Anlagen-Kolumne

"Politische Börsen haben kurze Beine" - gilt das noch?

Kursentwicklungen an der Börse werden zunehmend von Politikern dominiert. Die US-Börse dürfte dadurch weiter Rückenwind erfahren, anders sieht es in Europa aus.

Von Jens Ehrhardt Veröffentlicht: 29.08.2011, 05:00 Uhr

Ein Börsensprichwort lautet: "Politische Börsen haben kurze Beine". Gemeint ist damit, dass politisch bedingte Kursbewegungen in der Regel keine große Signifikanz haben und die Kursfindung sich anschließend wieder auf die wichtigen Einflussfaktoren wie Zins- und Gewinnentwicklung konzentriert. Im Moment ist es jedoch so, dass politische Entscheidungen das Börsengeschehen permanent überschatten.

Seit den Eingriffen in der Finanzkrise sind die Kursentwicklungen zu großen Teilen von Politikern dominiert. Diese Entscheidungen lassen sich auch nicht über die Mehrheiten in der Bevölkerung antizipieren. Entsprechend waren Börsenentwicklungen noch nie so schwer zu kalkulieren wie heute.

Jüngste Beispiele sind die offene Entscheidung Deutschlands zu den sogenannten Eurobonds (kurz gesagt die Vergemeinschaftung europäischer Schulden zu Lasten deutscher Steuerzahler) oder die Neuauflage von Gelddruckprogrammen in den USA.

Die deutsche Regierung lehnt Eurobonds noch strikt ab, die gleiche Regierung lehnte aber auch Rettungspakete für Griechenland im Vorfeld strikt ab. Auch unmögliche Dinge sind denkbar.

Entgegen ihrer eigentlicher Zielsetzung, der Inflationsbekämpfung, lassen sich die Notenbanken politisch instrumentalisieren. Im Zweifel wird dann offensichtlich für die Geldschwemme und gegen die Inflationsbekämpfung entschieden.

Da dies in den USA bereits deutlich ungehemmter praktiziert wird als in Europa hat sich die US-Börse besser entwickelt. Ein Richtungswechsel dieser Politik ist mangels Handlungsalternativen nicht zu erkennen. Aus diesem Grund kann davon ausgegangen werden, dass die US-Börse weiterhin geldpolitischen Rückenwind erfährt.

Aufs Jahr hochgerechnet entspricht das Geldmengenwachstum der vergangenen drei Monate einer Steigerung von 44 Prozent. Das übersteigt bei weitem das US-Wirtschaftswachstum und die offizielle Inflationsrate und führt zu überschüssigem Geld, welches etwa für Aktieninvestments zur Verfügung steht. Solche Überschussliquidität kann dagegen in Deutschland, Europa und auch China derzeit nicht beobachtet werden, was negativ ist.

Aus markttechnischer Sicht waren die Verluste der vergangenen Wochen allerdings insbesondere in Deutschland so groß, dass davon ausgegangen werden kann, dass eine angemessene Bereinigung stattgefunden hat.

Als Fazit für die Anlageentscheidung gilt weiterhin die Diversifizierung in Sachwerten wie guten Immobilien, Gold (kurzfristig allerdings korrekturanfällig) und substanzstarken Aktien. Deutsche Bundesanleihen bringen nur noch minimale Renditen und werden durch die ev. Einführung von Eurobonds unattraktiver.

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