Osnabrücker Kliniken

Mühsamer Kompromiss zur Arbeitsteilung

Wer darf was machen in der Neurochirurgie? Darüber haben drei Osnabrücker Krankenhäuser gestritten. Unter Vermittlung des niedersächsischen Sozialministeriums ist nun ein Kompromiss gefunden worden, mit dem alle leben können.

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OSNABRÜCK. Vom Hick-Hack zum Modellprojekt. Die ständigen Auseinandersetzungen der drei Osnabrücker Krankenhäuser um die Behandlung neurochirurgischer Patienten haben jetzt zu einer schiedlich-friedlichen Einigung geführt, die unter der Moderation des Sozialministeriums Niedersachsen zustande gekommen ist.

Niedersachsens Sozialministerin Cornelia Rundt (SPD) lobte die "zukunftsweisende Entscheidung als gutes Signal für die Menschen im Osnabrücker Land." Intern spricht man von einem "mühsamen Kompromiss".

Zukünftig teilen sich das Klinikum Osnabrück, die Paracelsus-Klinik Osnabrück und das Marienhospital der Stadt die planbaren neurochirurgischen Operationen. Kern der Vereinbarung: Patienten mit planbaren Eingriffen, zumeist wegen Hirntumoren, sollen alle in der Paracelsus-Klinik operiert werden.

Planbare Ops werden aufgeteilt

Die Ärzte-Teams kommen aber aus allen drei Krankenhäusern. Die Patienten des Marienhospitals und des städtischen Klinikums können sich aussuchen, von welchem Ärzteteam welchen Hauses sie operiert werden möchten.

Die entsprechenden DRGs werden nach Leistungskomplexen an die einzelnen beteiligten Häuser verteilt.

Bis heute hat die Paracelsus-Klinik als größter Anbieter der Neurochirurgie in der Region mit rund 1800 Behandlungsfällen pro Jahr und 44 neurochirurgischen Planbetten, wie es aus dem Krankenhaus hieß, den Hut auf.

Im Rahmen von Notfällen haben aber auch die anderen beiden Häuser, wenn auch deutlich weniger, so doch auch neurochirurgische Patienten versorgt, obwohl sie über keine entsprechenden Planbetten verfügen.

Allerdings sind städtisches Klinikum und Marienhospital überregional zertifizierte Traumazentren, weshalb der Rettungsdienst diese beiden Häuser anfährt und auch neurochirurgische Patienten bringt.

Nach Angaben von Silvia Kerst, Sprecherin des städtischen Klinikums, transportierte der Rettungsdienst in Osnabrück zwischen Mai 2013 und April 2014 genau 690 Notfallpatienten mit Schädelverletzungen. 410 von ihnen wurden im Klinikum versorgt.

Der Streit begann, als das Marienhospital und das städtische Klinikum neurochirurgische Betten beantragten. Daraufhin schritt das Land ein. Es wollte nicht hinnehmen, dass in Osnabrück Doppelstrukturen zementiert würden.

"Das Land drohte sogar damit, die Zuschüsse einzustellen", sagt Frank Wellmann, Verwaltungsdirektor der Paracelsus-Klinik. Die nachfolgenden Verhandlungen der Häuserchefs untereinander brachten schließlich den Kompromiss.

Abgesehen von der gemeinsamen Nutzung des OPs versorgen alle drei Häuser ihre neurochirurgischen Notfälle weiter selber, soweit diese Patienten innerhalb von drei Tagen operiert werden.

Auch neurochirurgische Patienten, die interdisziplinär behandelt werden müssen und solche der Wirbelsäulenchirurgie werden weiter in den einzelnen Häusern versorgt.

Mühsamer, aber erfolgreicher Weg

Die Gespräche seien mühsam gewesen, heißt es intern, aber alle drei Häuser sind mit dem Kompromiss zufrieden. So erklärt Werner Lullmann, Geschäftsführer des Marienhospitals Osnabrück: "Das gemeinsame neurochirurgische Zentrum ist ein gutes Beispiel für die zukünftig zunehmend wichtigere Zusammenarbeit der Krankenhäuser vor Ort."

Für Thomas Fillep, Stadtrat und Finanzvorstand in Osnabrück, ist die Lösung sogar ein Modellprojekt: "Die erfolgreichen Verhandlungen unserer regionalen Krankenhäuser im Osnabrücker Rathaus können für viele Kommunen in Abstimmung mit dem Landesgesundheitsministerium ein guter Weg sein, um die Qualität und Effizienz ihrer Kliniken zu verbessern." (cben)

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