Gesundheitswirtschaft

MedTech: Sorgt Corona für 50-Milliarden-Dollar-Delle?

Die Corona-Pandemie hinterlässt auch bei deutschen MedTech-Firmen ihre Spuren. Die Branche ist kein Krisengewinner, betont sie bei der virtuellen Medica.

Von Matthias WallenfelsMatthias Wallenfels Veröffentlicht: 16.11.2020, 20:19 Uhr
Hersteller von Intensiv-Ausrüstung wie Beatmungsgeräten konnten durch Corona vielleicht profitieren. Viele MedTech-Unternehmen haben aber Umsatzeinbußen zu verzeichnen.

Hersteller von Intensiv-Ausrüstung wie Beatmungsgeräten konnten durch Corona vielleicht profitieren. Viele MedTech-Unternehmen haben aber Umsatzeinbußen zu verzeichnen.

© Kiryl Lis / stock.adobe.com

Düsseldorf. Persönliche Schutzausrüstung und Beatmungsgeräte gingen im Zuge der ersten Corona-Welle in Deutschland und Europa weg wie warme Semmeln. Das hat aber keineswegs dazu geführt, dass die deutsche Medizintechnikbranche in ihrer Gesamtheit als Krisenprofiteur aus der Pandemie hervorgehen werde. Ganz im Gegenteil – die Branche rechnet für 2020 im Schnitt mit einem Umsatzverlust von vier Prozent gegenüber 2019, wie Marcus Kuhlmann, Leiter Medizintechnik im Branchenverband SPECTARIS, am Montag im Rahmen der Vorstellung der Brancheneckdaten bei der virtuellen Ausgabe der weltgrößten Medizinmesse Medica betonte.

Die Crux dabei: Firmen mit weniger als 200 Mitarbeitern erwarten im Schnitt Umsatzeinbußen von zehn Prozent gegenüber Vorjahr, Unternehmen mit größerer Personalstärke aber nur ein Prozent. Eines der Hauptmerkmale der innovativen Branche ist aber nun mal, dass sie zum größten Teil gerade aus kleinen und kleinsten Unternehmen besteht.

Ursprünglich prognostiziertes Wachstum wird nicht erreicht

Rein statistisch betrachtet, so Kuhlmann, liege Deutschland also im internationalen Trend. Er verweist dabei auf eine Prognose von Frost&Sullivan, die ursprünglich von einem Wachstum des weltweiten Medizintechnikmarktes um 5,6 Prozent von 445,4 Milliarden US-Dollar im vergangenen Jahr auf dann 470,3 Milliarden US-Dollar ausgegangen war. Corona könnte im schlechtesten Fall einen Rückgang um 11,3 Prozent auf 395,2 Milliarden US-Dollar verursachen, würde aber im „wünschenswerten“ Szenario „nur“ für eine Delle von etwas mehr als 16 Milliarden auf 429,2 Milliarden US-Dollar (-3,6 Prozent) führen. Pandemiebedingt würde die Branche weltweit somit um knapp 50 Milliarden US-Dollar Umsatz gegenüber der Vor-Corona-Schätzung zurückgeworfen werden.

Die deutsche MedTech-Branche ist extrem exportabhängig – zwei Drittel des Umsatzes werden außerhalb des Heimatmarktes generiert. Für das Gesamtjahr rechnen die Unternehmen laut Kuhlmann mit einem Rückgang des Auslandsumsatzes um sechs Prozent. In den wichtigsten Märkten seien im ersten Halbjahr 2020 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum bereits deutliche Einbrüche zu verzeichnen gewesen – EU minus 8,3 Prozent, Nordamerika minus 5,5 Prozent und Asien minus 2,8 Prozent. Dies könne bei Weitem nicht durch Zuwächse in anderen Märkten – restliches Europa plus 6,5 Prozent, Naher Osten plus 4,7 Prozent – kompensiert werden.

Die zweite Welle verunsichert Unternehmen

Unsicher seien sich die Unternehmen noch über die Auswirkungen der zweiten Welle – und damit des zweiten Lockdowns – auf die Branche. Die Prognose für 2021 hänge wesentlich vom weiteren Verlauf des globalen Pandemiegeschehens ab – und hier insbesondere vom Zugang der Patienten in den Krankenhäusern zu elektiven Eingriffen, die mit entsprechend teurer Medizintechnik verbunden sind. Auch in Deutschland wurden viele elektive Eingriffe abgesagt.

Für Dr. Martin Leonhard, bei Spectaris Vorsitzender des Fachbereiches MedTech, zeigt Corona, dass die Branche die Herausforderung nicht alleine stemmen kann. „Die deutsche Medizintechnik hat sich in den schwierigen Zeiten der Corona-Krise als verlässlicher Partner bewiesen.

Bürokratieaufwand belastet Unternehmen

Damit das auch künftig möglich ist, brauchen wir ein Umdenken auf Seiten der Politik“, mahnt er. Und ergänzt „Das Gesundheitssystem erwartet gerade jetzt, dass die Medizintechnikindustrie liefert.

Der stetig zunehmende Bürokratieaufwand bringt viele Hersteller jedoch an ihre Belastungsgrenze und schadet der Innovationskraft der Branche.“ Auch müsse der internationale Handel und Austausch weiter gestärkt und den Tendenzen nationaler Abschottung entgegengewirkt werden, um den Exportmotor am Laufen zu halten. (maw)

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