MB-Umfrage

PJler fühlen sich oft als Lückenbüßer

Zu hohe zeitliche Belastung, wenig Strukturierung, Handlanger-Tätigkeiten, die nichts mit dem Ausbildungsziel zu tun haben: Das Praktische Jahr (PJ) ist nach Ansicht vieler PJler dringend verbesserungsbedürftig.

Von Helmut Laschet Veröffentlicht: 14.06.2018, 12:16 Uhr
PJler fühlen sich oft als Lückenbüßer

Die Medizinstudierenden sollen während des Praktischen Jahrs die im Studium erworbenen Kenntnisse vertiefen und erweitern.

© Alexander Raths / stock.adobe.com

BERLIN. Medizinstudenten im Praktischen Jahr kritisieren die hohe zeitliche Belastung kurz vor Abschluss des Studiums, die zu wenig Spielraum für eine theoretische Nachbereitung lässt.

So arbeiten 63 Prozent der PJler zwischen 40 und 50 Wochenstunden in der Klinik, acht Prozent sogar 50 bis 60 Stunden (siehe nachfolgende Grafik). Gut ein Fünftel wird durch Dienste außerhalb der täglichen Anwesenheitszeit zusätzlich belastet.

Das bringt die Betroffenen auch in Bezug auf Krankheit oder Urlaub nicht selten in Bedrängnis. 79 Prozent klagen zudem darüber, dass sie auch mit nichtärztlichen Aufgaben betraut werden.

Das geht aus einer am Donnerstag veröffentlichten Umfrage des Marburger Bundes (MB) unter 1296 PJlern hervor, zwei Drittel davon Studentinnen. 89 Prozent davon absolvieren das PJ an einer Uniklinik oder einem Lehrkrankenhaus.

Oftmals fehlt ein Mentor oder Lehrbeauftragter

Mehr als ein Drittel dieser kurz vor dem Examen stehenden Medizinstudenten werden nicht von einem Mentor oder einem Lehrbeauftragten fachlich betreut.

15 Prozent bewerten die Qualität der Lehre als unbefriedigend oder gar schlecht, 18 Prozent als sehr gut und 39 Prozent als gut. 88 Prozent der PJler hatten die Möglichkeit, an Unterricht oder Seminaren teilzunehmen.

Für besonders bedenklich halten Dr. Andreas Botzlar, zweiter Vorsitzender des Marburger Bundes, und Victor Banas vom Sprecherrat der Medizinstudierenden im MB, dass ein Großteil der PJler ärztliche Kernleistungen ohne Anleitung und Aufsicht von ärztlichen Betreuern übernimmt.

Dies gefährde den Lernerfolg, stelle aber auch ein haftungsrechtliches Problem dar. Als Hauptursache nennt der MB den Personalmangel auch im ärztlichen Dienst.

Nicht jeder erhält eine Aufwandsentschädigung

Als unzureichend wird die Aufwandsentschädigung bewertet: Nur sechs Prozent der PJler erhalten mehr als 650 Euro, 17 Prozent bekommen gar kein Entgelt.

In Übereinstimmung mit der Beschlusslage des jüngsten Ärztetages in Erfurt fordert Banas eine bundeseinheitliche Aufwandsentschädigung auf existenzsicherndem Niveau.

Mit Skepsis sehen PJler Teile des Masterplans Medizinstudium 2020. Nur 23 Prozent befürworten die Einführung eines Pflichtquartals, das in der ambulanten Medizin absolviert werden muss, 57 Prozent sind dagegen.

Noch kritischer wird der geplante Pflichtteil Allgemeinmedizin in der Dritten Ärztlichen Prüfung bewertet: 73 Prozent bewerten das negativ, nur 15 Prozent positiv.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Falsche Erwartungen bei PJ

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