Direkt zum Inhaltsbereich

„Super-Diagnostics“

Uniklinikum Essen setzt voll auf Künstliche Intelligenz

Das Uniklinikum Essen richtet ein eigenes KI-Institut mit vier neuen Professuren ein. Mittelfristig will Essen kleineren Kliniken, aber auch onkologischen Praxen dienen – als Dienstleister onkologischer „Super-Diagnostics“.

Matthias WallenfelsVon Matthias Wallenfels Veröffentlicht:
Das Universitätsklinikum Essen hat sich der Digitalisierung verschrieben: Beim 3D-Mapping zum Beispiel interpretieren die Kardiologen in Essen eine elektrische Landkarte der Herzoberfläche, die dank neuer Technik innerhalb weniger Minuten mehr als 20000 Datenpunkte sammelt.

Das Universitätsklinikum Essen hat sich der Digitalisierung verschrieben: Beim 3D-Mapping zum Beispiel interpretieren die Kardiologen in Essen eine elektrische Landkarte der Herzoberfläche, die dank neuer Technik innerhalb weniger Minuten mehr als 20000 Datenpunkte sammelt.

© Universitätsklinikum Essen

ESSEN. Das Universitätsklinikum Essen (UKE) will bei der medizinischen Versorgung das große Rad der Künstlichen Intelligenz (KI) drehen. Wie Professor Jochen Werner, Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender des UKE, sowie Professor Michael Forsting, Direktor des Instituts für diagnostische und interventionelle Radiologie und Neuroradiologie sowie Medizinischer Direktor der Zentralen IT der Universitätsmedizin Essen, am Freitag beim Kongress „Emerging Technologies in Medicine“ verkündeten, will das UKE ein eigenes KI-Institut aufbauen. Dafür würden vier neue Professuren ausgeschrieben.

Wie Forsting im Gespräch mit der „Ärzte Zeitung“ verdeutlichte, peilt das UKE eine Vorreiterrolle bei der KI-gestützten medizinischen Versorgung in der Region – und darüber hinaus – an. Ziel sei, das UKE als Dienstleister „onkologischer Super-Diagnostics“ zu positionieren, der als Sparringspartner den KI-gestützten Weg zu einer personalisierten Therapieempfehlung aufzeigen kann – und zwar für ärztliche Kollegen in kleineren Krankenhäusern sowie onkologischen Praxen.

Ärzte und Informatiker im Boot

Wie Forsting weiter hervorhob, verfügt das UKE über alle diagnostischen Fächer. Würden diese konsequent digitalisiert, könnte die KI-gestützte Analyse der individuellen Patientendaten im Abgleich mit vorhandenen Massendaten zu entsprechenden Therapieempfehlungen führen. Basis für den Erfolg seien die individuell für die Auswertung zu erstellenden Algorithmen. Dementsprechend gehe es bei der Besetzung der vier neu geschaffenen Professuren um eine austarierte Besetzung mit adäquat spezialisierten Ärzten und Informatikern.

Ein Dorn im Auge ist Forsting, dass in Nordrhein-Westfalen so viele Informatik-Spezialisten ausgebildet würden, die dann nach ihrem Abschluss mehrheitlich in anderen Bundesländern einer Tätigkeit nachgingen. Zusammen mit Werner strebt er an, einen wahren KI-Kosmos rund um das UKE zu installieren.

Das hieße, es würden sich weitere Health-Start-ups in der Nähe ansiedeln und Spin-offs würden translationale Innovationen in die Erstattung führen. Dieses Universum biete den regionalen IT-Fachkräften eine starke berufliche Herausforderung. „Gesundheit ist das geilste Arbeitsfeld für Euch – das müssen wir den IT-Spezialisten aus der Region klarmachen“, bringt es Forsting etwas flapsig auf den Punkt.

Stünden die Super-Diagnostics erst einmal für die Onkologie auf festen Füßen, kann sich Forsting die Ausweitung auf die Infektiologie vorstellen. Werner bringt im Gespräch mit der „Ärzte Zeitung“ die Orthopädie ins Spiel, die am UKE bereits weitgehend digitalisiert sei.

Einziger Wermutstropfen für Werner: Noch sind nicht alle Mitarbeiter am UKE begeistert von einem essenziellen Beitrag, den die KI in der medizinischen Versorgung – und damit in ihrem Arbeitsalltag – spielen soll. „Es gibt auch Mitarbeiter, die KI-Lösungen nicht als Unterstützung, sondern als ernsthafte Gefahr für ihren Arbeitsplatz verstehen“, räumt Werner ein.

Hier gelte es, die Belegschaft umfassend über die KI-Strategie am UKE aufzuklären sowie auf individuelle Sorgen und Ängste einzugehen. „Als großer Arbeitgeber muss es unser Bestreben sein, Arbeitskräfte entsprechend weiterzuqualifizieren und sie an andere Einsatzmöglichkeiten unter dem Dach des UKE heranzuführen, sollte der Einsatz der KI ihre Stelle obsolet machen“, so Werner.

Patienten sollen bald profitieren

Wie Werner und Forsting betonen, müssen natürlich auch die Patienten in puncto KI aktiv mit ins Boot geholt werden – allerdings mit klaren Grenzen. Für sie sei es wichtig, dass sie Befunde und Diagnostik so schnell wie möglich bekämen. Es müsse aber nicht in jedem Schritt speziell kommuniziert werden, dass KI dabei im Spiel gewesen sei – die moderne Errungenschaft solle als normaler Behandlungsalltag erlebt werden.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Digitalisierung

KI-Chatbots bieten 24/7-Sprechstunde für Patienten

Das könnte Sie auch interessieren
Der Gesundheitsdialog

© Janssen-Cilag GmbH

J&J Open House

Der Gesundheitsdialog

Kooperation | In Kooperation mit: Johnson & Johnson Innovative Medicine (Janssen-Cilag GmbH)
Impulse für den medizinischen Fortschritt: Welches Mindset braucht Deutschland?

© Springer Medizin

Johnson & Johnson Open House-Veranstaltung am 26. Juni 2025 beim Hauptstadtkongress

Impulse für den medizinischen Fortschritt: Welches Mindset braucht Deutschland?

Kooperation | In Kooperation mit: Johnson & Johnson Innovative Medicine (Janssen-Cilag GmbH)
J&J Open House beim Hauptstadtkongress

© [M] Springer Medizin Verlag

Video zur Veranstaltung

J&J Open House beim Hauptstadtkongress

Kooperation | In Kooperation mit: Johnson & Johnson Innovative Medicine (Janssen-Cilag GmbH)
Kommentare
Sonderberichte zum Thema

Ist das AMNOG bereit für HIV-Innovationen?

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Gilead Sciences GmbH, Martinsried
Maquet Otesus OP-Tischsystem

© Getinge Deutschland GmbH

Unternehmen im Fokus

Flexible und ökonomische OP-Tischsysteme

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Getinge Deutschland GmbH, Rastatt
Angepasste Endpunkte, moderne Studiendesigns und ungelöste Herausforderungen

© metamorworks / Getty Images / iStock

Krebsmedizin auf neuen Wegen

Angepasste Endpunkte, moderne Studiendesigns und ungelöste Herausforderungen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Pfizer Pharma GmbH, Berlin
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Übergriffiges Verhalten im Gesundheitswesen

Medizinstudentin zu sexueller Belästigung: „Ich möchte beim Ärztetag nicht mit ,Hase‘ angesprochen werden“

Vielfalt der Musikermedizin

Ihr Patient ist Musiker? Was dann relevant werden könnte

Lesetipps
Patient vor der CT-Untersuchung der Lunge.

© jovannig / stock.adobe.com

Telemedizin für Prävention

Lungenkrebs-Screening: Das Münsterland zeigt, wie es funktionieren kann

Frau sitzt nachts auf ihrem Bett und schaut ins Licht ihrer Nachttischlampe.

© stokkete / stock.adobe.com

Von unten nach oben

Stufenschema bei Insomnie: So bei Schlafstörungen therapieren