Zukunft

PKV sieht sich als Gesundheitscoach

Tarife von der Stange? Die wird es in der PKV nach einer Studie künftig nicht mehr geben. Die Branche setzt vielmehr auf individuelle Tarife und Gesundheitscoaching.

Von Ilse SchlingensiepenIlse Schlingensiepen Veröffentlicht:
Kommt der persönliche Coach künftig vom Versicherer? Die zunehmende Digitalisierung könnte das möglich machen.

Kommt der persönliche Coach künftig vom Versicherer? Die zunehmende Digitalisierung könnte das möglich machen.

© ruigsantos / Fotolia.com

KÖLN. Die privaten Krankenversicherer (PKV) gehen davon aus, dass sie künftig in der Versorgung ihrer Versicherten eine viel größere Rolle spielen werden, als es bislang der Fall ist. 84 Prozent erwarten, dass sich das Leistungsmanagement - Stichwort "managed care" - weiter durchsetzen wird. 79 Prozent rechnen damit, dass die Versicherer zum Gesundheitscoach der Kunden werden.

Das sind einige der Ergebnisse einer Studie zur Zukunft der PKV, erstellt vom Software-Hersteller Adcubum und dem Assekuranz-Dienstleister Versicherungsforen Leipzig. Sie basiert auf der Befragung von Versicherern und weiteren Experten in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Kern ist die Online-Befragung von 57 Fach- und Führungskräften, vor allem aus deutschen PKV-Unternehmen. Hinzu kommen qualitative Interviews mit zehn Experten, unter ihnen Uwe Laue, der Vorstandschef der Debeka und Vorsitzende des PKV-Verbands, und PKV-Verbandsdirektor Dr. Volker Leienbach.

Nach der Studie werden fünf Trends die PKV in den kommenden Jahren vor allem prägen: die Digitalisierung, der medizinische Fortschritt, der demografische Wandel, die Industrialisierung sowie Telemedizin und Telematik. Die Digitalisierung hat für die Unternehmen dabei die höchste Relevanz.

Möglichkeit Genesungsprozess zu verfolgen

In der Befragung teilten 84 Prozent die Einschätzung, dass die Datenanalyse es künftig erlauben wird, Behandlungsverläufe besser zu prognostizieren und zu kalkulieren. Dadurch erhalten die Versicherer die Möglichkeit, den Genesungsprozess der Versicherten zu verfolgen und gegebenenfalls aktiv zu steuern.

Mit 79 Prozent erkennt die große Mehrheit bei den Unternehmen in diesem Feld noch großen oder zumindest mäßigen Handlungsbedarf. Auch was den Bereich "managed care" angeht, muss nach Einschätzung von 86 Prozent bei den Versicherern noch einiges passieren.

Nach der Untersuchung tun die PKV-Unternehmen gut daran, die Entwicklungen in anderen Branchen im Blick zu haben. Die Autoren nennen hier das Beispiel Google mit seiner Investition in den US-amerikanischen Online-Krankenversicherer Oscar.

Start-ups spielen wichtige Rolle

Aber auch Start-ups spielen eine zunehmend wichtige Rolle. "Knapp 80 Prozent der Befragungsteilnehmer glauben, dass neue bisher branchenfremde Anbieter mit innovativen Angeboten in den Krankenversicherungsmarkt drängen", heißt es in der Studie.

Begünstigt wird der Trend demnach von der zunehmenden Verschmelzung des ersten und des zweiten Gesundheitsmarktes, von der 57 Prozent der Befragten ausgehen.

Eine weitere wichtige Rolle wird die Individualisierung der Krankenversicherungs-Angebote spielen. Dabei kann es sowohl um verhaltensbezogene Tarife gehen als auch um eine stärker modular aufgebaute Tarifstruktur.

"Etwas mehr als die Hälfte der Umfrageteilnehmer hält es für wahrscheinlich bis sehr wahrscheinlich, dass sich die Produkte der Krankenversicherer weg von starren Tarifen hin zu personenbezogenen Tarifen bewegen, bei denen die Tarifierung auf den zur Verfügung gestellten Gesundheitsdaten basiert", heißt es in der Studie.

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