Kommentar – Bagatelle oder mehr?

Ohne Not in die Notaufnahme

Von Robert Bublak Veröffentlicht: 25.06.2019, 18:58 Uhr

Das Lamento über Patienten, die wegen Bagatellen die Notaufnahmen von Kliniken behelligen, ist durchaus berechtigt. Dennoch kann es sich lohnen, sich mit den Ursachen dieses Verhaltens zu befassen. Zwei Forscherinnen haben das für eine Studie getan. Ihre Ergebnisse zeigen: Es ist nicht bloße Bequemlichkeit, die Patienten in die Klinik statt zum Hausarzt treibt.

Erste Aufschlüsse gibt bereits die Altersstruktur. Je jünger die Patienten sind, desto eher kommen sie mit ambulant behandelbaren Beschwerden in die Klinikambulanz – am höchsten ist die Rate bei Kindern bis zu neun Jahren. Da dürften wohl die Ängste der Eltern eine Rolle spielen. Die an der Studie beteiligten Ärzte waren zudem oft uneins, ob die begutachteten Fälle auch außerhalb der Praxiszeiten ambulant zu versorgen gewesen wären. Wenn das aber schon die Ärzte nicht sagen können, wie erst die Patienten?

Oft spielt auch Unwissenheit eine Rolle: In Deutschland fehlt ein Leitsystem, das helfen würde, im Versorgungsdickicht die geeignete Stelle anzusteuern. Dazu kommt der Befund der Forscherinnen, wonach die Zahlen unangebrachter Besuche in der Nothilfe dort am höchsten ausfallen, wo die Ärztedichte am geringsten ist. Mit der Bequemlichkeit der Patienten haben solche Probleme wenig zu tun. Seite 8

Lesen Sie dazu auch: Studie: Statt zum Arzt in die Klinik – warum denn eigentlich?

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Kommentare
Roswitha Poppel

Undifferenzierte Vorwürfe

Vielen Dank für Ihren fairen und differenzierenden Kommentar Herr Bublak. Besonders Eltern, welche sich um ihr Kind sorgen, sollten nicht weiter verunsichert werden, indem man ihnen unnötige Beanspruchung der Notfallambulanzen unterstellt. Fälle wie die eines Kleinkindes, das zweimal in die Klinik gebracht und wieder heimgeschickt wurde, in der Nacht verstorben ist, machen Eltern große Angst.


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