Netze trommeln für eigenen Honorartopf

Vetternwirschaft! So bezeichneten Kritiker das Vorhaben von Daniel Bahr, den Praxisnetzen eigene Honorarvolumen zu ermöglichen - schließlich würde auch sein Bruder Thomas davon profitieren. Um dem Gesundheitsminister den Rücken zu stärken, starten die Netze jetzt eine Kampagne.

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Praxisnetze bekräftigen ihre Forderung nach eigenen Budgets.

Praxisnetze bekräftigen ihre Forderung nach eigenen Budgets.

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BOHMTE/BERLIN (maw). 70 Praxisnetze mit insgesamt mehr als 9000 Mitgliedern stärken Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) den Rücken für seine Pläne, Praxisnetzen die Möglichkeit einzuräumen, mit den KVen ein eigenes Honorarvolumen auszuhandeln - und zwar im Rahmen des reformierten Paragrafen 87 b im Sozialgesetzbuch (SGB) V.

Die Netze haben eine Kampagne für die Neufassung des Paragrafen im Zuge GKV-Versorgungsstrukturgesetzes (GKV-VStG) unterzeichnet. Angestoßen und koordiniert hat die Aktion die freie Netzberaterin und ehemalige Praxisnetzmanagerin in Bünde, Claudia Schrewe. Das Gesetz soll im Januar in Kraft treten.

Vorwurf Vetternwirtschaft

Die Praxisnetze wehren sich mit ihrer Aktion vehement gegen Vorwürfe, die die "taz" Ende September in einem Beitrag gegen Bahr lanciert hatte. Darin wurde ihm vorgeworfen, mit dem geänderten Paragrafen Vetternwirtschaft zu betreiben, da sein Bruder, Dr. Thomas Bahr, als Chef des Amberger Ärztenetzes Unternehmen Gesundheit Oberpfalz Mitte (UGOM) fungiert und von der neuen Finanzierung profitieren würde.

Im Rahmen ihrer Kampagne wollen die unterzeichnenden Praxisnetze die Diskussion um den neuen Paragrafen 87 b laut Schrewe versachlichen und auf seine Notwendigkeit hinweisen. Ihre klare Forderung lautet: "Die Förderung von Arztnetzen im neuen Versorgungsgesetz muss kommen!"

Zur Begründung führen die unterstützenden Netze an, dass Hausarztverträge im Vergleich zu Praxisnetzen eines nicht könnten: den Dialog und die Zusammenarbeit von Arzt zu Arzt zu verbessern.

Kooperation von Ärzten finanziell fördern

Vor diesem Hintergrund müssten Möglichkeiten geschaffen werden, solche Kooperationen von Ärzten finanziell zu fördern.

"Es geht um eine dringend notwendige Investition in die Gestaltung einer zukunftstauglichen Gesundheitsversorgung vor Ort!", lautet der zentrale Appell der 70 Ärztenetze zum Handeln.

Vielfältige Netzlandschaft entstanden

Praxisnetze hätten in der Vergangenheit Pionierarbeit geleistet; für die Verbindung des ambulanten und stationären Sektors seien sie seit Jahren ein essenzieller Innovationsmotor, betont Schrewe in ihrem Begleitschreiben an Bahr.

Nach 15 Jahren Erfahrung mit Praxisnetzen habe sich eine vielfältige Netzlandschaft ergeben, in der Ärzte untereinander und mit Kliniken sowie Vertretern anderer Gesundheitsberufe kooperierten.

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