Anlagen-Kolumne

Steuerfreie Dividende mit Pferdefuß

Von Richard Haimann Veröffentlicht:

Stattliche 57 Milliarden Euro haben deutsche Aktiengesellschaften dieses Jahr an Dividenden ausgeschüttet. Was viele Aktionäre freut: Bei einigen Unternehmen unterliegen die Dividendenzahlungen ganz oder in Teilen weder der Kapitalertragssteuer, noch dem Solidaritätszuschlag von zusammengenommen 26,375 Prozent.

Bei den Ausschüttungen der Deutschen Post und der Deutschen Telekom hat der Fiskus komplett das Nachsehen. Bei Dividenden von Unternehmen wie Deutsche Euroshop, DIC Asset und Deutsche Wohnen muss nur ein Teilbetrag versteuert werden. Denn bei diesen Konzernen gelten die Dividenden ganz oder teilweise als Rückzahlungen aus Eigenkapital. Die sind für Aktionäre steuerfrei, solange sie am Unternehmen beteiligt bleiben.

Letztere Klausel ist der Pferdefuß. Trennt sich der Anleger irgendwann von den Aktien, werden die bis dahin nicht besteuerten Dividenden auf den Verkaufspreis addiert und der dadurch erhöhte Gesamtgewinn unterliegt komplett der Steuer. Beispiel: Ein Aktionär erwirbt eine Aktie für 100 Euro, erhält drei Jahre lang eine steuerfreie Dividende von jeweils drei Euro und verkauft das Papier danach für 130 Euro. Besteuert wird nun nicht der reine Kursgewinn von 30 Euro, sondern – inklusive der zuvor steuerfrei kassierten Dividenden – der Betrag von 39 Euro.

Die Steuerlast ist damit genauso hoch, als wenn die jährliche Dividende gleich besteuert worden wäre. Das können Anleger verhindern, indem sie Aktien mit steuerfreier Dividende ewig halten. Das kann zum Problem werden, wenn der Kurs des Papiers fällt oder die Dividende gekappt wird, so dass die Ausschüttung unattraktiv wird. Beides ist möglich. Die Deutsche Telekom hat jüngst bekannt gegeben, ihre Dividende von 0,70 Euro pro Aktie in diesem Jahr auf 0,60 Euro in 2020 zu senken. Das Papier verlor am Tag der Ankündigung in der Spitze 3,5 Prozent.

Richard Haimann ist freier Wirtschaftsjournalist in Hamburg. Er schreibt über Finanzthemen für in- und ausländische Publikationen.

Schlagworte:
Mehr zum Thema

Aktion „Wir sind für Sie nah“

Mit neuer Kampagne will KBV Druck auf Politik erhöhen

Kommentare
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Das war der Tag: Der tägliche Nachrichtenüberblick mit den neuesten Infos aus Gesundheitspolitik, Medizin, Beruf und Praxis-/Klinikalltag.

Eil-Meldungen: Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Landessozialgericht München

Urteil: Abrechnungsausschlüsse gelten auch arztbezogen

Lesetipps
Gefangen in der Gedankenspirale: Personen mit Depressionen und übertriebenen Ängsten profitieren von Entropie-steigernden Wirkstoffen wie Psychedelika.

© Jacqueline Weber / stock.adobe.com

Jahrestagung Amerikanische Neurologen

Eine Frage der Entropie: Wie Psychedelika bei Depressionen wirken

Gesundheitsminister Lauterbach hat angekündigt, den Entwurf für die Klinikreform am 8. Mai im Kabinett beraten lassen zu wollen. 

© picture alliance / Geisler-Fotopress

Großes Reformpuzzle

So will Lauterbach den Krankenhaus-Sektor umbauen