Erstattung nach Ergebnis

Rettungsanker für Gesundheitssysteme?

"Pay for Performance" lautet nur eine Bezeichnung für Erstattungsmodelle, die statt einer Menge ein Resultat honorieren. Für die Unternehmensberatung Deloitte liegt hierin der Schlüssel, die Gesundheitssysteme zukunftsfest zu machen.

Christoph WinnatVon Christoph Winnat Veröffentlicht:
Rettungsanker für Gesundheitssysteme?

© fotolia.com

DÜSSELDORF / MÜNCHEN. Kostenkontrolle bei gleichzeitiger Zunahme versorgungsintensiver chronischer Erkrankungen: Die Herausforderungen, vor die medizinischer Fortschritt und demografische Entwicklung die Gesundheitssysteme stellen, sind nicht neu. Doch mit jeder Aktualisierung scheint das Szenario an Dramatik zu gewinnen.

So auch in der jüngsten Studie der Unternehmensberatung Deloitte "Global Health Care Outlook 2016 - Battling Costs While Improving Care". Auch durch neue, bessere Behandlungsmethoden lasse sich eine Zunahme chronischer Erkrankungen nicht verhindern, lautet das Resümee der Berater.

Wichtigste Instrumente zur Effizienzsteigerung der Versorgung seien einerseits telemedizinische Anwendungen, um Chroniker länger ambulant zu unterstützen. Andererseits seien aber auch neue, outcome-bezogene Erstattungsmodelle nötig und ein stärker präventionsorientierter Versorgungsansatz.

"Hoher Reformbedarf"

Beispielhaft für die Zunahme chronischer Erkrankungen führen die Autoren des Reports Diabetes an. Nach Schätzungen der International Diabetes Federation wird die Anzahl der Diabetiker weltweit von heute 387 Millionen auf geschätzt 592 Millionen bis zum Jahr 2035 steigen.

Nach Angaben des US-Pharmaverbandes PhRMA befinden sich gegenwärtig um die 180 neue Antidiabetika in späten klinischen Prüfstadien. Allein in den vergangenen zwei Jahren habe die US-Behörde FDA sieben neue Antidiabetika zugelassen.

Ein weiteres Beispiel für vielversprechende Resultate aus der Pharmaforschung, die gleichwohl den Erstattungsdruck erhöhen, seien die neuen Immuntherapeutika gegen Krebs genannt, die nach ersten Erfolgen mit diesem Therapieansatz in den kommenden Jahren den onkologischen Markt vermutlich dominieren werden.

Trotz stattlicher Pro-Kopf-Gesundheitsausgaben in den Industrienationen bestehe hier "genauso wie in aufstrebenden Regionen ein hoher Reformbedarf". Es bedürfe eines prinzipiellen Wechsels "von einem fall-, beziehungsweise volumenbasierten zu einem ergebnisbasierten Erstattungsmodell, der das gesamte System über momentane Spareffekte hinaus weitreichend transformiert".

Solche Modelle würden in einigen Ländern bereits auf den Weg gebracht oder zumindest erprobt. In den USA gebe es seit Kurzem eine Direktive des Gesundheitsministeriums, wonach bis 2018 die Hälfte des Erstattungsvolumens der Krankenversicherung Medicare an alternativen, also irgendwie outcome-orientierten Kriterien auszurichten sei.

 Auch in Großbritannien teste der nationale Gesundheitsdienst NHS hier und da bereits eine erfolgsabhängige Vergütung. Von einem substanziellen Systemwechsel sei das Land aber noch weit entfernt.

Die komplette Studie kann auf der Deloitte-Website heruntergeladen werden: bit.ly/21G35UG

Mehr zum Thema

Lehren aus der Vergangenheit

KBV: Bei Digitalisierung mehr auf die Praxen hören

Kräftekonzentration

Kooperationsvereinbarung: BiM arbeitet fortan im BMC

Kommentare
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Das war der Tag: Der tägliche Nachrichtenüberblick mit den neuesten Infos aus Gesundheitspolitik, Medizin, Beruf und Praxis-/Klinikalltag.

Eil-Meldungen: Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Interview

Gerlach: „Es gibt keinen allgemeinen Ärztemangel und keine generelle Überalterung“

Lesetipps
Gemälde von Menschen auf einer tropischen Insel, die um eine übergroße Mango tanzen.

© Preyanuch / stock.adobe.com

Kinetose

Mango, Musik, Medikamente – was gegen Reisekrankheit hilft

Die Ursache der Appendizitis des jungen Mannes war offenbar eine Aktinomykose, ausgelöst durch Actinomyces israelii, ein gram-positives anaerobes Bakterium, das als Kommensale in der Mundhöhle und auch im Gastrointestinaltrakt vorkommt.

© Dr_Microbe / stock.adobe.com

Untypisches Krankheitsbild

Kasuistik: Hinter dieser Appendizitis steckte ein Bakterium

Die Pneumocystis-jirovecii-Pneumonie war in einer aktuellen Studie die häufigste Pilzerkrankung bei Menschen mit Autoimmunerkrankungen.

© Dr_Microbe / Stock.adobe.com

Pneumocystis-jirovecii-Pneumonie

Pilzsepsis gibt es auch bei Rheuma