Medizinstudium

Psycho-Avatare mimen Ärzten den Patienten

Veröffentlicht: 02.12.2019, 15:22 Uhr

Bochum. Medizinstudierende der Ruhr-Universität Bochum (RUB) können ab Sommersemester 2020 psychiatrische Untersuchungen in Gesprächen mit Avataren simulieren. „Das ermöglicht es ihnen, mit Patienten aller Krankheitsbilder und Schweregrade zu üben und das Panorama zu erweitern“, erklärt die Projektleiterin Dr. Paraskevi Mavrogiorgou von der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Präventivmedizin. Durch den Einsatz von Virtual-Reality-Brillen können die Gespräche in einem dreidimensionalen Raum stattfinden.

Die Wissenschaftler tragen mit dem Projekt der Tatsache Rechnung, dass es bei der Diagnostik psychischer Erkrankungen nicht nur darauf ankommt, was ein Patient sagt, sondern auch auf Mimik, Gestik, Körperhaltung und Stimme. „All diese Dinge beobachtet und bewertet eine erfahrene Ärztin oder ein erfahrener Arzt im Gespräch mit dem Patienten“, sagt Mavrogiorgou.

Der Einsatz von Avataren hat den Vorteil, dass das Training psychiatrischer Untersuchungen nicht auf die realen Fälle am Klinikum beschränkt bleibt. Dabei handelt es sich vor allem um Schwerkranke. „Sie zu motivieren, am Unterricht mit Studierenden teilzunehmen, ist schwierig“, verdeutlicht die Ärztin. „Und es sind nicht die Patienten, die die angehenden Ärzte in ihrer Berufspraxis wahrscheinlich häufig sehen werden.“

Nach dreijähriger Vorbereitung geht es jetzt darum, die Avatare mit einer Biografie und einer Vorgeschichte inhaltlich zu bestücken. Eine auf Visualisierungen im Medizinbereich spezialisierte Firma soll helfen, die Avatare körperlich überzeugend darzustellen.

Die RUB sieht sich mit dem Projekt als Pionier. „Das hat international unseres Wissens noch niemand gemacht, damit sind wir die ersten“, sagt Professor Georg Juckel, Ärztlicher Direktor der Klinik. „Es ging uns darum, die psychiatrische Ausbildung in einem doch recht verschulten Medizinstudium moderner und spielerischer zu gestalten.“

Er hält es für möglich, dass die Avatare später in weiteren Bereichen der Lehre an der medizinischen Fakultät der RUB und an anderen Universitäten zum Einsatz kommen. (bel)

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