Neues Lehrkonzept

Medizinstudierende und Pflege-Azubis lernen Umgang mit Schwerstkranken

An der Uniklinik Aachen startet im Januar ein interprofessionelles Lehrangebot für Medizinstudierende und angehende Pflegekräfte zur Palliativversorgung. Das neue Konzept könnte als Blaupause auch für andere Bereiche dienen.

Von Ilse SchlingensiepenIlse Schlingensiepen Veröffentlicht:
Interprofessionell Lernen – neues Lehrangebot in Aachen. (Symbolbild)

Interprofessionell Lernen – neues Lehrangebot in Aachen.

© New Africa / stock.adobe.com

Aachen. Ab Januar können Medizinstudierende an der Universität Aachen bei Interesse gemeinsam mit Auszubildenden aus der Pflege den Umgang mit schwerstkranken und sterbenden Patienten sowie ihren Angehörigen lernen. Basis ist ein Modellprojekt zu einem interprofessionellen Lehrangebot zu palliativmedizinischen Themen.

Bei OpTEAMal (Optimales Teamwork in der medizinischen Lehre des Universitätsklinikums Aachen) haben sich seit Oktober 2019 die Studierenden und die Auszubildenden aus Medizin und Pflege über zwei Semester in sechs Modulen gemeinsam mit folgenden Bereichen auseinandergesetzt: Haltung, Krankheitsbearbeitung, Kommunikation, Trauer und Abschied, Resilienz und kultursensibler Umgang.

Corona-bedingt fand ein großer Teil der Lehrveranstaltungen online statt. Das Projekt ist von der Robert Bosch Stiftung mit 50.000 Euro gefördert worden.

Henke: Palliativversorgung gelingt nur im Team

Die gemeinsame Ausbildung soll die Basis für die spätere gute Zusammenarbeit der Gesundheitsfachberufe legen. Die Palliativversorgung könne nicht durch Einzelkämpfer erfolgen, sondern gelinge nur im Team, betonte der Präsident der Ärztekammer Nordrhein, Rudolf Henke.

„Sowohl der interprofessionelle Ansatz des Projekts als auch die intensive und frühzeitige Beschäftigung mit dem herausfordernden Thema der Kommunikation und des Umgangs mit Schwerstkranken und Sterbenden sowie deren Angehörigen ist innovativund zukunftsorientiert“, lobte Henke anlässlich des Abschlusssymposiums zu OpTEAMal.

Das Feedback der Teilnehmer zeige, dass die Schulung als Bereicherung empfunden und nicht als „irgend so eine Lehrveranstaltung“ gesehen wurde. Henke hofft, dass sich das Konzept nicht nur an der RWTH Aachen, sondern auch an anderen Standorten etabliert und in die Lehre der Universitätskliniken und Krankenpflegeschulen übernommen wird.

„Projekt wegweisend“

Interprofessionalität sei ein wichtiges Thema für die Zukunft, betonte Professor Stefan Uhlig, Dekan der Medizinischen Fakultät der Aachener Uni. „Das Projekt ist wegweisend für uns.“

Uhlig hofft, dass die Fakultät dafür eine Modellklausel aus der neuen Approbationsordnung nutzen kann, und diese nicht dazu führt, dass die geplanten gemeinsamen Veranstaltungen von Medizinstudierenden und Pflege-Azubis neu gestaltet werden müssen. „Die Approbationsordnung macht es nicht immer einfach, neue Dinge zu etablieren“, sagte er.

„Wir hoffen, dass wir jetzt eine Blaupause haben“

Professor Roman Rolke, Direktor der Klinik für Palliativmedizin an der Uniklinik RWTH Aachen, rechnet mit 15 bis 20 Teilnehmern bei den Medizinstudierenden, die sich für das neue Qualifikationsprofil entscheiden, und ebenso viele bei den angehenden Pflegekräften.

„Wir hoffen, dass wir jetzt eine Blaupause haben, die auf andere Berufsgruppen skaliert werden kann“, sagte er. Vorstellbar sei beispielsweise die Ausweitung auf Hebammen und Physiotherapeuten. „Es geht um die Zusammenarbeit im Alltag.“

Das gemeinsame Lernen kann nach Einschätzung Rolkes dazu beitragen, eine neue Art von Offenheit zu entwickeln und die anderen Berufe wertzuschätzen. „Jeder weiß, er kann sich ein stückweit auf den anderen verlassen“, skizzierte er den Ansatz.

Konzept lässt sich übertragen

Auch Kathrin Zednik, die Pflegedirektorin der Uniklinik, geht davon aus, dass sich das Konzept von OpTEAMal auf andere Bereiche übertragen lässt. „Es ist ein großartiges Projekt, in dem wir über interprofessionelles Lernen ins gemeinsame Tun und Handeln kommen.“

Mehr Projekte dieser Art sind notwendig, findet Zednik. „Wir brauchen das Miteinanderarbeiten, wir brauchen Verständnis und den Willen, gemeinsam für Patienten da zu sein, unabhängig von der Profession“, so die Pflegedirektorin.

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