Hygiene

Mit kaltem Plasma gegen MRSA & Co?

Forscher der Tierärztlichen Hochschule Hannover gehen neue Wege im Kampf gegen Klinikkeime.

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HANNOVER. Angesichts der geschätzt 15.000 jährlichen Todesfälle in deutschen Kliniken, die auf Krankenhausinfektionen zurückgeführt werden, herrscht Handlungsbedarf in puncto Krankenhaushygiene. Im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit steht dabei der Kampf gegen multiresistente Bakterien auf Oberflächen – zum Beispiel mit Kupfer und Silber.

Nun verfolgen Forscher der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo), der Terraplasma GmbH und des Robert Koch-Instituts einen neuen Ansatz, um multiresistente Bakterien auf Edelstahloberflächen abzutöten. Sie setzten dafür nach eigenen Angaben kaltes atmosphärisches Plasma ein – ein Gas mit antimikrobieller Wirkung, das geladene Teilchen enthält.

Reduktion um 85 Prozent

Bereits nach fünf Minuten hätten sie so die Bakterienzahlen um bis zu 85 Prozent reduziert, versichern die Forscher. Die Studienergebnisse erschienen im Fachmagazin „International Journal of Antimicrobial Agents“.

Für ihre Studie kontaminierten die Forscher demnach Edelstahlplättchen mit verschiedenen Bakterienspezies. Hintergrund: In Krankenhäusern und lebensmittelverarbeitenden Betrieben bestehen viele Oberflächen und Arbeitsgeräte aus Edelstahl. Die kontaminierten Platten behandelten sie bis zu zwanzig Minuten lang mit kaltem Plasma.

„Wir untersuchten zunächst verschiedene multiresistente Erreger, die häufig in Krankenhäusern vorkommen“, erläutert Dr. Birte Ahlfeld, Leiterin der Arbeitsgruppe Lebensmittelmikrobiologie des Instituts für Lebensmittelqualität und -sicherheit der Tierärztlichen Hochschule.

Dazu gehören unter anderem Methicillin-resistente Staphylococcus aureus (MRSA) oder Extended-Spektrum beta-Laktamasen bildende Escherichia coli (ESBL). „In einer weiteren Versuchsreihe setzten wir Yersinia enterocolitica ein. Dieses Bakterium kann in rohem Schweinefleisch vorkommen und Magen-Darm-Beschwerden beim Menschen auslösen“, ergänzt Ahlfeld. Ergebnis: Nach 20 Minuten lebten teilweise nur noch 2,8 Prozent.

Dabei beobachteten die Forscher, dass Bakterienarten mit einer dicken Zellwand und kleiner Zelloberfläche eher überlebten. „Diese Merkmale scheinen den Effekt des kalten Plasmas abschwächen zu können“, berichtet Ahlfeld. Des Weiteren versetzten die Wissenschaftler die Bakterienkulturen in einer Versuchsreihe mit Eiweißen, bevor sie sie mit kaltem Plasma behandelten.

„Wir konnten zeigen, dass das kalte Plasma dadurch bei einigen Bakterienarten weniger wirksam war. Vermutlich legen sich die Eiweiße um die Bakterienzellen und schützen sie so vor den geladenen Teilchen“, erklärt Dr. Karolina Lis aus dem Institut für Lebensmittelqualität und -sicherheit. Ahlfeld: „Es ist daher sehr wichtig, die Oberflächen regelmäßig zu reinigen, damit das kalte Plasma gut wirken kann“. (maw)

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