Pharma

Überbordende Corona-Pipeline

Corona ist auch ein Markt. Und immer mehr Unternehmen suchen ihre Chance dort. Die Anzahl der Entwicklungsprojekte nimmt stetig zu.

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Stuttgart. Sollten weitere Corona-Vakzine ähnlich erfolgversprechende Wirksamkeitsdaten vorweisen, wie die jüngst von Moderna und BioNTech/Pfizer bei EMA und FDA eingereichten – und sollten die Zulassungsbehörden ebenso überzeugt davon sein, wie die britische MHRA, die am Mittwoch dem BioNTech-Kandidaten grünes Licht für den Notfalleinsatz gab –, dann dürfte jedenfalls auf mittlere Sicht kein Mangel an Produkten zur globalen COVID-Vorsorge herrschen. Laut einer Auswertung der internationalen Unternehmensberatung Ernst & Young (EY) befinden sich aktuell (Anfang Dezember) 237 Corona-Impfstoffkandidaten in klinischen Versuchen. Seit der vorherigen Zählung im Juni seien damit 76 Entwicklungsprojekte hinzugekommen.

Acht Kandidaten befänden sich derzeit in Phase III, 30 weitere in den Phasen I und II sowie 197 noch in der Präklinik, heißt es. Bei 49 Kandidaten – einschließlich der beiden Wirkstoffe von Moderna und Pfizer/BioNTech – handelt es sich den Angaben zufolge um einen mRNA oder DNA-Ansatz.

Die aussichtsreichen Tests deutscher Firmen – neben BioNTech das Tübinger Startup CureVac sowie der Dessauer Hersteller IDT Biologika – seien auch als „positives Signal für den hiesigen Standort“ zu werten, meint EY-Berater Alexander Nuyken. „Die Biotech-Branche hat hierzulande eher ein Nischendasein geführt. Auch bei Risikokapitalgebern flog sie weitestgehend unter dem Radar. Jetzt stehen die Unternehmen plötzlich im Rampenlicht – und liefern.“

Amgen, Takeda und UCB prüfen drei Wirkstoffe

Überbordende Pipelines meldet Ernst & Young aber auch in der Therapeutikaforschung: 446 Wirkstoffe würden derzeit klinisch gegen COVID-19 geprüft – 204 Projekte mehr als im Juni. 350 Kandidaten würden bereits an Menschen getestet, „haben sich also bereits als hinreichend sicher und wirksam erwiesen und damit wichtige Hürden vor der Zulassung hinter sich gelassen“; 133 Projekte hätten schon Phase III erreicht. Ein Wirksamkeitsnachweis stehe jedoch überall noch aus. Zur Erinnerung: Bisher zum Notfallgebrauch gegen COVID-19 zugelassen ist nur in den USA die Antikörperkombi Casirivimab/Imdevimab von Regeneron sowie Bamlanivimab von Lilly. Zudem hat Gileads Remdesivir von der FDA die erste reguläre Freigabe erhalten, wohingegen dessen Einsatz in der EU erst unter Auflagen genehmigt ist.

Vor wenigen Tagen gaben Amgen, Takeda und UCB die erste Patientenbehandlung im Rahmen einer gemeinsamen plazebokontrollierten Phase-III-Studie („COMMUNITY“) mit gleich mehreren Wirkstoffen bekannt. An hospitalisierten sowie Intensivpatienten sollen demnach Amgens Phosphodiesterasehemmer Apremilast (Otezla®), Takedas Antikörper Lanadelumab (Takhzyro®) sowie UCBs experimenteller C5-Inhibitor Zilucoplan erprobt werden. Laut Mitteilung der Hersteller-Allianz nehmen an der COMMUNITY-Studie Kliniken in den USA, Brasilien, Mexiko, Russland, Südafrika „und weiteren Ländern“ teil. (cw)

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