Deutsches Psychotherapeuten Netzwerk

Unwissenheit über ePA führt zu Ablehnung

Eine Umfrage des Deutsche Psychotherapeuten Netzwerks zeigt, dass 90 Prozent der Patienten in einer Psychotherapie die ePA ablehnen. Das Ergebnis ist mit Vorsicht zu betrachten.

Veröffentlicht: 20.05.2020, 15:05 Uhr
Unwissenheit über ePA führt zu Ablehnung

Die E-Patientenakte könnte auch Patienten erleichtern, einen Überblick über ihre Befunde zu bekommen. Dafür ist aber eine gute Aufklärung erforderlich.

© Andy Dean / stock.adobe.com

Bonn. Rund 90 Prozent der Deutschen lehnen einer repräsentativen Umfrage des Deutschen Psychotherapeuten Netzwerks (DPNW) zufolge die Verwendung der elektronischen Patientenakte (ePA) ab, wenn sich die betroffenen Personen aktuell in einer Psychotherapie befinden oder potenziell in naher Zukunft eine starten. Lediglich zehn Prozent stimmten für die Verwendung der Akte.

Außerdem lehnen fast 90 Prozent der Befragten die Speicherung von Patientendaten auf zentralen Servern ab; rund 61 Prozent befürworten jedoch die dezentrale Speicherung der ePA auf einem Chip.

DPNW: Aufklärung vor Einführung

Der Clou der Umfrage: Insgesamt gaben rund drei Viertel der Befragten an, sich „gar nicht“ (44 Prozent) oder „nur etwas“ (27 Prozent) über die ePA informiert zu fühlen. „Mittelmäßig informiert“ fühlten sich 15,6 Prozent der Befragten, während lediglich neun Prozent sich „gut“ und nur vier Prozent „sehr gut“ informiert fühlten.

Angesichts der Wissenslücken rund um die ePA, die im nächsten Jahr kommen soll, fordert das DPNW in einer Pressemitteilung zu den Umfrageergebnissen, „dass der deutsche Gesetzgeber die Bürger umfassend über die elektronische Patientenakte aufklären muss“.

Der DPNW-Vorsitzende Dieter Adler meint dazu: „Es kann nicht sein, dass Jens Spahn durch die Hintertür Fakten schafft ohne alle Risiken und Nebenwirkungen zu zeigen. Das fliegt ihm später wieder um die Ohren!“

Befragte zeigen Angst vor Diskriminierung

Die Befragten lehnten die Nutzung der ePA insbesondere in Bereichen ab, die stigmatisierend beziehungsweise diskriminierend wirken könnten. In den diesbezüglichen Freitextfeldern fanden sich laut DPNW unter anderem Themen wie Schwangerschaftsabbrüche, Kinderwunschbehandlungen, Infektionserkrankungen, Suchterkrankungen, chronische Erkrankungen oder Angaben zur sexuellen Orientierung.

Nach Angaben des DPNW haben zwischen Juli 2019 und Februar 2020 3453 Patienten an der Online-Umfrage teilgenommen. Gewonnen wurden die Teilnehmer durch Informationsblätter in Praxen: Die überwiegende Mehrheit stieß in einer Psychotherapeuten-Praxis auf die Umfrage, etwa 10 Prozent der Befragten erhielten das Informationsblatt in einer Haus- oder Facharztpraxis. (mu)

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