Digitalisierung

Lauterbach: E-Patientenakte wird Ende 2024 für alle verbindlich

Die Digitalisierung des Gesundheitswesens konkretisiert sich. Bundesgesundheitsminister Lauterbach bekräftigte am Wochenende seine Ziele bis Ende 2024.

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Bildschirm mit Patientenakte, hier aus einem Pilotprojekt in Berlin und Brandenburg vor zwei Jahren: Schon bald soll jeder Patient eine ePA bekommen, wenn er nicht widerspricht, sagt Minister Lauterbach.

Bildschirm mit Patientenakte, hier aus einem Pilotprojekt in Berlin und Brandenburg vor zwei Jahren: Schon bald soll jeder Patient eine ePA bekommen, wenn er nicht widerspricht, sagt Minister Lauterbach.

© Jens Kalaene / dpa-Zentralbild / dpa / picture alliance

Berlin. Jeder Krankenversicherte soll nach dem Willen von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) nächstes Jahr eine elektronische Patientenakte erhalten. „Ende kommenden Jahres wird die elektronische Patientenakte für alle verbindlich“, kündigte Lauterbach in der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (FAS)“ an. „Jeder, der nicht ausdrücklich widerspricht, ist automatisch mit dabei.“

Seinen Vorschlag für diese sogenannte Opt-out-Lösung will Lauterbach demnach am Montag dem Bundeskabinett vorstellen. Auch das elektronische Rezept will er 2024 verbindlich machen.

Die elektronische Patientenakte (ePA) soll beispielsweise Röntgenbilder auf CD, Papierakten und Faxe überflüssig machen. Sie sind dann per Handy oder Computer über die elektronische Patientenakte (ePA) einsehbar. Mediziner, Physiotherapeuten, Pflegekräfte und Hebammen sollen sich mit wenigen Klicks ein Bild vom Gesundheitszustand ihrer Patienten machen oder eine Krankengeschichte lückenlos einsehen können, wenn der Patient dies zulässt.

ePA wird noch kaum genutzt

Als freiwilliges Angebot für die 74 Millionen gesetzlich Versicherten gibt es die ePA seit Januar 2021. Aber nur weniger als ein Prozent der Patienten nutzten sie bislang.

Mit der elektronischen Akte werde der Patient Herr seiner Daten, warb der Minister. „Er bekommt eine geordnete Übersicht über Arztbriefe, Befunde, Medikamente.“ Das helfe auch bei der Behandlung. „Sein Arzt kann schnell erkennen, welches Medikament er zusätzlich verordnen kann, ob es Wechselwirkungen gibt. Außerdem sieht er, ob ein Kollege schon vorher dasselbe untersucht hat.“

„Die Befunde gehören den Patienten“

Technisch will Lauterbach pragmatisch vorgehen. „Wir warten nicht, bis es für alle Befunde eine standardisierte Datenstruktur gibt.“ Für den Anfang werde es möglich sein, PDF- oder Word-Dateien einzuspeisen.

„Die Befunde gehören dem Patienten“, betont Lauterbach in der FAS. Damit Ärztinnen und Ärzte diese Befunde auch in der ePA zugänglich machen, „werden wir es ihnen sehr leicht machen, die Akt zu befüllen“. Der Vorgang werde weitgehend automatisiert ablaufen.

Bedenken der Datenschützer

Erklärtes Ziel der ePA ist, die Versorgung effektiver und besser zu machen – etwa, indem Mehrfachuntersuchungen unnötig werden. Bei der Vernetzung der Praxen gibt es jedoch Verzögerungen. Bei mehreren Fragen schwelt ein Streit über den Datenschutz.

Der Bundesdatenschutzbeauftragte Professor Ulrich Kelber hatte sich etwa kritisch zu dem angestrebten Verfahren geäußert, auf die Akte nur zu verzichten, wenn der Patientinnen oder Patienten aktiv widersprechen. Laut Lauterbach ist das Ministerium „in regelmäßigem Austausch“ mit dem Datenschutzbeauftragten. (dpa/ger)

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