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Kolumne „Hörsaalgeflüster“

Quoten für Medizinstudienplätze: Planwirtschaft im weißen Kittel

Die Politik in den Ländern versucht, mit Quoten für Studienplätze dem absehbaren Ärzteschwund in bestimmten Fachrichtungen gegenzuwirken. In Baden-Württemberg gibt es jetzt die ÖGD-Quote. Jule Kränzlein und Joshua Knols von der Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland plädieren für eine andere Herangehensweise.

Joshua KnolsVon Joshua Knols und Jule KränzleinJule Kränzlein Veröffentlicht:
Per Quote schneller zu einem Medizinstudienplatz zu kommen, erfordert eine lange Verpflichtung für eine bestimmte ärztliche Tätigkeit. Die Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland hält davon nichts.

Per Quote schneller zu einem Medizinstudienplatz zu kommen, erfordert eine lange Verpflichtung für eine bestimmte ärztliche Tätigkeit. Die Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland hält davon nichts.

© Jan Woitas / dpa / picture alliance

In Baden-Württemberg wird ab dem kommenden Wintersemester die ÖGD-Quote eingeführt. Befristet auf die nächsten fünf Jahre sollen zehn Studienplätze pro Jahr an Interessent*innen vergeben werden. Diese verpflichten sich nach der Fachweiterbildung im öffentlichen Gesundheitswesen zu einer Tätigkeit, die mindestens weitere zehn Jahre dauert.

Zeichnet sich hier ein weiterer Baustein einer gesundheitspolitischen Strategie ab, die auf Verpflichtung setzt, wo Freiwilligkeit offenbar nicht ausreicht? Nach der Landarztquote und der Landkinderarztquote folgt also nun der öffentliche Gesundheitsdienst.

Und auch dieser ist womöglich nicht der letzte Bereich, für den künftig reservierte Studienplätze geschaffen werden. Werden vorab Quoten somit zunehmend zum Standardinstrument, und steuern wir langsam auf Systeme wie in Frankreich, Spanien, Großbritannien zu?

ÖGD ist wenig attraktiv

Die Landarztquote beispielsweise scheint von der Politik als einfache Lösung für komplexe Probleme aufgenommen zu werden. Doch wenn man einen Hammer hat, sieht alles wie ein Nagel aus. Mal ist es die landärztliche Versorgung, die durch unattraktive Standorte an Beliebtheit verliert, und Mal der öffentliche Gesundheitsdienst, welcher nicht den Berufsvorstellungen der meisten Studierenden entspricht.

Quoten behandeln die Symptome, doch sie verfehlen, das Grundleiden zu adressieren: Die Berufe sprechen die nächste Generation der Ärzt*innen nicht an. Wenn wir das Problem nachhaltig verbessern wollen, müssen wir Motivation und keinen Zwang schaffen. Dazu müssen wir erfassen, warum sich Studierende gegen Karrieren in diesen unbeliebten Fachrichtungen entscheiden und dort die Maßnahmen ansetzen. Die bvmd führt so beispielsweise alle vier Jahre das Berufsmonitoring mit der KBV durch.

Wirtschaft lockt mit Freiheit

Wenn die Politik in Zukunft für jedes unterversorgte Fachgebiet Quoten einsetzt, anstatt sich den Wünschen der nächsten Generation anzupassen, müssen wir uns nicht wundern, wenn das Interesse am Beruf weiter sinkt und anstelle des Freiberufs die Wirtschaft mit Freiheit lockt.

Doch die Konsequenzen gehen weit darüber hinaus. Wussten Sie vor dem Studium schon sicher, welche Fachrichtung Sie später einschlagen werden? Wahrscheinlich nicht.

Genauso wenig können es Personen, die sich wegen einer Quote schon mit 18 Jahren festlegen, welchen Beruf sie die nächsten 16 Jahre verfolgen werden. Viel eher sollte man die Personen fördern, die im Studium ein reales Interesse entwickeln. Mit gezielten Stipendien könnte man intrinsisch motivierte Personen für einen Bruchteil der Kosten eines Studienplatzes fördern und ihren Weg in den Beruf unterstützen.

Ziel der neuen Approbationsordnung

Ein weiterer Knackpunkt befindet sich im Studium. Hier findet ein Großteil der Berufswunschbildung statt. Unterversorgte Bereiche qualitativ besser im Studium abzubilden, birgt die größten Erfolgschancen, Studierende für diese Fächer zu gewinnen. Genau dieses Ziel verfolgt die neue Approbationsordnung, welche seit Jahren in einer Schublade im BMG liegt.

Vorabquoten behandeln nicht das Grundleiden, warum bestimmte Tätigkeitsfelder einer ganzen Generation von Medizinstudierenden so wenig attraktiv erscheinen. Es braucht gezielte Förderungsmaßnahmen und Förderungen, die Anpassung der Berufsbedingungen, die Umsetzung der Reform der Approbationsordnung, frühzeitige Verantwortung, echte Vorbilder, wenn wir unterversorgte Bereiche nachhaltig besetzen wollen. Wer Vielfalt im Studium verankert, stärkt die freie Entscheidung danach. Denn Attraktivität entsteht nicht durch Verpflichtung, sondern durch positive Erfahrung.

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