Ärztinnen und Familie

Mit einem guten Netzwerk lassen sich Beruf und Familie vereinbaren

Die Schwierigkeiten bei der Vereinbarkeit von Privatleben und Beruf treffen auch Frauen in der Medizin und in der Wissenschaft. Viele Probleme lassen sich allein nicht lösen.

Von Kathrin Handschuh Veröffentlicht:
Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf beschäftigt viele Ärztinnen.

Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf beschäftigt viele Ärztinnen.

© detailblick / stock.adobe.com

Neu-Isenburg. Mehr Frauen zu einer Karriere in Medizin und Wissenschaft zu motivieren, hat sich das Pharmaunternehmen Novartis zur Aufgabe gemacht. Denn Ärztinnen entscheiden sich deutlich seltener für Führungspositionen im medizinischen Bereich, da sich dies häufig nur schwer mit Familie und Kindern vereinbaren lässt.

Obwohl mehr als 60 Prozent aller Studierenden der Humanmedizin weiblich sind, sind laut einer Studie des Deutschen Ärztinnenbundes vom Oktober 2019 nur 13 Prozent aller Lehrstühle in medizinischen Fächern mit Frauen besetzt.

Bei der zweiten von Novartis organisierten digitalen Netzwerkveranstaltung tauschten sich nun Wissenschaftlerinnen über Herausforderungen bei ihrem beruflichen Werdegang aus. Ihr Fazit: Wer neben der Karriere auch eine Familie gründen möchte, braucht ein belastbares Netzwerk aus Freunden und Familie.

Klare Aufgabenteilung ist wichtig

„Wichtig ist auch eine klare Aufgabenteilung in der Partnerschaft“, betonte die Virologin Melanie Brinkmann, Professorin am Institut für Genetik der Technischen Universität Braunschweig. „Der Partner muss wissen, was seine Frau wirklich möchte und sie darin unterstützen.“ Nur dann ließen sich Kinder und ein erfülltes Berufsleben unter einen Hut bringen.

Sie ärgert sich darüber, dass man auch heutzutage noch vor allem in Kleinstädten schief angeschaut werde, wenn man neben der Familie voll berufstätig sei. Die Mutter von drei Kinder fühlt sich daher in erster Linie unter Gleichgesinnten wohl, mit denen könne man auch über wissenschaftliche Themen sprechen und nicht nur über Kochrezepte, sagt sie.

„Meinem Mann auf Augenhöhe begegnen“

Die Professorin Beatrice Schuler-Thurner hat ebenfalls zwei Kinder und ist mittlerweile Oberärztin an der Uniklinik Erlangen. Ursprünglich wollte sie sich als Hautärztin in einer Praxis niederlassen. Doch als das erste Kind unterwegs war, sei sie ihrem Mann nach Erlangen gefolgt und zunächst als „Verlegenheitslösung“ im Labor gelandet.

Inzwischen leitet sie ein Forschungsprojekt zur experimentellen Immuntherapie. „Mir war es immer wichtig, meinem Mann auf Augenhöhe zu begegnen“, sagte Schuler-Thurner bei der Netzwerkveranstaltung. Die Unterstützung durch ein Kindermädchen habe den Alltag der Familie erleichtert. „Es war anstrengend, aber ich würde es aber jederzeit wieder so machen“, betonte sie.

YouTube-Videos statt Klinik

Gegen den Arztberuf hat sich die Ärztin und Youtuberin Florence Randrianarisoa entschieden. Jahrelang war sie an der Klinik in Köln als Ärztin tätig. Dort habe sie zwischen 60 und 70 Patienten am Tag behandelt, erinnert sie sich. „Es gab viel zu wenig Personal, daher hatten wir kaum Zeit für den einzelnen Menschen. Ich möchte deshalb nicht zurück in den medizinischen Betrieb.“

Sie habe damals festgestellt, dass Ärztinnen, die wegen ihrer Kinder in Teilzeit arbeiteten, von den Kollegen – sogar von den weiblichen – nicht als vollwertige Mediziner wahrgenommen würden. Sie forderte bei der virtuellen Veranstaltung: „In diesem männerdominierten System muss sich die Kultur ändern, damit sich Frauen auf Beruf und Kinder gleichermaßen einlassen können.“

Ihre medizinischen Kenntnisse gibt sie inzwischen als Dr. Flojo auf YouTube weiter. Dort klärt sie die Zuschauer beispielsweise über Schnupfen und die Vorteile von Intervallfasten auf oder erläutert, woran man eine Schilddrüsenunterfunktion erkennt.

Rückschläge akzeptieren

Ute Simon, Global Head Medical Affairs bei einem Novartis-Tochterunternehmen, will junge Frauen dazu ermutigen, Führungspositionen anzustreben. „Es ist wichtig, dass sie an ihrem Weg konsequent festhalten“, so Simon.

Junge Wissenschaftlerinnen sollten das Selbstvertrauen entwickeln, Herausforderungen anzunehmen und nicht aufzugeben. „Auch wenn das zur Folge hat, dass man vielleicht hin und wieder einmal Rückschläge akzeptieren muss.“

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