der Mitarbeiter in der vereinbarten Form erhalten", hieß es in einer Mitteilung.

Durch den Zusammenschluss entsteht ein Krankenhaus mit über 300 Betten, zwölf Operationssälen und fast 500 Mitarbeitern, die im Jahr mehr als 10.000 Patienten stationär behandeln und rund 4000 ambulante Operationen durchführen. Im Lubinus Clinicum werden jährlich rund 30.000 ambulante Behandlungen erbracht - vorwiegend in der Notfallambulanz.

Die Kliniken haben gemeinsame Wurzeln

Beide Häuser weisen historische Verknüpfungen auf: Die Gründer beider Kliniken, Gustav Adolf Neuber und Johann Herman Lubinus, waren Schüler des Kieler Chirurgen Friedrich von Esmarch und kannten und unterstützten sich gegenseitig.

Nachdem Neuber 1885 das weltweit erste Krankenhaus nach aseptischen Grundsätzen gegründet hatte, arbeitete Lubinus als Assistent bei Neuber, bevor er 1895 die Klinik Lubinus ins Leben rief.

Dabei trat Neuber als Investor auf und unterstützte Lubinus neben anderen Kieler Ärzten. Danach entwickelten sich die Häuser unterschiedlich.

Die Neubersche Klinik wurde 1920 auf den Chirurgen Dr. Carl Rehr übertragen und schließlich 1958 von der KWA übernommen, die das Sankt Elisabeth Krankenhaus vor 53 Jahren gründete. Am Sankt Elisabeth Krankenhaus wurde 1967 das erste Ärztehaus an einem Krankenhaus in Deutschland errichtet.

Stabswechsel nach vier Arztgenerationen an der Spitze

Die Klinik Lubinus blieb dagegen immer in den Händen der Familie. Das 1999 gegründete Ärztehaus wurde 2005 als erstes krankenhausgestütztes MVZ Norddeutschlands zugelassen.

Nachdem vier Arztgenerationen Lubinus die Klinik geleitet hatten, entschloss sich die Familie, das Clinicum 2010 in eine neu gegründete gemeinnützige Lubinus-Stiftung einzubringen, um damit die dauerhafte Eigenständigkeit des Unternehmens zu sichern.

Ohne diese Überführung wären die Gespräche mit der KWA nach Angaben Thiedes nicht möglich gewesen. Die KWA mit Sitz in Reinbek bei Hamburg betreibt bundesweit an mehreren Standorten Krankenhäuser.

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