Kommentar zum Medizintourismus

Potenzielle Fata Morgana

Der Einstieg in den Medizintourismus ist für niedergelassene Ärzte alles andere als ein Selbstläufer. Hier müssen Chancen und Risiken abgewogen werden.

Matthias WallenfelsVon Matthias Wallenfels Veröffentlicht:

Die Verlockung scheint für niedergelassene Ärzte auf den ersten Blick groß zu sein: Betuchte Patienten aus dem Ausland - vorzugsweise Russen und Araber - in der Praxis zu behandeln und sich dafür üppig auf Privathonorarbasis entlohnen zu lassen. Doch, Vorsicht!

Nicht jede Arztpraxis und deren Team eignet sich für dieses knochenharte Geschäft mit "Premium-Medizintouristen".

Zum einen müssen zunächst die Behandler über spezielle und vor allem exzellente medizinische Kenntnisse verfügen - Spezialisten sind gefragt.

Zum anderen müssen alle im Praxisteam, die mit diesen Patienten und ihrer Entourage in Kontakt kommen, in der Lage sein, sich zumindest auf den kulturellen Hintergrund und die oft - vorsichtig ausgedrückt - paternalistisch geprägten Umgangsformen einzulassen.

Das kann für manche Ärztin oder Medizinische Fachangestellte bereits ein K.O.-Kriterium sein.

Die größte Herausforderung stellt sich interessierten Praxen aber im essenziellen Punkt der Akquise entsprechend lukrativer Patienten. Dafür sind aller Wahrscheinlichkeit nach die Kooperation mit großen Hotels oder professionellen Vermittlungsagenturen gefragt.

Auch hier heißt es, sich bei den Konditionen als Leistungserbringer nicht von seinen Kooperationspartnern hinters Licht führen zu lassen.

Die Euphorie manchen Praxischefs bremsen könnte auch die Erfahrung nicht weniger deutscher Kliniken, wenn es um die Begleichung oft fünf- bis sechsstelliger Privatrechnungen seitens der oben genannten Klientel geht.

Geduld und ein langer Atem werden hier  - gelinde gesagt - nicht immer belohnt.

Lesen Sie dazu auch: Medizintourismus: Erlösquelle ausländische Patienten - so klappt`s!

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