Berufs-Alternativen

Pharma legt für Ärzte die Latte hoch

Raus aus der Versorgung, stattdessen Karriere in der Industrie? Chancen und Anforderungen an junge Ärzte stellte ein Pharma-Manager auf dem Fakultätentag in Mainz vor.

Von Pete Smith Veröffentlicht:
Auch hier sind Ärzte tätig: Substanzentwicklung bei Boehringer Ingelheim in Biberach.

Auch hier sind Ärzte tätig: Substanzentwicklung bei Boehringer Ingelheim in Biberach.

© Boehringer Ingelheim

FRANKFURT/MAIN. Nach erfolgreichem Abschluss ihrer Ausbildung entscheiden sich viele junge Mediziner gegen den klassischen Beruf des Arztes in der ambulanten oder stationären Versorgung und stellen ihr Know-how stattdessen in anderen Berufen unter Beweis. Die Bundeswehr beispielsweise beschäftigt 3300 Sanitätsoffiziere, darunter 2400 Ärzte.

Daneben finden Jungmediziner ihr Auskommen in Behörden, Versicherungsunternehmen (Krankenkassen, Rentenversorger, Lebensversicherungen) oder Forschungseinrichtungen (etwa Helmholtz- und Max-Planck-Gesellschaft). Viele wandern auch ins Ausland ab.

Bedarf an qualifizierten Ärzten hat überdies die Pharmazeutische Industrie, wie Dr. Thor Voigt, Medizinischer Direktor Deutschland von Boehringer Ingelheim, auf dem diesjährigen Medizinischen Fakultätentag in Mainz ausführte.

Vielfältige Einsatzfelder

"Felder, in denen wir Mediziner brauchen, sind die präklinische Forschung, die klinische Forschung und Entwicklung, die Arzneimittelsicherheit und Pharmakovigilanz, die Zulassung und als relativ neuer Bereich der Market Access mit Aufgaben im Health Technology Assessment, wo es zum Beispiel um die Nutzenbewertung geht", sagte Voigt. "Hinzu kommen die medizinische-wissenschaftlichen Abteilungen, die Medical Affairs, wo nummerisch die meisten Mediziner arbeiten, und der Bereich Marketing und Vertrieb."

Die 42 Pharmaunternehmen in Deutschland, die dem Verband Forschender Arzneimittelhersteller (vfa) angehören, haben rund 125.000 Mitarbeiter, darunter 2300 Mediziner, so Voigt. Das erscheine auf den ersten Blick "nicht furchtbar viel", doch immerhin gebe es derzeit einen Bedarf von 250 bis 300 Medizinern.

Hohes Anforderungsprofil

Sein eigenes Unternehmen beschäftige zwischen 300 und 350 Mediziner, davon stammten 70 Prozent aus dem Ausland, etwa aus Mexiko, Asien und Osteuropa. Zurzeit seien bei Boehringer Ingelheim 25 Mediziner-Stellen vakant. "Das Anforderungsprofil für Mediziner in der pharmazeutischen Industrie ist hoch", erklärte Voigt. Dazu gehörten:

  • einige Jahre klinische Erfahrungen bis hin zur Facharztqualifikation,
  • Organisationstalent und Kommunikationsstärke,
  • Mobilität,
  • Englisch als Berufssprache,
  • Die Fähigkeit und Bereitschaft, mit unterschiedlichen naturwissenschaftlichen und kaufmännischen Disziplinen national und international zusammenzuarbeiten sowie
  • Zusatzqualifikationen von MBA bis Zweitstudium.

Mobilität bedeute die Bereitschaft, für viele Jahre ins Ausland zu gehen, präzisierte Voigt. Der größte Markt befinde sich in den USA, aber auch China sei stark im Kommen. "Die meisten Firmen im vfa sind deutsche Niederlassungen ausländischer Unternehmen, die ihren Stammsitz in den USA oder anderswo haben. Deutschland ist für sie eine Rekrutierungseinheit."

Die Herausforderungen der Zukunft seien auch in seiner Branche enorm, schloss der Medizinische Direktor Deutschland von Boehringer Ingelheim seinen Vortrag in Mainz. "Der Brexit etwa bereitet uns Kopfzerbrechen. Denn noch ist die Europäische Arzneimittel-Agentur in London." Erst 2019 zieht die EMA um nach Amsterdam.

Voigt weiter: "Noch mehr Kopfzerbrechen macht uns jedoch derzeit der Kollege Trump, schließlich sind die USA Pharmamarkt Nummer 1."

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