Kliniken sehen sich abgehängt

Krankenhausgipfel gefordert

Die Lage in den Kliniken spitzt sich nach den jüngsten Gesetzesbeschlüssen zu. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft will wieder in Dialog mit der Gesundheitspolitik kommen. Dieses Signal geht von der Eröffnung des 42. Krankenhaustages während der Medica aus.

Von Ilse Schlingensiepen Veröffentlicht: 18.11.2019, 17:07 Uhr
Krankenhausgipfel gefordert

Jeder muss bereit sein, etwas mehr sektorübergreifend zu denken, forderte Karl-Josef Laumann (CDU) nordrhein-westfälischer Gesundheitsminister, beim Krankenhaustag.

© Messe Düsseldorf / ctillmann

Düsseldorf. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) fordert die Einberufung eines Krankenhausgipfels auf höchster politischer Ebene – vergleichbar mit dem Klimagipfel und dem Autogipfel der Bundesregierung.

„Wir müssen gemeinsam sehen, wie wir die Krankenhauslandschaft konstruktiv weiterentwickeln können“, sagte DKG-Präsident Dr. Gerald Gaß bei der Eröffnung des 42. Deutschen Krankenhaustages auf der Medica in Düsseldorf.

„In den vergangenen Monaten haben wir die Erfahrung mitnehmen müssen: Es wird nicht mit uns gesprochen, sondern es wird über uns gesprochen“, kritisierte Gaß. Die Politik fälle Entscheidungen, ohne den Kliniken Gehör zu schenken. Das solle sich mit dem Klinikgipfel ändern.

Politik soll Lage der Kliniken zur Kenntnis nehmen

Die DKG-Mitgliederversammlung hat ein Positionspapier verabschiedet, in dem sie vor einer Gefährdung der flächendeckenden Versorgung durch Politik und Krankenkassen warnt. „Wir rufen Bundesgesundheitsminister Spahn und seine Kolleginnen und Kollegen in den Ländern auf, die tatsächliche Lage der Krankenhäuser endlich zur Kenntnis zu nehmen“, heißt es dort. Die Politik müsse sich ihrer Verantwortung stellen.

Verantwortung trägt die Politik nach Ansicht von DKG-Präsident Gaß dafür, dass Deutschland zurzeit eine kalte Strukturreform statt eines geordneten Strukturwandels erlebe. Einen solchen geordneten Wandel würde die DKG begrüßen und unterstützen.

Die Qualität der Patientenversorgung habe sich in den vergangenen Jahren verbessert, sagte Dr. Josef Düllings, Präsident des Verbandes der Krankenhausdirektoren. „Die Krankenhäuser haben zunehmend Versorgungsaufgaben anderer Dienstleister übernommen, die nicht das leisten, was von ihnen erwartet wird.“ Trotzdem werde die Krankenhausbranche schlecht geredet.

Frust angestaut

„Es hat sich eine Menge Frust angestaut, wie man mit den Krankenhäusern umgeht“, bestätigte Dr. Michael Weber, Präsident des Verbands der leitenden Krankenhausärzte und Kongresspräsident des Krankenhaustages.

Dazu beitragen würden Probleme wie die Überregulierung, massenhafte Rechnungskürzungen durch den Medizinischen Dienst und Diffamierungen. Das schwäche die Kliniken und die Situation der Patientenversorgung und des Personals. Notwendig sei stattdessen eine Stärkung der Kliniken, sagte Weber. „Das sollten wir zum Ziel eines Krankenhausgipfels machen.“

Auch die Expertise der Pflege müsse dabei einbezogen werden, forderte Dr. Sabine Berninger, Pflegedirektorin an der Josefinum KJF Fachklinik in Augsburg. Die Pflege stelle einen großen Teil der Leistungserbringung im Krankenhaus. „Deshalb wollen wir mitreden und uns beteiligen.“

„Darf kein Palaver bleiben“

Der nordrhein-westfälische Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann hat nichts gegen einen Dialog zwischen Kliniken und Politik. „Aber das Gespräch darf kein Palaver bleiben“, stellte er klar. „Für Palaver bin ich zu alt.“

Die Gefahr bestehe aber, wenn zu viele Beteiligte an einem Tisch sitzen. Sinnvoll wäre ein breit angelegter Austausch aus Sicht Laumanns ohnehin nur unter einer Prämisse: „Jeder muss bereit sein, etwas mehr sektorübergreifend zu denken.“

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