Israel

Medizintourismus im heiligen Land

Speziell Patienten aus den USA und den Nachfolgestaaten der Sowjetunion will Israel mit dem Ausbau der Klinikkapazitäten ansprechen. Das bedeutet Konkurrenz für deutsche Häuser, aber Chancen für die MedTech-Branche.

Von Matthias WallenfelsMatthias Wallenfels Veröffentlicht:
Baukräne hinter der Kulisse von Jerusalem: Das Heilige Land will neue Krankenhäuser für die Behandlung von Patienten aus dem Ausland bauen.

Baukräne hinter der Kulisse von Jerusalem: Das Heilige Land will neue Krankenhäuser für die Behandlung von Patienten aus dem Ausland bauen.

© imagebroker / imago

NEU-ISENBURG. Deutschen Kliniken könnte große Konkurrenz entstehen, wenn es um die forcierte Akquise von Medizintouristen aus dem Ausland, speziell aus den Nachfolgestaaten der Sowjetunion geht.

Denn Israel steht in den Startlöchern, um den Medizintourismus in das Gelobte Land massiv und nachhaltig anzukurbeln.

Wie die deutsche Außenhandelsagentur Germany Trade & Invest (gtai) informiert, will Israel den Medizintourismus künftig stärker fördern und besser regulieren.

Das sehe ein Plan des nationalen Gesundheitsministeriums vor. Unter anderem werde der Bau eines eigenen Krankenhauses für Ausländer anvisiert. Die Betreuung ausländischer Patienten ist laut gtai auch jetzt schon eine Wachstumsbranche in Israel.

Das Vorhaben könnte bei ausreichenden Neuinvestitionen aber auch einen positiven Effekt haben, nämlich einen Nachfrageschub nach deutscher Medizintechnik.

Im September 2012 wurde ein vom Gesundheitsministerium formulierter Plan zur Weiterentwicklung des Medizintourismus durch die Veröffentlichung in der Wirtschaftszeitung "The Marker" publik.

Der im Auftrag des Ministerpräsidentenamtes erarbeitete Plan sehe vor, dass regierungseigene Krankenhäuser das Recht erhalten, bis zu zehn Prozent ihrer Tätigkeit der Behandlung von Patienten aus dem Ausland zu widmen.

Da sich die Nachfrage nach medizinischen Leistungen durch ausländische Patienten nicht gleichmäßig auf alle Abteilungen verteile, dürfe der Anteil des Medizintourismus in besonders gefragten Abteilungen laut Plan bis zu 25 Prozent erreichen. Der Plan könne auf Regierungsbeschluss ohne Änderungen der Gesetzgebung realisiert werden.

Tourismusbranche optimistisch

Es sind aber nach gtai-Angaben nicht nur Regierungskrankenhäuser, die auf Medizintourismus setzen.

Vielmehr seien auch Krankenhäuser der größten Krankenkasse des Landes, Clalit Health Services, Kliniken in gemeinnütziger Trägerschaft wie Hadassah in Jerusalem oder private Hospitäler wie das Assuta-Krankenhaus in Tel-Aviv im Geschäft mit Patienten aus dem Ausland tätig. Zu den wichtigsten Herkunftsländern der Patienten gehörten die USA und Staaten der ehemaligen Sowjetunion.

Eine Verwirklichung des Expansionsplans würde massive Investitionen in das Gesundheitswesen im Allgemeinen und in Medizintechnik im Besonderen erfordern, wie die gtai-Experten betonen. Zudem sehe der Plan den Bau eines besonderen Krankenhauses für Ausländer vor.

Eine solche Entwicklung böte auch deutschen Unternehmen Lieferchancen. Darüber hinaus müsste die Kooperation zwischen israelischen und ausländischen Gesundheitsträgern im medizinischen wie im geschäftlichen Bereich verstärkt werden.

Nach einer Schätzung von "The Marker" lagen die durch Medizintourismus erzielten Einnahmen israelischer Kliniken 2011 bei umgerechnet rund 110 Millionen Euro. Hiervon erwirtschafteten Regierungskrankenhäuser mit rund 50 Millionen Euro knapp die Hälfte.

Inoffiziellen Angaben zufolge entfällt das Gros der von israelischen Kliniken aus dem Medizintourismus erzielten Maßnahmen laut gtai auf onkologische Behandlungen. Weitere wichtige Einnahmequellen seien Chirurgie, Orthopädie sowie die In-vitro-Fertilisation.

Ein Ausbau des Medizintourismus werde auch vom Fremdenverkehrsministerium befürwortet. Die Tourismusbranche weise darauf hin, dass ausländische Patienten meist in Begleitung von Familienangehörigen kommen und relativ lange bleiben. In Fällen, in denen es ihr gesundheitlicher Zustand zulasse, seien viele auch an Tourismus interessiert.

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