„Super-Diagnostics“

Uniklinikum Essen setzt voll auf Künstliche Intelligenz

Das Uniklinikum Essen richtet ein eigenes KI-Institut mit vier neuen Professuren ein. Mittelfristig will Essen kleineren Kliniken, aber auch onkologischen Praxen dienen – als Dienstleister onkologischer „Super-Diagnostics“.

Von Matthias Wallenfels Veröffentlicht: 28.02.2019, 06:47 Uhr
Uniklinikum Essen setzt voll auf Künstliche Intelligenz

Das Universitätsklinikum Essen hat sich der Digitalisierung verschrieben: Beim 3D-Mapping zum Beispiel interpretieren die Kardiologen in Essen eine elektrische Landkarte der Herzoberfläche, die dank neuer Technik innerhalb weniger Minuten mehr als 20000 Datenpunkte sammelt.

© Universitätsklinikum Essen

ESSEN. Das Universitätsklinikum Essen (UKE) will bei der medizinischen Versorgung das große Rad der Künstlichen Intelligenz (KI) drehen. Wie Professor Jochen Werner, Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender des UKE, sowie Professor Michael Forsting, Direktor des Instituts für diagnostische und interventionelle Radiologie und Neuroradiologie sowie Medizinischer Direktor der Zentralen IT der Universitätsmedizin Essen, am Freitag beim Kongress „Emerging Technologies in Medicine“ verkündeten, will das UKE ein eigenes KI-Institut aufbauen. Dafür würden vier neue Professuren ausgeschrieben.

Wie Forsting im Gespräch mit der „Ärzte Zeitung“ verdeutlichte, peilt das UKE eine Vorreiterrolle bei der KI-gestützten medizinischen Versorgung in der Region – und darüber hinaus – an. Ziel sei, das UKE als Dienstleister „onkologischer Super-Diagnostics“ zu positionieren, der als Sparringspartner den KI-gestützten Weg zu einer personalisierten Therapieempfehlung aufzeigen kann – und zwar für ärztliche Kollegen in kleineren Krankenhäusern sowie onkologischen Praxen.

Ärzte und Informatiker im Boot

Wie Forsting weiter hervorhob, verfügt das UKE über alle diagnostischen Fächer. Würden diese konsequent digitalisiert, könnte die KI-gestützte Analyse der individuellen Patientendaten im Abgleich mit vorhandenen Massendaten zu entsprechenden Therapieempfehlungen führen. Basis für den Erfolg seien die individuell für die Auswertung zu erstellenden Algorithmen. Dementsprechend gehe es bei der Besetzung der vier neu geschaffenen Professuren um eine austarierte Besetzung mit adäquat spezialisierten Ärzten und Informatikern.

Ein Dorn im Auge ist Forsting, dass in Nordrhein-Westfalen so viele Informatik-Spezialisten ausgebildet würden, die dann nach ihrem Abschluss mehrheitlich in anderen Bundesländern einer Tätigkeit nachgingen. Zusammen mit Werner strebt er an, einen wahren KI-Kosmos rund um das UKE zu installieren.

Das hieße, es würden sich weitere Health-Start-ups in der Nähe ansiedeln und Spin-offs würden translationale Innovationen in die Erstattung führen. Dieses Universum biete den regionalen IT-Fachkräften eine starke berufliche Herausforderung. „Gesundheit ist das geilste Arbeitsfeld für Euch – das müssen wir den IT-Spezialisten aus der Region klarmachen“, bringt es Forsting etwas flapsig auf den Punkt.

Stünden die Super-Diagnostics erst einmal für die Onkologie auf festen Füßen, kann sich Forsting die Ausweitung auf die Infektiologie vorstellen. Werner bringt im Gespräch mit der „Ärzte Zeitung“ die Orthopädie ins Spiel, die am UKE bereits weitgehend digitalisiert sei.

Einziger Wermutstropfen für Werner: Noch sind nicht alle Mitarbeiter am UKE begeistert von einem essenziellen Beitrag, den die KI in der medizinischen Versorgung – und damit in ihrem Arbeitsalltag – spielen soll. „Es gibt auch Mitarbeiter, die KI-Lösungen nicht als Unterstützung, sondern als ernsthafte Gefahr für ihren Arbeitsplatz verstehen“, räumt Werner ein.

Hier gelte es, die Belegschaft umfassend über die KI-Strategie am UKE aufzuklären sowie auf individuelle Sorgen und Ängste einzugehen. „Als großer Arbeitgeber muss es unser Bestreben sein, Arbeitskräfte entsprechend weiterzuqualifizieren und sie an andere Einsatzmöglichkeiten unter dem Dach des UKE heranzuführen, sollte der Einsatz der KI ihre Stelle obsolet machen“, so Werner.

Patienten sollen bald profitieren

Wie Werner und Forsting betonen, müssen natürlich auch die Patienten in puncto KI aktiv mit ins Boot geholt werden – allerdings mit klaren Grenzen. Für sie sei es wichtig, dass sie Befunde und Diagnostik so schnell wie möglich bekämen. Es müsse aber nicht in jedem Schritt speziell kommuniziert werden, dass KI dabei im Spiel gewesen sei – die moderne Errungenschaft solle als normaler Behandlungsalltag erlebt werden.

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