41. Deutscher Krankenhaustag

Personaluntergrenzen bilden nicht den Pflegebedarf ab

Was geschieht in den Kliniken, wenn künftig in vier Fachbereichen Personaluntergrenzen gelten? Ein Diskussionsthema beim Krankenhaustag.

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DÜSSELDORF. In den Kliniken müssen künftig in allen Bereichen Personaluntergrenzen gelten und nicht nur in vier, fordert Dr. Sabine Berninger, Pflegedirektorin der Josefinum KJF Fachklinik in Augsburg. „Sonst droht eine Absenkung der Pflegequalität“, warnte Berninger beim 41. Deutschen Krankenhaustag während der Medica in Düsseldorf.

Die Untergrenzen sind in ihren Augen ein erster Schritt in die richtige Richtung, die geplante Umsetzung müsse aber optimiert werden.

Ab Anfang 2019 greifen in den Kliniken Personaluntergrenzen in vier pflegeintensiven Bereichen: Intensivmedizin, Kardiologie, Geriatrie und Unfallmedizin.

Durch die Beschränkung auf diese vier Felder wird es zu Personal- und Patientenverschiebungen und zu früheren Entlassungen kommen, damit die Kliniken die Vorgaben erfüllen, fürchtet Berninger. „Das wird weder die Qualität der Versorgung noch die Arbeitsbedingungen in der Pflege verbessern.“

Berninger vertritt in der Gesellschaft Deutscher Krankenhaustag den Deutschen Berufsverband für Pflegeberufe und die Arbeitsgemeinschaft christlicher Schwesternverbände und Pflegeorganisationen in Deutschland.

Es werde häufig vergessen, dass die Personaluntergrenzen nicht den tatsächlichen Pflegebedarf abbilden, sondern eine rote Linie sind, die nicht unterschritten werden darf, sagte sie. „Dass sie jetzt in vielen Krankenhäusern als Regelgrenze festgelegt werden, finde ich erschreckend.“ Das sei nicht die Intention dieser Maßnahme.

"Personaluntergrenzen werden zur Strukturbereinigung missbraucht"

Dr. Josef Düllings, Präsident des Verbandes der Krankenhausdirektoren Deutschlands und Kongresspräsident des diesjährigen Krankenhaustages sieht die Personaluntergrenzen noch skeptischer.

Es sei zweifelhaft, ob sie wirken können, wenn die Grundprobleme der Krankenhäuser wie die Unterfinanzierung nicht angepackt werden. Düllings Furcht: „Vielleicht werden die Personaluntergrenzen zur Strukturbereinigung missbraucht.“

Auch der Präsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft Dr. Gerald Gaß verspricht sich eher wenig von dem neuen Instrument. Auf einem leer gefegten Arbeitsmarkt greife es nicht, sagte er. Gaß verwies auch auf die geänderten Modalitäten der Pflegefinanzierung. „Es gibt für die Krankenhäuser keine Anreize mehr, auf Personal zu verzichten.“

Der stellvertretende Vorstandsvorsitzende des GKV-Spitzenverbands Johann Magnus von Stackelberg bezeichnete die Untergrenzen als „überfällig“.

„Ich möchte als Patient nicht in einem Haus landen, wo auf der Unfallchirurgie eine Pflegekraft für 40 Patienten zuständig ist“, sagte er. Ebenso wie Berninger plädierte er dafür, Personaluntergrenzen für das gesamte Krankenhaus festzulegen. (iss)

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