Aktionsbündnis Patientensicherheit

Neue Handlungsempfehlung für das COVID-19-Risikomanagement

Ob Medikationsfehler, Patientenverwechslungen oder Schwierigkeiten bei der Versorgung von COVID-19-Patienten – Fallanalysen tragen zur sicheren Versorgung bei. Wie, das zeigt das Aktionsbündnis Patientensicherheit.

Veröffentlicht: 10.05.2020, 05:10 Uhr
Neue Handlungsempfehlung für das COVID-19-Risikomanagement

Qualifiziertes Personal spielt eine Schlüsselrolle in der Strategie zum Schutz von Krebspatienten vor einer SARS-CoV-2-Infektion.

© ManuPadilla / stock.adobe.com

Berlin. Auch wenn derzeit aufgrund der aktuellen Corona-Pandemie die Überprüfung zahlreicher Qualitätsvorgaben des Gemeinsamen Bundesausschusses (GBA) ausgesetzt ist, ist insbesondere ein gut funktionierendes Qualitäts- und Risikomanagement der Schlüssel für eine effektive und sichere Patientenversorgung. Wie das in Praxis und Klinik im Versorgungsalltag funktionieren kann, zeigen die neuen Handlungsempfehlung zur Fallanalyse des Aktionsbündnisses Patientensicherheit (APS).

Sicherheit gerade jetzt kein Luxus

Die Handlungsempfehlung stellt aus APS-Sicht insbesondere dar, für welche Rahmenbedingungen Einrichtungen sorgen müssen, damit Fallanalysen erfolgreich durchgeführt werden können.

„Fallanalysen und ganz allgemein Investitionen in die Patientensicherheit sind gerade jetzt kein Luxus, sondern ein wichtiges Instrument, um vermeidbare Schäden von Patienten und damit auch Belastungen des Gesundheitswesens abzuwenden“, verdeutlicht Marcel Weigand, Generalsekretär des APS. „Und in Zukunft – also in einer Zeit nach Corona – wird eine Unsicherheit für die Einrichtungen beseitigt, wie die Qualitätsmanagement-Richtlinie des GBA in der Praxis anzuwenden ist“, ergänzt er.

Ob Medikationsfehler, Patientenverwechslungen oder aktuelle Schwierigkeiten im Zusammenhang mit der Versorgung von COVID-19-Patienten – sorgfältige Fallanalysen tragen zur sicheren Versorgung bei. Mit Hilfe der Handlungsempfehlung können auch die Vorgaben der GBA-Qualitätsmanagement-Richtlinie zur Analyse von Schäden praxisrelevant umgesetzt werden, versichert das APS.

Man muss die Ereignisse strukturiert untersuchen, um statt oberflächlichen Erklärungsversuchen die systematischen Ursachen für Patientenrisiken herauszufinden.

Dr. Ruth Hecker Vorsitzende des Aktionsbündnisses Patientensicherheit

Es gibt viele Instrumente, die Hinweise auf Fehlerquellen und Risiken der Patientenversorgung liefern. „Man muss die Ereignisse strukturiert untersuchen, um statt oberflächlichen Erklärungsversuchen die systematischen Ursachen für Patientenrisiken herauszufinden“, konstatiert die APS-Vorsitzende Dr. Ruth Hecker.

Zu den Rahmenbedingungen, unter denen Praxen und Kliniken die Fallanalysen durchführen, gehören laut Handlungsempfehlung

  • die Qualifikation der Mitarbeiter, die die Fallanalysen durchführen,
  • die Kriterien für die Fallauswahl, die systematisch erfolgen sollte,
  • die Klärung von Fragen zum Datenschutz sowie
  • die Festlegung spezifischer Aufgaben der Führungskräfte im Analyseprozess.

Wie die APS-Experten betonen, ist die unterstützende Rolle der Leitung der Einrichtung entscheidend für die erfolgreiche Umsetzung von in der Analyse abgeleiteten Maßnahmen. Dafür biete die Methode der Fallanalyse wesentliche Erkenntnisse über das System der eigenen Einrichtung, die zu Maßnahmen der Systemverbesserung führen. Allerdings könnten Fallanalysen zeit- und personalaufwendig sein. Dennoch gelte: Ohne die detaillierte Untersuchung von Ursachen und Faktoren, die dazu beitragen, dass es zu unerwünschten Ereignissen komme, werde es den Einrichtungen nicht möglich sein, die Wiederholung gleicher oder ähnlicher Ereignisse zu verhindern und vorhandene Risiken effektiv zu reduzieren.

Knackpunkt Personalfluktuation

Maßnahmen sind, so das APS, nicht gleich Maßnahmen. Je stärker Maßnahmen, die der Risikovermeidung und Prävention dienten, von handelnden Personen – deren Kompetenz und unterschiedlichem Einhalten von Regeln oder von der Personalfluktuation – abhängig seien, desto geringer sei die Wirkung, die sie für eine sichere Versorgung entfalten können. Deshalb sollten solche Maßnahmen möglichst die Gestaltung von Strukturen und Prozessen betreffen. Zudem sollten sie im System der Einrichtung verankert werden – ob im Krankenhaus oder in der Arztpraxis, am Arbeitsplatz selbst, in Organisationsabläufen, technischen Systemen und Hilfsmitteln oder in der Organisationskultur. (maw)

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