Telemedizin

Rhön gibt Medgate den Laufpass

Der Schweizer Telemed-Pionier Medgate muss sein Deutschlandgeschäft allein voranbringen: Der private Klinikbetreiber Rhön ist ausgestiegen.

Veröffentlicht: 25.09.2020, 18:58 Uhr

Bad Neustadt/Basel. Nach noch nicht einmal einem gemeinsamen Jahr kehrt die Rhön Klinikum AG dem Joint Venture mit dem Schweizer Telemed-Anbieter Medgate schon wieder den Rücken. Wie der private Klinikkonzern am Freitag denkbar wortkarg mitteilte, hat er seine 51 Prozent an der Medgate Deutschland GmbH an den Mitgesellschafter, die Medgate Holding übertragen. Finanzielle Details wurden nicht bekannt gegeben.

Eine Begründung für den Rückzug gibt Rhön nicht. Entsprechende Nachfragen beim Unternehmen blieben bis Redaktionsschluss am Freitag unbeantwortet. Zwischen den Zeilen lässt Rhön jedoch erkennen, dass Telemed-Projekte künftig vorrangig in Anlehnung an den neuen Mehrheitseigentümer Asklepios aufgesetzt werden sollen: Rhön, so wörtlich, wolle sich „weiterhin im Bereich der Telemedizin engagieren“. Hierbei werde man „neben bestehenden sonstigen Kooperationen auch Kooperationsmöglichkeiten mit Asklepios prüfen“.

Weitere Zusammenarbeit unklar

Ob Rhön dabei auf der ambulanten Versorgungsschiene weiterfahren will und wenn ja, ob und wie die Zusammenarbeit mit dem Baseler Fernbehandlungs-Anbieter fortgesetzt wird, bleibt offen. Etwas nebulös heißt es lediglich, Rhön und Medgate seien darin „übereingekommen, dass die grundlegende Zusammenarbeit keiner starren Grenzen einer juristischen Person bedarf“.

Rhön und Medgate – laut Eigenauskunft Betreiber des „größten ärztlichen telemedizinischen Zentrums Europas“ – hatten Anfang 2019 die Absicht verkündet, ein Joint Venture einzugehen, an dem Rhön mit 51 Prozent die Mehrheit halten sollte. Elf Monate später erfolgte die offizielle Unternehmensgründung.

Anlässlich der Bekanntgabe der vorjährigen Geschäftszahlen im Februar kommunizierte Rhön den Aufbau der Medgate Deutschland GmbH jedoch bereits als Kostenfaktor, der die Ertragslage 2020 belasten werde.

Außer im Heimatmarkt Schweiz sowie in Deutschland ist Medgate in Indien, auf den Philippinen sowie in den Vereinigten Arabischen Emiraten aktiv. In Deutschland ist das Arzt-per-App-Angebot bislang auf Selbstzahler oder Privatpatienten begrenzt, deren Versicherer mit Medgate vertraglich zusammenarbeitet. Für eine Telekonsultation inklusive Arztbrief und Rezept werden laut Unternehmen mindestens 37,53 Euro fällig. Sämtliche das hiesige Angebot bestreitenden Mediziner seien „in Deutschland approbiert und festangestellt“. (cw)

Mehr zum Thema

Seltene Erkrankungen

Zentrum für Amyloidose an der Charité

Kommentare

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Newsletter bestellen »

Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte, Medizinstudenten, MFA und weitere Personengruppen viele Vorteile.

Die Anmeldung ist mit wenigen Klicks erledigt.

Jetzt anmelden / registrieren »

Top-Meldungen
Abstrich der Dritte: Die neue Corona-Testverordnung ermöglicht den Einsatz von Antigen-Schnelltests. Sie können am Point-of-Care, wie etwa an der Münchner Theresienwiese, zu schnelleren Ergebnissen führen.

Besonderheiten und Tücken

Darauf ist bei Corona-Antigen-Schnelltests zu achten

Digitaloffensive in der Medizin. Neue Pläne von Jens Spahn.

Drittes Digitalisierungsgesetz

Hat die eGK schon wieder ausgedient?

Bei Typ-2-Diabetikern war der Konsum von täglich mindestens vier Tassen grünem Tee plus einer Tasse Kaffee mit einem um 58 Prozent verringertem Mortalitätsrisiko verbunden.

Assoziationsstudie

Typ-2-Diabetes: Länger leben durch Kaffee und Tee?