Kommentar – vitabook Gesundheitsakte

Mogelpackung E-Rezept

Ruth NeyVon Ruth Ney Veröffentlicht:

Wo E-Rezept drauf steht, muss auch E-Rezept drin sein? Offenbar nicht. Denn das Unternehmen vitabook setzt mit seiner aufmerksamkeitsheischenden Ankündigung eines E-Rezepts vor allem auf die Bequemlichkeit von Patienten. Ein Medikament, das regelmäßig genommen werden muss, kann dabei nämlich online beim Arzt geordert werden und wird im besten Fall dann auch brav von der Apotheke geliefert. Dass das georderte Rezept das klassische auf Papier ist – für den Patienten ist das einerlei. Gespart werden kann dabei zudem auch noch, weil ein Bonus je rezeptiertem Medikament winkt – so das Konzept.

Ob das, was so einfach wirkt, allerdings dem Praxistest standhält, wird sich zeigen. Wenn Faxe mit der Order falsch oder gar nicht ankommen oder der Arzt nicht gewillt ist, das Rezept auszustellen – weil er den Patienten doch lieber nochmals sehen will, bzw. die Krankenkassenkarte für das Quartal noch nicht vorgelegen hat, kommt die Bestellung ins Stocken.

Spätestens dann, wenn die Apotheke nicht den Boten spielen beziehungsweise für viele Ärzte großzügig Freiumschläge verteilen möchte, läuft der Wunsch des Patienten ins Leere. Unter Umständen erhält er von Arzt oder Apotheke noch nicht einmal ein Feedback, dass er bitte persönlich vorbeikommen soll. Dann dürften Frust und Ärger programmiert sein.

Dem Wunsch von Patienten – vor allem Chronikern und Schwerkranken – nach einer bequemen Arzneiversorgung nachzukommen, ist legitim. Die Rechnung aber ohne offizielle Einbindung der Versorger – Arzt und Apotheker – zu machen und nur auf den Druck durch den Patienten zu setzen, ist kurzsichtig. Denn vor allem die Ärzte werden sich das Heft der Verordnung vermutlich nicht so einfach aus der Hand nehmen lassen.

Lesen Sie dazu auch: Bestellportal: Vitabook bietet Boni bei Rezeptbestellung an

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