Geld und Vermögen

Unabhängiger Anlagerat für Generation 50plus

Selbstständige Finanzberater können eine Alternative zu Bankberatern sein. Zumindest sollten sie nicht provisionsgetrieben, sondern auf Honorarbasis arbeiten. Für die Zielgruppe 50plus gibt es auch spezialisierte Anbieter.

Von Jürgen Lutz Veröffentlicht:
Seriös dreinblickende Finanzberater müssen nicht immer eine seriöse Beratung bei der Geldanlage erbringen. Skepsis ist angebracht. © Günter Menzl / fotolia.com

Seriös dreinblickende Finanzberater müssen nicht immer eine seriöse Beratung bei der Geldanlage erbringen. Skepsis ist angebracht. © Günter Menzl / fotolia.com

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NEU-ISENBURG. Das Image der Finanzberater hat in der Finanzkrise schwer gelitten. Nach einer Umfrage des Magazins "Reader's Digest" unter 8000 Deutschen haben 80 Prozent "kein" oder "kaum" Vertrauen zu dieser Berufsgruppe. Laut der Umfrage haben nur noch 16 Prozent "großes" oder "sehr großes" Vertrauen in die Berufsgruppe der Finanzberater.

Von der Malaise in den Banken und Finanzvertrieben profitieren Honorarberater, die keine Produkte verkaufen. Dazu zählt auch das gute Dutzend ehemaliger Banker, das sich unter dem Label "Die alten Hasen" zusammengeschlossen hat.

Die Gruppe eint nicht nur das Bekenntnis zur nicht gerade billigen Honorarberatung, sondern es gibt zwei weitere Aspekte. "Zum einen hat jeder Berater eine aktive Laufbahn als Banker in leitender Funktion hinter sich und blickt auf jahrzehntelange Erfahrung zurück", sagt Eberhard Beer, der die Öffentlichkeitsarbeit der "alten Hasen" leitet. Zum anderen konzentrieren sich die Berater auf die Zielgruppe der über 50-Jährigen, der sie selbst angehören.

Die Vorteile liegen für Beer auf der Hand: "Wir bringen außer Erfahrung und Neutralität ein Verständnis dafür mit, was die Kunden bewegt. Und wir genießen bei Kunden unserer Generation mehr Glaubwürdigkeit als ein junger Berater."

Der Bedarf an neutralen Informationen ist in den Jahren vor dem Ruhestand hoch, da in dieser Phase entscheidende Weichenstellungen vorgenommen werden. Durch die Finanzkrise und die nicht immer optimale Beratung von Banken ist dieser Bedarf noch gewachsen. Die "alten Hasen" führen nach eigenen Angaben im Jahr zwischen 400 und 600 Gespräche, etwa ein Drittel der Kunden wird dauerhaft begleitet.

Darunter sind auch etliche Ärzte. Das Spektrum reicht von Medizinern, "die dauerhaft mehr ausgeben als sie verdienen, bis hin zu Ärzten, die sechsstellige Summen im mittleren Bereich so anlegen wollen, dass sie in finanzieller Hinsicht ihren Ruhestand genießen können", sagt der Genossenschaftsbanker mit 40 Jahren Berufserfahrung. Und noch immer trifft der Berliner auf Heilberufler, die mit den Folgen von Fehlinvestments in ostdeutsche Schrottimmobilien zu kämpfen haben.

Wer konkrete Empfehlungen erwartet, welche Fonds oder Aktien er kaufen soll, ist bei Beer und Kollegen an der falschen Adresse. Die Ex-Banker konzentrieren sich vielmehr darauf, die Wünsche und Gegebenheiten ihrer Kunden zu eruieren und die dazu passenden Produktarten zu erläutern. "Der Kunde holt dann bei seiner Bank Angebote ein, die wir mit ihm besprechen", beschreibt Beer den Prozess. Die Entscheidung, wie das Geld angelegt wird, liegt stets bei den Kunden.

Mit ihrer Abstinenz bei Produktempfehlungen erfüllen die "alten Hasen" ein wichtiges Kriterium. Nach Einschätzung der Verbraucherzentrale Hamburg ist nicht jeder Finanzberater, der sich als unabhängig bezeichnet, in der Entscheidung wirklich frei. So sei immer dann Misstrauen angebracht, wenn Produkte empfohlen werden. Damit könnten versteckte Provisionen verbunden sein.

Die Neutralität hat ihren Preis. Die Erstberatung kostet fix 65 Euro plus Mehrwertsteuer. Weitere Beratungen kosten 200 Euro pro Stunde. Ob sich das lohnt, hängt von der Summe ab: Wer 50 000, 100 000 Euro oder mehr unterzubringen hat, ist bei einer unabhängigen Beratung meist gut aufgehoben - gleich ob bei den "alten Hasen" oder anderen Experten.

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