Medizin auf dem Land

Telekonsil, Videosprechstunde & Co – Zauberformel für Bayern?

Können telemedizinische Optionen und elektronische Patientenakten helfen, die medizinische Versorgung im ländlichen Ostbayern nachhaltig zu verbessern? Das Projekt „MeDiLand“ will Antworten finden. Mit an Bord sind Hausarztpraxen.

Von Christina Bauer Veröffentlicht:
Ostbayern setzt auf vernetzte Leistungserbringer.

Ostbayern setzt auf vernetzte Leistungserbringer.

© adam121 / Fotolia

DEGGENDORF. Vernetzte Gesundheitsversorgung im Bayerischen Wald? Deren Machbarkeit erprobt derzeit die Technische Hochschule Deggendorf im Projekt „MeDiLand – Medizin digital zur Verbesserung der Versorgung auf dem Land“. Dabei handelt es sich um ein Teilprojekt der Ausschreibung „Digitales Dorf“. Diese Ausschreibung der bayerischen Regierung setzt der Technologiecampus Grafenau der TH Deggendorf seit 2017 in derzeit fünf Vorhaben um.

Bei MeDiLand, das vom Bayerischen Gesundheitsministerium mit 330.000 Euro gefördert wird, mit dabei sind die Hausarztpraxis von Dr. Frauke und Dr. Karl-Heinz Haberer in Spiegelau (4100 Einwohner) und die Gemeinschaftspraxis Dr. Hartmut Sperr und Kollegen in Frauenau (2700 Einwohner). Sie sollen sich in der Region mit dem Pflegeheim Rosenium, dem ambulanten Intensivpflegedienst Binder, der Arberland Klinik Zwiesel, der Klinik Goldener Steig Grafenau und der Bergschutzhütte Waldschmidthaus am Großen Rachel vernetzen. „Ich erwarte die größtmögliche Behandlungsqualität bei bestmöglichem Zeitgewinn für andere ärztliche Aufgaben“, so Dr. Karl-Heinz Haberer im Gespräch mit der „Ärzte Zeitung“.

Delegation wird groß geschrieben

Schon jetzt übernähmen in seiner Praxis vier VERAH etwa 200 der 400 Hausbesuche. Bald sollen sie ihn und seine Frau nun von überall per Videokommunikation und Datenaustausch hinzuziehen können. Dann, so Haberer, ließen sich womöglich weitere Hausbesuche delegieren, etwa bei einfachen Infekten. Seit Dezember liefenin den Praxen erste Tests, zunächst per Smartphone, über gesicherte Kommunikation, so Informatikerin Gudrun Fischer. Sie leitet das Projekt am Technologie Campus Grafenau.

Bald solle eine elektronische Patientenakte (ePA) allen Beteiligten ermöglichen, sich auf einen Blick über die Gesundheit von Patienten zu informieren. Dabei sei zuerst die Vernetzung der Arztpraxen mit den Pflegeanbietern anvisiert. „Es gibt noch die eine oder andere Unsicherheit“, konstatiert Fischer. Aber die Anfangstests zeigten, dass Ärzte und Mitarbeiter schnell von neuen Technologien wie der Videokommunikation überzeugt seien, sobald sie Vorteile feststellten. Durch den digitalen Datenaustausch sollen die medizinischen Ressourcen in der ländlichen Region in Ostbayern effizienter genutzt werden. „Wir möchten verschiedene elektronische Gesundheitsakten ausprobieren“, so Fischer. Unter anderem sollten Vitabook, Vivy und TK Safe getestet werden, eventuell noch weitere. Die ePA solle wichtige Daten wie Arzneien, Vorbehandlungen und Allergien integrieren. Ein zentraler Punkt: Der Patient entscheide, wer wann welche Daten abrufen könne.

Per Telemedizin sollten die Praxisärzte zudem bei Bedarf den Rat von weiter entfernten Spezialisten einbeziehen können. Das solle zunächst für Klinikärzte gelten, eine Erweiterung auf Facharztpraxen sei vorstellbar. Zunächst würden bis etwa Mitte dieses JAhres die notwendigen Telemedizin-Arbeitsplätze an Praxen und Kliniken eingerichtet. Als „Gegenpart“ erhielten insbesondere Praxismitarbeiter und Pflegende, die mobil Patienten behandeln, Tablets für den Datenaustausch und die Videokommunikation. Mit speziellen Messgeräten sollen zudem Vitaldaten wie Puls, Blutdruck oder Blutsauerstoffgehalt dokumentiert werden.

Ärzte prüfen Einsatzmöglichkeiten

Die Werte könnten direkt zur Behandlung verwendet, aber auch in der ePA gespeichert werden. Die technologische Umsetzung organisiere der Anbieter IQ.medworks, der auch im bayerischen Telenotarzt-Projekt mitwirkt. Während der Erprobung würden Rahmenbedingungen mit geprüft, etwa, ob es regional bei der Mobilfunkabdeckung hapere.

Die Ärzte wiederum prüfen mit, wann sich die Telemedizin eignet, beginnend bei den Tele-VERAH. Trotz Bild- und Messdaten sei eine direkte Wahrnehmung der Patienten nicht möglich. „Dieser Kanal fehlt dann“, gibt Haberer zu Bedenken. Seine Praxis wolle die neuen Möglichkeiten nun jedenfalls ausprobieren.

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