Gesundheitswirtschaft

Stark in Forschung und Export – die Gesundheitsindustrie

Mit einer Bruttowertschöpfung von 81,2 Milliarden Euro liegt die Wirtschaftsleistung der 1,05 Millionen Beschäftigten in der industriellen Gesundheitswirtschaft pro Kopf um mehr als 50 Prozent über dem Durchschnitt der gesamten Gesundheitswirtschaft. Pharma und Medizintechnik leisten einen maßgeblichen Beitrag für Wohlfahrtsgewinne durch Exportüberschüsse.

Von Helmut Laschet Veröffentlicht: 20.05.2020, 10:00 Uhr
Stark in Forschung und Export – die Gesundheitsindustrie

Hohe Arbeitsproduktivität kennzeichnet die Pharmabranche.

© Sanofi

Die industrielle Gesundheitswirtschaft – die wichtigsten Branchen sind Arzneimittel, Medizintechnik und Biotechnologie – nimmt eine Sonderstellung innerhalb der Gesundheitswirtschaft ein: Sie ist in hohem Maße internationalisiert, außergewöhnlich exportstark, extrem arbeitsteilig im internationalen Maßstab und forschungsintensiv. In den vergangenen zehn Jahren hat sich dieser Teil der Gesundheitswirtschaft mit einem jährlichen Wachstum von 4,1 Prozent ähnlich wie die gesamte Branche entwickelt, wobei sich seit 2017 eine Stagnation der Bruttowertschöpfung abzeichnet.

Ähnlich verläuft die Entwicklung der Beschäftigtenzahl: Zwischen 2010 und 2017 nahm die Zahl der Mitarbeiter um rund 200.000 auf 1,035 Millionen zu und stagniert seitdem. Überdurchschnittlich hat sich der Außenhandel entwickelt.

So stieg der Exportwert zwischen 2010 und 2019 um 48,4 Milliarden Euro auf 118,9 Milliarden Euro; das ist eine jährliche Wachstumsrate von sechs Prozent. Allerdings ist erstmals seit langem ein Rückgang von 900 Millionen Euro im vergangenen Jahr zu beobachten.

Fast in gleichem Ausmaß sind auch die Importwerte gestiegen: jährlich um 5,6 Prozent von 48,8 auf 79,9 Milliarden Euro zwischen 2010 und 2019.

Exportwert höher als die Wertschöpfung

Frappierend ist auf den ersten Blick, dass das Volumen des Außenhandels – dies gilt zumindest für den Exportwert – höher ist als die Bruttowertschöpfung der Branche. Wie kann es sein, dass scheinbar mehr Güter exportiert als produziert werden? Die Erklärung liegt in der internationalen Arbeitsteilung. Arzneimittel und ihre Vorstufen sind extrem hochwertige, aber zugleich auch gut transportable Güter; sie queren über viele Fertigungsstufen hinweg mehrmals die deutsche Außengrenze und werden dabei jedes Mal als Export und/oder Import registriert.

11 Mrd. Euro Wertschöpfung entstand im vergangenen Jahr allein in der medizinischen Biotech-Branche. Mit einem jährlichen Wachstum von 5,4 Prozent entwickelt sie sich besonders dynamisch. Inzwischen sind hier fast 76. 000 Menschen beschäftigt.

Entscheidend kommt es dabei auf den Saldo zwischen Export und Import an, den Außenhandelsüberschuss: Der ist vor allem in der ersten Hälfte des Jahrzehnts stark gestiegen – von 21,7 in 2010 auf 36,8 Milliarden Euro in 2015 – und stagniert seit 2017 bei rund 39 Milliarden Euro.

Biotech wächst überdurchschnittlich

Eine überdurchschnittliche Entwicklung hat in den letzten zehn Jahren die gesundheitsbezogene Biotechnologie genommen: Sie verzeichnete durchschnittliche Wachstumsraten von 5,4 Prozent und erreichte 2019 eine Bruttowertschöpfung von elf Milliarden Euro. Die Zahl der Beschäftigten ist jährlich um 4,8 Prozent auf zuletzt 75.900 gestiegen. Das Niveau der Wertschöpfung je Mitarbeiter liegt mit 145.000 Euro näherungsweise auf dem der Beschäftigten in der Arzneimittelproduktion (164.000 Euro).

Eine herausragende Rolle in der Gesundheitswirtschaft, insbesondere aber in der Medizin, spielen Forschung und Entwicklung. Die gesamte Bruttowertschöpfung der Forschung erreichte 2019 9,6 Milliarden Euro, das jährliche Wachstum liegt seit 2010 bei 5,4 Prozent in der industriellen Forschung und bei 4,0 Prozent in der nicht industriellen Forschung.

Zwei Drittel der Forschungsleistungen entfallen inzwischen auf die Industrie, allein 44 Prozent auf die Forschung und Entwicklung von Humanarzneimitteln. Von den insgesamt 117.000 Wissenschaftlern sind 53 Prozent an Hochschulen und Einrichtungen des Gesundheitswesens beschäftigt, 29 Prozent in der pharmazeutischen Industrie.

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