Soziale Investments

Rendite mit gutem Gewissen

Gewinne einfahren und Gutes tun müssen sich nicht ausschließen. Das zeigen Geldanlage-Konzepte, die bewusst einen sozialen Mehrwert anstreben. Eine Studie zeigt: Immer mehr Anleger investieren in diese Nische.

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Anlageprodukte, die soziale Projekte spriesen lassen, erfreuen sich wachsender Beliebtheit

Anlageprodukte, die soziale Projekte spriesen lassen, erfreuen sich wachsender Beliebtheit

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GÜTERSLOH/MÜLHEIM. Wenn sein Unternehmen Geld verdient, wird die Welt ein bisschen besser - und umgekehrt. Frank Hoffmann ist Sozialunternehmer und Gründer von discovering hands, einer Firma mit Sitz in Mülheim an der Ruhr. Er bildet blinde Frauen darin aus, ihren besonderen Tastsinn zur Brustkrebs-Früherkennung einzusetzen.

Eine von ihnen ist Filiz Demir. Die 41-Jährige verlor erst ihr Augenlicht, dann auch ihren Buchhaltungs-Job. Die Ausbildung zur Tastuntersucherin bot ihr eine neue Chance. Jeden Tag nimmt Demir sich nun Zeit für Hoffmanns Patientinnen, wandert mit ihren Händen Zentimeter für Zentimeter über das Brust- und Lymphknotengewebe.

Expertinnen wie sie können millimeterkleine Knötchen erfühlen. Krebs wird früher bemerkt und besser behandelt werden, erklärt Hoffmann.

Kapital, um mit dem Geschäftsmodell nicht in der Pilotphase stecken zu bleiben, erhielt Hoffmann vor fünf Jahren aus einem Anlage-Fonds, der ausschließlich solche Ideen fördert, die positive Wirkungen auf das Gemeinwohl haben. Und das ist ein wachsendes Feld, wie eine am Freitag veröffentlichte Studie der Bertelsmann-Stiftung zeigt (wie kurz berichtet) .

Deutscher Markt im Aufbruch

Der deutsche Markt für Finanzprodukte, die neben Risiko und Rendite auch die Frage einbeziehen, ob das Geld Gutes bewirkt, ist demnach zwar noch ein zartes Pflänzlein. Aber die Nische "Social Impact Investment" ist im Aufbruch.

Gemeint ist eine Strategie, bei der den Anlegern neben Gewinn ein gesellschaftlicher Mehrwert versprochen wird. "Das Investment soll eine messbare soziale Wirkung entfalten", erklärt Jake Benford, Experte der Bertelsmann-Stiftung.

Das in Deutschland "wirkungsorientiert" angelegte Kapital hat sich laut der Studie seit 2012 verdreifacht auf rund 70 Millionen Euro. Das ist bisher nur ein winziger Bruchteil des gesamten Anlagevolumens, das große Geld aus Rentenkassen und Versicherungen steckt überwiegend in klassischen Geschäftsmodellen.

Aber immer mehr Anleger meldeten ihr Interesse an, berichten etwa darauf spezialisierte Finanzagenturen. Diese Erfahrung hat auch Johannes Weber gemacht. Er ist Gründer von Ananda Ventures - neben dem Pionier Bonventure eine von zwei deutschen Fondsgesellschaften, die den Löwenanteil des "wirkungsorientiert" angelegten Kapitals verwalten.

Während es beim ersten aufgelegten Fonds noch mühsam gewesen sei, von den Investoren rund sieben Millionen Euro einzusammeln, füllte sich der zweite Fond binnen kurzer Zeit mit über 22 Millionen.

"Das Geld investieren wir nur in Unternehmen, die gegründet wurden, um ein soziales Problem zu lösen", erklärt Weber. Gleichzeitig müssten sie aber darauf ausgelegt sein, eine angemessene Rendite von fünf bis sechs Prozent einspielen zu können.

Im Portfolio hat Ananda zum Beispiel ein Start-up, das Autisten mit ihren besonderen Begabungen als IT-Consultants einsetzt. Der Fonds fördert aber auch bezahlbare Kindertagesstätten oder spezielle Tablet-PCs für Menschen mit Demenz.

Ein Trend zu verantwortungsvollem Handeln ist in der Finanzwirtschaft an sich keineswegs neu. Unter dem Stichwort "Divestment" vollziehen mittlerweile viele Anleger etwa eine Abkehr von Investitionen in die aus ihrer Sicht schmutzige Kohle- oder Ölbranche. Alternativbanken wie die Bochumer GLS-Bank versprechen schon seit Jahren, nur in ökologisch und sozial Sinnvolles zu investieren - und erleben seit einiger Zeit einen deutlichen Aufschwung.

Konkrete Wirkung im Fokus

Wirkungsorientierte Finanzprodukte, wie die Bertelsmann-Studie sie definiert, schraubten den Anspruch noch ein wenig höher, erläutert Benford. "Es geht darum, nicht einfach nur Gutes zu tun, wie beim Spenden, sondern Gutes besser zu machen." Dazu gehöre es, dass die Wirkung der Investitionen konkret messbar werde.

Hoffmann von discovering hands rechnet gern vor, wer genau von seinem Unternehmen profitiert: Frauen, deren Brustkrebs früher erkannt werden kann; die Blinden, deren Behinderung als Begabung verstanden wird und die vor Arbeitslosigkeit bewahrt werden; der Staat, der dadurch nicht nur Sozialkosten spart, sondern auch im Gesundheitsbereich. 57.000 Euro teurer sei die Behandlung pro Patientin im Schnitt, wenn Krebs bereits gestreut habe.

Zuletzt sind es aber auch die Investoren, die gewinnen sollen. Ende 2017 soll sein Unternehmen über 50 Tasterinnen beschäftigen - dann trägt es sich selbst und beginnt, auch finanziell Rendite zu bringen. (dpa)

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